Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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KLEINE MITTEILUNGEN.

P. — Von den grossartigen Manifestationen, welche,
man darf sagen, die gesamte Christenheit dem Papste ge-
legentlich seines Jubiläums dargebracht hat, legte die seiner
Zeit in den Tagesblättern vielbesprochene vatikanische Aus-
stellung glänzendes Zeugnis ab. Einen sehr breiten Raum
nahm in dieser Ausstellung die Kunst ein. Darüber berichtet
in kurzer und geschmackvoller Weise der Kaplan am deut-
schen Camposanto zu Rom Heinrich Sicoboda in der Schrift:
Ein Weltbild unserer kirchlichen Kunst (Paderborn, F.
Schöningh. Preis M. 1,80). Das kleine sehr lesenswerte Heft
wird auch neben der grossen Publikation der Ausstellung
von bleibendem Wert sein, weil der Verfasser nicht trocken
berichtet, sondern auch kritisirt und Winke giebt. wo auf
dem Gebiet kirchlicher Kunst die bessernde Hand anzu-
legen ist.

Kalmar. Die Schongauer-Gesellschaft versendet soeben
ihren 14. Jahresbericht in gewohnter Ausstattung mit einigen
Lichtdrucken geziert. Letztere geben Gesamtansichten der
geschmackvollen Aufstellung in den früheren Kreuzgängen des
Klosters Unterlinden (jetzt Museum). Die Sammlungen haben
sich in massigem Umfang vermehrt, da die Mittel des Vereins um-
fassende Ankäufe nicht gestatten. Der Verein bestrebt sich zu
retten, was aus alter Zeit inKolmar und Umgegend zu retten ist,
dabei lebhaft unterstützt von Freunden des Vereins, Korpo-
rationen u. a. Eine sehr interessante Neuerwerbung ist ein
mächtiger in Holz geschnitzter, aufrecht stehender Hirsch,
früher als Wirtshausschild im Reichenweiher verwandt.
Von grösster Seltenheit ist ein goldenes Büchsehen mit gra-
virtem Ornament, dem 6. Jahrhundert angehörend, in Hor-
burg bei Kolmar gefunden. Im ganzen wurden für Ankäufe
im Berichtsjahr 13S0.8S Mark verwendet; eine besondere
Pflege ist den Gemälden zugewendet, deren Restauration fast
durchgeführt ist. Um die Arbeiten des Vereins hat sich wie
früher so auch im verflossenen Jahre Herr Präsident Fleisch-
hauer die grössten Verdienste erworben.

Dresden. Das Königl. Kunstgewerbemuseum zu Dresden
veranstaltet auf die Dauer vom 20. Okt. bis 30. Nov. d. J.
in seinen Räumen eine Sonderausstellung alter Zinnarbeiten.
Da zu diesem Zwecke der gesamte im Königreich Sachsen
befindliche öffentliche und private Besitz, so weit es möglich
war, herangezogen worden ist, verspricht die Ausstellung
eine ebenso reichhaltige wie interessante zu werden. So
ist es gelungen, unter anderen hervorragenden Werken die
gesamte Zinntellersammlung des Dr. Dcmiani-Leipzig, die
Zinnarbeiten der Sammlung Zsc/«7/e-Grossenhain und die be-
rühmte Kanne aus dem städtischen Museum zu Zittau zur
Ausstellung zu bringen.

— Karlsruhe. Das lebhafte Interesse, welches der
Grossherzog dem Kunstgewerbe entgegenbringt, hat sich aufs
neue durch eine Schenkung erwiesen, die derselbe der gross-
herzogl. Kunstgewerbeschule zu teil werden Hess. Die Union
centrale des arts decoratifs in Paris hat durch die Firma
Christofle & Cie. daselbst ältere Objekte des Kunsthandwerks
galvanoplastisch nachbilden lassen und aus der Reihe der-
selben sind die geschenkten Gegenstände käuflich erworben
worden. Es sind drei grössere und drei kleinere Erzeug-
nisse: ein Bronzemörser mit Greifen und Füllhörnern ver-

