Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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Bücherschau.

Wie studiert man Kunstgeschichte? Ein
Wegweiser für alle, die sich dieser Wissenschaft
widmen. Von einem Kunsthistoriker. Rofsberg,
Leipzig 1904. (Preis 80 Pf.)
Bei der im letzten Jahrzehnt, nach Mafsgabe der
Zeitströmung, sehr gewachsenen Vorliebe für das
Studium der Kunstgeschichte als Berufsfach erscheint
eine Aufklärung über die Aussichten auf Anstellung,
über die Dauer des Studiums, die Wahl der Univer-
sität und der Vorlesungen, über die Hilfswissenschaften,
Betrachtung von Kunstwerken, Promotionsschrift,
Nebenfächer usw. wohl angebracht. Der Verfasser
bietet in dieser Hinsicht manche beachtenswerte
Winke, von denen der an den Anfang gestellte, dafs
eine gewisse Begabung vor allen Dingen nötig sei,
ganz besonders hervorzuheben ist. Wer für die
Kunstwerke nicht den angeborenen Blick, zugleich
den ernsten Willen hat, ihn durch eifriges Studium
zu schärfen und zu schulen, hat nicht die Qualifikation
für dieses Berufsfeld, auf dem ihr Ziel, tüchtige Ver-
treter und Förderer ihres Faches zu werden, nur die-
jenigen erreichen, welche die Gabe der „Unterschei-
dung der Geister" besitzen. .Und diese Gabe erweist
sich im Fortschritt der Kunstwissenschaft und ihrer
Aufgaben als immer notwendiger. H.

Wandern und Reisen, diese der Touristik,
Landes- und Volkskunde, auch der Kunst gewidmete
(bei Schwann in Düsseldorf monatlich zweimal ä
50 Pf. erscheinende) Zeitschrift hat während ihres ein
und einhalbjährigen Bestehens durch die Mannig-
faltigkeit und Vorzüglichkeit ihrer Beschreibungen,
Berichte, Erzählungen, Aufklärungen, Ratschläge, j
sowie durch den Reichtum und die Vortrefflichkeit
ihrer Abbildungen ihre schwierige Aufgabe musterhaft j
gelöst. — Das mir vorliegende XII. Heft des IL
Jahrgangs beschreibt den berühmten ,,Kaiserweg im
Harz" an der Hand der alten Urkunden und der
neuen Einrichtungen. Der „Weltausstellung von St.
Louis" und ihrer Anordnung ist der zweite Artikel
gewidmet, während „Die Balsaminen" einen Einblick
vergönnen in das naturwüchsige Landleben Schleswig-
Holsteins. „Die Berner Maitschi und ihre Tracht"
bieten interessante Beiträge zur Volkskunde, und
„Haydar-Pascha, der Anfangspunkt der anatolischen
Bahn" belehrt über die grofsen Verkehrsfortschritte
auf uraltem Kulturboden. An diese aus sehr be-
währten Federn stammenden, reich illustrierten Ab-
handlungen reihen sich vielfache, 6 Seiten umfassende
N'otizen über Verkehr, Vereinswesen, Hochtouristik
usw., die vornehmlich das Wandern fördern und er-
leichtern sollen, für welches das Bedürfnis nach Be-
lehrung und Anleitung immer mehr in den Vorder-
grund tritt. Nach dieser Richtung wird daher die
sehr empfehlenswerte Zeitschrift wohl immer mehr
ihr Ziel verfolgen. Seh nützen.

Die „Alte und Neue Welt" (Verlag von Ben-
ziger & Co., monatlich 2 Hefte, ä 35 Pf.) ist mit dem
I.Juli in den XXXIX. Jahrgang eingetreten, nach
Form wie Inhalt ständig gewachsen. Romane wech-
seln mit Novellen, kleinere Erzählungen mit Humo-

resken, und die poetischen Beiträge werden durch
Musik-Kompositionen ergänzt. Den verschiedensten
Gebieten des Wissens: der Geographie und Kultur-
geschichte, der Kunst und Biographie, der Literatur
und Technik, sind die belehrenden Aufsätze ent-
nommen, die auch den grofsen Ereignissen kirch-
licher und staatlicher Art nachgehen. Wenn dazu
die Beilagen für Frauen und Kinder erwähnt werden,
so ist der Inhalt der einzelnen Hefte gekennzeichnet,
an denen manche hervorragende Schriftsteller, weib-
liche wie männliche, mitgewirkt haben. — Die Form
ist nicht minder ansprechend, dank vor allem einer
sehr mannigfaltigen Illustration, die nach jeder Rich-
tung hin befriedigt. — Für den neuen Jahrgang soll
in dieser Hinsicht noch mehr geboten werden, indem
eine Kunstbeilage, zuweilen sogar mehrfarbiger Art,
jedes Heft als Hauptanziehungspunkt begleiten soll.
— Die Anregung zum Abonnement ist daher aufs
beste begiündet. B.

Thüringer Kalend er 1 905. Herausgegeben vom
Thüringer Museum in Eisenach. Mit Zeichnungen
von E. Lieber mann in München. — Redaktion:
Konservator Professor Dr. G. Vofs. Düsseldorf.
Fischer & Franke. (Preis 1 Mk.)
Zum fünftenmal erscheint dieser reich und kräftig
illustrierte Kalender, der für die Geschichte seiner
Heimat die Bevölkerung interessieren soll durch Ab-
bildungen seiner Denkmäler, wie der Baukunst, so
der Kleinkünste. Auf den grofsen, je eine ganze
Seite füllenden Monatsbildern erscheinen in derben,
malerischen Zügen Burgen, Tore, Plätze des Landes
mit vorwiegender Staffage, die dem Volksleben ent-
nommene charakteristische Gestalten darstellt in den
jedesmaliger Jahreszeit entsprechenden Beschäftigun-
gen. Aufserdem werden einzelne Kunstwerke der
thüringischen Länder: Bauten, Reliefs, Pokale, Schmuck-
sachen usw., an der Hand vortrefflicher Zeichnungen
von den berufensten Kunstgelehrten des Landes be-
sprochen, die hierdurch, wie durch mehrfach andere
Veranstaltungen, namentlich Ausstellungen, ihren Eifer
bekunden, das Volk bekannt zu machen mit den
Schätzen seiner Vergangenheit und für sie ihm Liebe
einzuflöfsrn als Vorbedingung für das Bestreben, jene
nach Möglichkeit zu erhalten. Die Pflege dieser
idealen Zwecke zu fördern, ist dieser Kalender unge-
mein geeignet, der so objektiv wie möglich sein
mufs, um in die weitesten Kreise Kingang zu finden.
__________ 0.

Maria Immaculata. Ein Andachtsbüchlein für
das Marianische Jubeljahr 1904 zur Feier des
fünfzigsten Jahrestages der Verkündigung des Dog-
mas der Unbefleckten Empfängnis Maria. Heraus-
gegeben von Ludwig So engen S. J. Kühlen,
Gladbach 1904. (Preis 30 bezw 50 Pf.)
Von den 7 Abbildungen, welche dieses gefällige
Büchlein schmücken, sind die beiden Farbendrucke
kräftig und anmutig, während die Darstellung der Ver-
kündigung des Glaubenssatzes durch Papst Pius IX.
der Schärfe etwas ermangelt. Die Wappen der drei be-
teiligten Päpste tragen zum Dekor des farbigen Titel-
blattes erheblich bei. B.
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