Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 1.

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Bücherschau.

Geschichte der Baukunst, bearbeitet von

Richard Borrmann und Joseph Neuwirth.

I. Die Baukunst des Altertums und des

Islam im Mittelalter von Borrmann. Mit

280 Abbildungen. Leipzig 190!. E. A. Seemann.

(Preis 8,50 Mk.)

Der Plan, die verdienstvolle Architekturgeschichte

Lübke's wieder auferstehen zu lassen, hat zu dem

Entschlüsse geführt, dieses neue selbständige Werk

herauszugeben, welche« 3 Bände umfassen soll und

wegen seiner Verfasser mit dem grölsten Vertrauen

aufgenommen werden darf.

Wie begründet dieses Vertrauen ist, beweist be-
reits der I. Band, der die Baukunst des Altertums,
also Ägyptens, Babylons und Assyriens, Vorderasiens,
Persiens, Griechenlands, Etruriens, der Römer und
Sassaniden, im Anhang, des Islam behandelt. Dank
der zahlreichen Entdeckungen der letzten Jahre nicht
nur in Ägypten, Indien, Persien, sondern auch in den
um das Mittelmeer gelagerten Ländern, deren Bau-
denkmäler den Hauptgegenstand der Darstellung
bilden, verfügt der Verfasser nicht blofe über einen
viel grösseren Denkmälerschatz, auch die Beziehungen
der einzelnen Kulturvölker untereinander, über die
gerade aus den Monumenten ungeahnte Aufschlüsse
sich ergaben, erscheinen in neuer Beleuchtung. Der
Zusammenhang zwischen der mykenischen und ägyp-
tischen wie phönikischen Kultur trat hervor, und schon
im Beginne der europäischen Kultur macht der
Gegensatz zwischen Orient und Occident sich geltend,
der für so viele Bauformen den Schlüssel bietet. Erst
der Grieche verschafft ihnen die eigentliche Durch-
bildung, damit die Universalität; und Alexander der
Groise ist ihr grölster Verbreiter, bevor noch die
Römer sich derselben bemächtigt hatten im Sinne
der Ausbildung, die sie ihnen später gaben. Wie
auch sie wieder abgelöst wurden durch den orien-
talischen Einfluls und seine byzantinischen Errungen-
schaften, fällt noch in den Rahmen dieses Bandes,
der auch über die neupersische Baukunst des Alter-
tums wie über die mohammedanische Architektur des
Mittelalters manches Neue zu sagen weifs, alles an
der Hand gut ausgesuchter, zumeist wenig bekannter
Abbildungen, die zum grofeen Teil auf Zeichnungen
beruhend, daher auch viele Grundrisse umfassend,
den klaren frischen Text recht anschaulich illustrieren.

E.

Handbuch der Kunstgeschichte von Anton
Springer. I. Das Altertum, VII. Auflage,
völlig umgearbeitet von Adolf Michaelis. Mit
781! Abbildungen im Text und 9 Farbendrucktafeln.
Leipzig, E.A.Seemann. (Geb. 9 Mk.) — III. Die
Renaissance in Italien, VII. Auflage, völlig
umgearbeitet von Adolf Philippi. Mit 319 Ab-
bildungen im Text und 16 Farbendrucktafeln.
(Geb. 8 Mk.)
Der aulserordentliche Erfolg de» Springer'schen
Handbuchs, das, nach kaum drei Jahren, wieder eine I
neue Auflage verlangte, ist dem Glänze des Namens
*u danken, aber auch dem Bemühen des Verlegers,
es vor der Gefahr des Alterns zu bewahren, gegen

das, auf diesem so überaus flüssigen Gebiete, kein
Buch geschützt ist. Haben die neuen Autoren schon
die beiden letzten Auflagen mit mancherlei Zusätzen
und Veränderungen versehen, die ihren Zweck er-
reichten, so ist jetzt mit Recht die Parole viel durch-
greifenderer Umgestaltung des Werkes ausgegeben,
und dafe es diese erträgt ist ein neuer Beweis für
seine Gediegenheit.

In der neuen Gestalt liegen der I. u. III. Band
vor, von denen jener die Umarbeitung viel mehr er-
forderte und fand, als dieser.

Professor Michaelis, Springer's Freund, be-
hauptet in dem Bereiche der antiken, namentlich der
alten griechischen und römischen Kunst schon lange
eine führende Stellung, und kaum einer hat, wie er,
die enormen Forschungsergebnisse der beiden letzten
Jahrzehnte verarbeitet. Die unzähligen Einzelheiten
hat er systematisch zusammengestellt, vornehmlich
auf dem Gebiete der Architektur, so dafs besonders
die hellenistische und römische Kunst, die, obwohl
der altgriechischen an Erhabenheit nicht eben-
bürtig, wegen ihres immensen Einflusses auf das
folgende Jahrtausend von der grölsten Bedeutung ist.
Überall treten die Fortschritte in der Erkenntnis her-
vor, dank einer Gelehrsamkeit, die sich im Verzicht
auf die literarischen Nachweise Gewalt antun muis,
im Interesse der nicht vorwiegend aus Gelehrten,
sondern aus Lernbegierigen bestehenden Leser. Der
Illustrationsapparat hat gleichfalls sehr erhebliche
Verbesserungen und Vermehrungen erfahren, so dafe
er auf der höchsten, jetzt erreichbaren Spitze ange-
langt ist.

Dr. Philippi hatte sich bereits als der berufenste
Bearbeiter des III. Bandes bewährt, aber in dem
Umstände, dafe gerade die italienische Renaissance
die starke Seite Springer's bildete, mag er Erschwe-
rung seiner Aufgabe gefunden haben. Er hat sie
vortrefflich gelöst durch mancherlei Zusätze, durch
vielfache Verbesserungen, namentlich auch durch be-
stimmtere Fassungen, wie sie Springer nicht selten
erschwert wurden durch das Streben nach geistvollen
und originellen Deutungen. Auch hier hat die Aus-
stattung an Klarheit wie an Reichtum erheblich ge-
wonnen. Schnütgen.

Kunstdenkmäler der Schweiz. Heft III.
Das Südportal der Stiftskirche von S.
Ursanne von Albert Naef. Genf 1903. Chr.
Eggismann & Cie.

Als die Fortsetzung der in dieser Zeitschrift XV,
349 besprochenen Publikation erscheint das vorliegende
Grofs folioh eft, welches aus einer Zeichnung, einer
photographischen Aufnahme und diei Farbentafeln
dieses Portals besteht, nebst dessen eingehender
Beschreibung. Was nämlich diesem Portal des
XII. Jahrh., das aus je 3 Säulen sich aufbaut, die in
halbkreisförmigen Wülsten sich fortsetzend, ein Tym-
panon einschliefsen mit figurenreichem Kelief und je
einer flankierenden Figurennische, besondere Bedeutung
verleiht, ist vor allem die erhaltene Polychromie. Sie
war durch zahllose Übermalungen verdeckt, aber der
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