ziert, italienische Arbeit des 16. Jahrhunderts; ein Ciborium
aus dem 13. Jahrhundert, vergoldetes Kupfer mit Email und
farbigen Steinen geziert; eine Vase mit Deckel aus ungari-
schem Nephrit mit Metallverziemngen. Der Stein ist in
Kupfer nachgebildet mit genauer Wiedergabe der Farbe des
Originals; eine Taschenuhr in Form einer Blumenknospe,
deutsche Arbeit des 16. Jahrhunderts; eine Taschenuhr von
ellipsoidischer Form, vorn und auf der Rückseite mit Orna-
menten und Figuren geschmückt; ein kleiner Taschenspiegel
aus Metall, in seiner Ausschmückung den Triumph Amors
darstellend. Diese sechs Gegenstände in vorzüglicher Nach-
bildung sind eine höchst wertvolle Bereicherung der Lehr-
mittel genannter Unterrichtsanstalt, welche dem hohen Stifter
ausserdem von früher her eine Anzahl von kunstgewerblichen
Werken zu verdanken hat.

Stuttgart. Gelegentlich des 25jährigen Regierungsjubilä-
ums des Königs Karl von Württemberg hat das Direktorium
der königl. Kommission für die gewerbl. Fortbildungsschulen
eine Ausstellung der Zcichensclnden des Landes und eine da-
mit verbundene Ausstellung von Lchrlingsarbeiten veranstaltet.
Die Zeichenausstellung umfasste mehr als 500 Schulen und
die Lehrlingsarbeitenausstellung 925 Teilnehmer. Gleich-
zeitig hat die genannte Kommission eine Jubiläumsschrift
über „die Entstehung und Entwickelung der gewerblichen
Fortbildungsschulen und Frauenarbeitsschulen in Württem-
berg" erscheinen lassen, welche sich als eine zweite ver-
mehrte Ausgabe der 1873 erschienenen Schrift unter gleichem
Titel darstellt. Der stattliche Band giebt in eingehender
Weise über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in
Württemberg, seine Geschichte, Ausbildung, über Lehrkräfte,
Unterrichtsmittel, die finanziellen Leistungen, Schülerzahl etc.
Auskunft. Sorgfältig gearbeitete statistische Tabellen geben
ein anschauliches Bild von dem Umfang, Benutzung und Er-
folg der Schulen, eine Karte zeigt die Verbreitung der Unter-
richtsanstalten über das Land.

Leipzig. Der Katalog der Ornamentstichsammlung des
Li iji: igerKunstgewerbemuseums, von E. von Ubisch bearbeitet,
ist vor kurzem erschienen und dürfte bei dem grossen Reichtum
der Sammlung, die vor bald zwanzig Jahren von Drugulin für
das genannte Museum erworben wurde, auch für solche
Sammler und Liebhaber von Interesse sein, die zum prak-
tischen Gebrauch desselben keine Gelegenheit haben. Ausser-
dem nach Stecher- bez. Verlegernamen geordneten Haupt-
verzeichnis, das 124 Seiten umfasst, giebt der Verfasser, dessen
Arbeit auf dem gründlichsten Fachstudium beruht, in dankens-
werter Weise auch ein sachlich geordnetes Register. Ein
Anhang bringt Proben aus der Sammlung in Zinkätzung
Der Katalog ist für 6 Mark im Buchhandel käuflich.

Rd. Bucheinband des 17. Jahrhunderts. Der nachstehend
abgebildete Einband im Kunstgewerbemuseum zu Köln um-
schliesst ein Pontificale von 1645 und dürfte aus der gleichen
Zeit stammen. Das rote Maroquinleder ist lediglich durch
reiche schön disponirte Vergoldung geschmückt. Das bischöf-
liche Wappen in der Mitte ist nicht mehr festzustellen: es
war durch Malerei auf einem eingelegten grünen Stück
Leder gebildet, welche jetzt verwischt ist. Der Einband
misst 40 cm in die Höhe, 27,5 cm in der Breite.
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