Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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Bücherschau.

Papst Pius X. Dieses, Bd. XVI, Sp. 283 an-
gezeigte Lebensbild des hl. Vaters von Anton de
Waal hat bereits seine zweite Auflage erlebt In
dieser ergänzten Auflage konnte einiges, was sich
auf den gerade verstorbenen Papst bezog, wegfallen,
mufste manches auf den neuen Papst Bezügliche
nachgeholt werden, auf Grund weiterer Berichte wie
der früher noch nicht zugänglichen Hirtenbriefe des
Bischofs und Patriarchen. Sorgfältiger durchgeführt
erscheint daher das Bild des neuen Papstes, schärfer
in seinen Umrissen, bestimmter in seinem Ausdruck,
lebendiger in seinem Eindruck; was sich früher mehr
als Kombination nahe legte, tritt jetzt als klare An-
schauung auf, und der Charakteristik liegt mancher
Erlafs, manche Ansprache und Bemerkung zugrunde,
die dem hl. Vater bald das Vertrauen der ganzen
Welt erworben haben, wie es vom Verfasser aus der
unmittelbarsten Beobachtungssphäre heraus in rüh-
renden Worten wärmster Pietät bezeugt wird. Die
weiteren Akte Seiner Heiligkeit, namentlich die auf
Liturgie und Kunst bezüglichen, werden wohl auch
dem Illustrationsapparat, der dem Buch soviel Inter-
esse und Anmut verleiht, aktuell wirkenden Zu-
wachs verschaffen. D.

Der Dictionnaire d'arch£ologie ehre'-
tienne et de liturgie, publie par Cabrol, Paris
Letouzey 1903 i'vergl. diese Zeitschrift XVI, 189), be.
handelt in seinem fast ganz von Leclercq gelieferten
Fase. III: Afrique — Agneau, aufser diesen
beiden sehr bedeutsamen Artikeln namentlich auch die
Agape. — Die altafrikanische Liturgie, vor
wie nach Nicäa, wird besonders hinsichtlich ihres
lateinischen Charakters gewürdigt; die afrikanische
Archäologie, über deren Bedeutung die französi-
schen Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte so viel
Licht verbreitet haben, kommt namentlich durch ihre
mannigfachen und eigenartigen Baudenkmäler in un-
geahnter Weise zur Geltung. — Die Kenntnis der
Agapen wird durch reiches Text- und Abbildungs-
material erheblich erweitert; Agaune (St. Maurice im
Rhonethal) auf Grund der Inschriften klargestellt,
unter Bezugnahme auf den merkwürdigen Verroterie-
Schrein im berühmten Kirchenschatze. — Agneau
weist die älteste Verwendung-des Lammes nach, seine
Symbolik und deren verschiedene Typen an der Hand
'-ahlreicher Bilder. — Auch an dem soeben erschienenen
Fase. IV: Agneau — Alexandrie ist Leclercq
zumeist beteiligt, indem die Hauplartikel von ihm her-
rühren: Die Katakomben der hl. Agnes, die mit Ein-
schlufs der konstantinischen Grabkirche u. der St. Agnes-
Basilika auf Grund der neuesten Ausgrabungen und
Funde in reichster Illustrierung besprochen werden;
:— Die Ac kerb autreibenden (Clafsen), die einen
Weiten | Rahmen abgeben für ländliche Eigentums-
verhältnisse, Ansiedelungen, Kulturen, Pfarreien usw.;
Akhmin, die oberägyptische Nekropole, aus der
"> den letzten 20 Jahren so viele kostbare Textilien,
vornehmlich durch deutsche Forscher, zu Tage ge-
fördert sind. — Alexandrien, dessen erster
archäologischer Teil hier seinen Abschlufs

findet, die umfängliche Topographie: Baudenkmäler,
Katakomben, Inschriften, Katechetenschule, Bib.
liothek usw. behandelnd, an der Hand zahlreicher
Abbildungen. — Den Agnus Dei von Wachs, die
früher bis in die altchristliche Zeit zurückgeführt
wurden, aber vor dem IX. Jahrh. nicht nachweisbar
sind, ist hier (von Henry) nur ein kürzerer Artikel
gewidmet. — Überall tritt gründliche Forschung zutage,
die das ganze Material, nicht nur das literarische,
vollkommen beherrscht und für das weite, flüssige Ge-
biet zahllose^neue Grundlagen schafft. Glück auf für
den rüstigen Fortgang I s.

Die oberrheinische Malerei und ihre Nach-
barn um die Mitte des XV. Jahrh. (1430—1460).
Von August Schwarsow. Mit 5 Lichtdrucktafeln.
Leipzig 1903. Teubner. (Preis 4,— Mk )
In die Geschichte der deutschen Malerei des
XV. Jahrh., die bis vor kurzem noch in Dunkel ge-
hüllt war, hat das letzte Jahrzehnt mancherlei Licht
gebracht und dieses entspringt vornehmlich den drei
sozusagen neuentdeckten Malern Konrad Witz von
Basel, Hans Multscher von Ulm, Lucas Moser von
Weil, bez. ihren Hauptwerken, den Altären. 1. in
Basel und Genf (letzterer von 1444), 2. in Sterzing

| (1456—1458), 3. in Tiefenbronn (1431 odej^ffrjt),
Diese Werke unterzieht der Verfasser einer sorg-
samen Analyse und findet ihr Charakteristikum in der
plastischen Grundlage der Bildanschauung, dem Wett-

I eifer der Malerei, mit ihren Mitteln die Wirkung von
Skulpturwerken auf einer Schmuckwand wiederzugeben.

' Bei dem Bestreben, für diese Eigentümlichkeit die
Ursprungsstätten zu suchen, gelangt der Verfasser

> zuerst nach den Niederlanden (van Eyck und der

! Meister von Flemalle, die wiederum an Dijon an-
knüpfen), sodann nach Nürnberg (Imhof-Altar), wie
nach Köln, wohin Meister Stephan aus Meersburg die
gemeinsamen Eindrücke gebracht hatte, um sie im
Anschluls an die lokalen Traditionen selbständig zu
verarbeiten, endlich nach Leipzig, wo (Paulinerkirche)
der abgebildete Altar merkwürdige Analogien zeigt.
— Die „nordische Renaissance" als Korrelat zu der
viel früheren südlichen Renaissance in Pisa ist das
Endergebnis der geistreichen Studie. T.

Veit Stofs und seine Schule in Deutschland, Polen
und Ungarn, von Berthold Daun. Mit 89 Abbil-
dungen in Autotypien. Leipzig 1903. Hiersemann.
(Preis kart. 10,— Mk., geb. 12,— Mk.)
Obwohl Veit Stofs als einer der fruchtbarsten und
bedeutendsten Künstler Deutschlands im späten Mittel-
alter bezeichnet werden mufs, so fehlte doch eine zu-
sammenfassende Studie über ihn. Der Hauptgrund
dafür mag in dem Umstände zu suchen sein, dafs die
Werke des Meisters, der in Krakau und Nürnberg
nacheinander mit grofsem Erfolge geschaffen hatte, zu
sehr zerstreut, von beiden Kunstzentren aus einseitig
geprüft wurden. Der Verfasser hat das Verdienst, das
gesamte Material zusammengestellt, gesichtet und zu
einer klaren Monographie verarbeitet zu haben, in der
dem Bilderschatze mit Recht die führende Rolle zu-
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