Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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Die kunsthistorische Ausstellung in Düsseldorf 1902.

XXIII. (Mit 5 Abbildungen.)

40. Drei gotische Zylinderreliquiare
der Stiftskirche zu Hochelten (Katalog
Nr. 434, 435, 437.)
I. Eine Musterleistung ist dieses 40 cm hohe
silbervergoldete, im Sinne der hochgotischen
Architektur von einem westfälischen Meister
gegen Ende des XIV. Jahrh. ausgeführte Osten-
sorium, das rund im Fufs, Schaft und Helm,
sechsseitigen Knauf und vierseitige Zylinder-
einfassung
hat. Dem

schweren
und flachen,

mit einer
durchbroche-
nen Vier-
pafsgalerie
geschmück-
ten Fufs ent-
steigt in un-
gemeiner
Verjüngung
der glatte
Schaft, der

gegenüber
der schlan-
ken Laube
sich Geltung

verschafft
durch einen
starken, von
sechs Fialen
umstellten
Knauf, der
nicht für das
Anfassen be-
stimmt, nicht
handlich zu sein brauchte. Auf je einem
abzweigenden gestanzten Eichenblatt auf-
sitzend, scheiden sie die ovalen, mit einer
Kreuzblume bekrönten Pasten, die mit einem
niellierten Ornament versehen sind, als einer
in Westfalen im XIV. Jahrh. mehr als
anderswo begegnenden Technik. Über den
Rand der runden Deckplatte des Trichters,
ragen die vier Schuhe für die glatten Strebe-
pfeiler heraus. Die diese bekrönenden langen
Fialen schmiegen sich als eigenartige Gliede-
rung an den glatten Helm an, den ein späteres
Kreuz schliefst als einzige Anordnung an dem

einzigen Reliquiar, welches den Goldschmied
des XIV. Jahrh. in seiner bewunderungswür-
digen Einfachheit und Selbständigkeit zeigt.

II. Weniger originell und sauber in der
Technik, aber bemerkenswert durch seinen
korrekten Aufbau und namentlich durch seine
Accommodation an den viel älteren geschnitte-
nen und ausgehöhlten Bergkristall ist dieses
38 cm hohe, silbervergoldete Reliquiar,

dessen Fufs
rosettenför-
mig, dessen
Knauf durch
die sechs an-
gestifteten

Knöpfe
sonderbar,
dessenTrich-
ter in die
Breite ent-
wickelt ist.
Über ihm
leitet eine
starke Schrä-
ge zu der ova-
len durch-
brochenen
Galerie über,
die der un-
ten schma-
len,oben brei-
ten Bergkri-
stallphiole als
Versenkung
dient. Oben
verschwindet
diese unter
dem Lilienfries und dem architektonischen
Aufsatz mit seinem über Eck gestellten durch-
brochenen Riesen als Mittelturm, und bis zu
ihm ragen die Fialen der mehrfach gegliederten
Strebepfeiler auf, die den Bergkristall flankieren,
unten durch zwei Flügel verstärkt. Acht spitz-
ovale eingekerbte Medaillons verzieren, als eine
Variante zu den gewöhnlichen Palmettenein-
schnitten, diesen arabischen Kristall, der dem
X. oder XL Jahrh. angehören dürfte, wie seine
Fassung der Mitte des XV. Jahrh.

III. Von komplizierter, weil mehr zentra-
lisierter Gestaltung ist dieses aufs delikateste
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