Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 11.

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Bücherschau.

Der Papst, die Regierung und Verwaltung
der heiligen Kirche in Rom. Mit einer aus-
führlichen Lebensbeschreibung Papst Pius X. von
Paul Maria Baumgarten. Mit 4 Farbenbildern,
52 Tafelbildern und 770 Bildern im Texte. Heraus-
gegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien. Neu-
bearbeitung des Werkes: „Rom, das Oberhaupt,
die Einrichtung und die Verwaltung der Gesamt-
kirche." München, Allgem. Verlagsgesellschaft m.
b. H. (Preis in Originalband 30 Mk.)
Von dem dreibändigen Werk: ..Die Katholische
Kirche unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild"
hat der I. Band so viel Anerkennung und Zuspruch
gefunden, daß bereits eine neue Auflage nötig wurde,
die als durchaus selbständiges von den beiden
anderen Bänden der ersten Auflage gänzlich unab-
hängiges Pracht werk schon durch den Titel
die Umarbeitung und Umgestaltung anzeigt. Bei ihm
steht im Vordergrunde die Person des neuen
Papstes, den Baumgarten (nach einem kurzen Rück-
blick auf Leo XIII. und Überblick über die Ver-
waisung des päpstlichen Stuhles) hinsichtlich seines
Lebenslaufes und seiner Eigenschaften eingehend
schildert. Dank der sorgsamsten Nachforschung sind
manche interessante und sympathische Züge nachge-
tragen, durch die „Übersicht über die Schicksale der
Kirche von 1800 bis 1870" die Zeitumstände und
ihre vielfachen Einflüsse auf den Entwicklungsgang
skizziert, so daß die Charakterisierung Pius X. in
bezug auf sein Denken und Wissen, seine Grundsätze
und Bestrebungen an Umfang und Bestimmtheit er-
heblich gewonnen hat. Von wesentlicher Bedeutung
erscheint hierfür auch der Einblick in die Tätig-
keit des Papstes vom Tage seiner Krönung am
9. August 1903 bis zum Abschluß dieser Biographie,
Ende September 1904. Was der Papst in dieser
Zeit an Neuerungen in die Verwaltung eingeführt hat,
findet Berücksichtigung auf den folgenden 400 Seiten,
die in 10 Kapiteln behandeln: Die katholische Hier-
archie (Kardinäle, Bischöfe, Orden und religiöse
Genossenschaften, die beiden letzteren in neuer Be-
leuchtung durch P. Eubel); die päpstliche Familie
(Palastprälaten, Hausprälaten, Ehrenkammerherren,
Offiziere usw.);. die päpstliche Kapelle; die Palastver-
waltungen; die hl. Kongregationen; die päpstlichen
Kardinals-, Prälaten- etc. Kommissionen); die Palast-
sekretariate; die diplomatischen Vertretungen; das
römische Vikariat; die römischen päpstlichen Hoch-
schulen und sonstigen Institute. — Hierbei ist das
rein persönliche Moment, das in den biographischen
Notizen und Abbildungen der I. Auflage vorwog, bis
auf die Kardinäle (deren Porträts übrigens nur mehr
gruppenweise erscheinen) mit Recht in den Hinter-
grund getreten, das Sachliche um so ausgiebiger und
präziser behandelt, so daß nunmehr ein Quellen-
werk vorliegt von sonst nirgendwo erreich-
ter Vollständigkeit und Zuverlässigkeit,
daher von dauerndem Wert. — Durch die vorhin an-
gedeuteten Reduktionen, wie durch Wechsel in den
Typen hat das Werk an Umfang verloren, an Hand-
lichkeit gewonnen. Der Reichtum der Ausstattung
ist durch die Vermehrung der guten Farbendrucke

und Tafelbilder noch gesteigert. Für die Auswahl
der letzteren mag der Wunsch berechtigt erscheinen,
daß manche sehr geläufige Abbildungen minder be-
kannten allmählich Platz machen möchten, nament-
lich von solchen Gemälden, deren Darstellungen zum
Inhalte einzelner Kapitel in näherem Zusammenhange
ständen. Für den Einband hätte vor der verkürzten
St. Petrusfigur die ganze, für diese die Medaillon-
fassung wohl den Vorzug verdient, die zugleich die
organische Lösung des Deckelschmucks erleichtert
haben würde. Schnütgen.

Die mittelalterlichen Taufsteine der Pro-
vinz Schleswig-Holstein. Von Dr. E. Sauer-
mann. Mit 52 Abbild. Lübeck 1904. (Pr. 10 Mk.)
Seit 1898 hat sich Dr. Freisen, Professor in Pader-
born, die Aufgabe gestellt, die liturgischen Bücher
aus katholischer Zeit in Schweden zu veröffentlichen;
es ist erfreulich, daß ein mit der Geschichte und der
Topographie des Nachbarlandes Schleswig-Holstein
bekannter Kunstgelehrter es unternommen hat, den
katholischen Überresten der Kunst nachzuforschen.
Wenn er seine Untersuchung auch nur auf die Tauf-
steine beschränkt hat, so ist ihm die Wissenschaft
dennoch zum Dank verpflichtet, weil aus seiner Schrift
hervorgeht, wie reich ein einzelnes Ländchen noch
ist an solchen Kirchengefäßen. — Er hat seine For-
schung auf ungefähr 250 Orte ausgedehnt und die
bedeutendsten Exemplare mit großer Mühe, wie er
selbst hervorhebt, photographisch aufnehmen und
klischieren lassen. Wie die am Schlüsse des Werkes
beigefügte topographische Tafel hervorhebt, lassen
sich die vorhandenen Steine nicht örtlich einteilen
und auch eine ornamentale und konstruktive Einteilung
stößt auf Widerstand, weil die Unterschiede mehr
nebensächlich sind; man wird daher dem Verfasser
nicht Unrecht geben können, wenn er einzelne Gruppen
nach dem Materiale ausscheidet und zwar 1. nach
ausländischem Material; a) schwarzer belgischer Mar-
mor, b) Wesersandstein, c) gotländischer Crinoiden-
kalk; 2. einheimisches Material: Granit. —■ Mit dem
Materiale hängt die Frage zusammen nach der Her-
kunft der einzelnen Objekte. Nach der Ansicht des
Verfassers stammen die Taufsteine aus Marmor aus
Belgien, z. B. Namur, aber jene aus Kalk von der
Insel Gotland, da Schleswig selbst dieses Material
nicht liefert. Dem Alter nach reichen sie zumeist in
das XII. und XIII. Jahrh., frühere Exemplare können
kaum namhaft gemacht werden, weil das Christentum
in unserm Nordlande erst im IX Jahrh. Wurzel faßte.
— Sämtliche vorgeführten Beispiele von Taufsteinen
zeigen, wenn wir die in Bruchstücken erhaltenen.
Exemplare abrechnen, gleich einem Kelche drei Teile:
einen Fuß, Schaft mit Profilierung und eine runde
oder quadratische Cuppa. Die Höhe beträgt ca. 1 m
und der Durchmesser der Cuppa 80—95 cm. Diese
letztere Dimension deutet an, daß in Schleswig in der
angemerkten Zeit bei Kindern noch die Immersions-
taufe üblich war. Diese Ansicht wird bestätigt durch
das schwedische Rituale von Linköping aus dem
Jahre 1525 nach der Freisenschen Ausgabe 1904,
pg. 19. — So übereinstimmend die Hauptformen sind,
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