Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

Page: 379
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1904/0239
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
379

1904-----ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 12.

380

Bücherschau.

Conceptio Immaculata in alten Darstellun-
gen von Dr. Johann Graus (Separat-Abdruck
aus dem rKirchenschmuck"). Verlag der ,-Styria''
in Graz. 1905.
Das Jubiläum der Definition von der Unbefleckten
Empfängnis hat die Vertreter der kirchlichen Ikono-
graphie zu mehrfachen Forschungen hinsichtlich der
Darstellungen dieses Geheimnisses angeregt. Von
besonderem Erfolge sind sie begleitet gewesen bei
dem verdienten Herausgeber vom „Kirchenschmuck-,
auf dessen inhaltreiche, die Frage wesentlich för-
dernde Abhandlung hier hingewiesen sei. — Mit der
gerade für diesen zarten und lieblichen Stoff so er-
forderlichen wie erklärlichen Begeisterung erläutert
der Verfasser das Thema zunächst in Kürze nach
Maßgabe seiner theologischen Entwicklung, in der er,
von der ältesten Form im Orient und der neuesten
Definition abgesehen, drei Stadien unterscheidet:
Die Einführung im Abendland kurz vor dem Schluß
der romanischen Periode, die genauere Fixierung in
der spätgotischen Zeit, die Abrundung in der (späte-
ren) Renaissance; und diese drei Entwicklungsstufen
finden ihr Echo in den immer größere Klarheit und
Bestimmtheit gewinnenden Darstellungen. — Im An-
fange werden dieselben ganz von dem Gedanken an
die Conceptio activa beherrscht, bei der Multer Anna
und Joachim in der Begegnung unter der goldenen
Pforte, und andere noch deutlichere Zeichen im
Vordergrunde stehen und bis zum Schlüsse des
Mittelalters sich behaupten. Inzwischen entwickelt
sich in den die hl. Jungfrau umgebenden geheimnis-
vollen Sinnbildern und in den dieselben begleitenden
biblischen Texten die deutlichere Sprache der Con-
ceptio passiva; hier betont der Verfasser die an-
mutige Sage von der Tempeljungfrau, als deren
Nachklang er das berühmte Dombild von Mailand be-
trachtet, den Typus für die „Ährenkleidjungfrau".
Dieser hat der Verfasser ebenfalls im „Kirchen-
schmuck" (wie im Separatabdruck: „S. Maria im
Ährenkleid und die Madonna cum cohazono vom
Mailänder Dom" desselben Verlags), eine höchst
interessante, neue Gesichtspunkte bietende Studie
gewidmet, die auch in dieses bis dahin fast ganz un-
bekannte Thema Licht hineinträgt. — Das dritte
Stadium der ikonographischen Ausgestaltung beginnt
im XVI. Jahrh., um im XVII. seinen Höhepunkt zu
erreichen. Anfänglich sind es die zu Füßen der
schwebenden Jungfrau stehenden oder knienden charak-
teristischen Heiligen, dann ausschließlich die sie um-
gebenden Engel, die durch ihre Verherrlichungen der
das Ganze beherrschenden Lichtgestalt den höchsten
Stempel aufprägen. Die italienischen Renaissance-
meister machten den Anfang, die deutschen, zunächst
im Süden, folgten bald nach, und die Krone ver-
dienten sich die Spanier, an ihrer Spitze Murillo, der
Maler der Purissima. — Es ist so erbaulich wie lehr-
reich, dem Verfasser zu folgen, der auch eine Anzahl
guter Illustrationen bietet Schnütgen.

Der Dictionnaire d'arche ologie chre-
tienne et de liturgie bringt im Fase. VI den
langen Artikel Arne zum Abschluß; beleuchtet das

Wort Amen nach seiner biblischen, epigraphischen,
liturgischen Seite; bringt unter dem Titel Amen des
viel Neues, namentlich über die Tarife beim Be-
stattungsrecht; erläutert den Ami et hinsichtlich seiner
Form, Tragart und symbolischen Bedeutung. Das
vielgestaltige und bedeutsame Gebiet der Amours
wird eingehend behandelt an der Hand von nicht
weniger als 36 Abbildungen, die in Einzelfiguren,
Sarkophaggruppen, Wandgemälden bestehen. Dem
Amphitheatre ist eine lange Studie gewidmet, die
mit seiner Einrichtung, Verwendung, allmählichen Ab-
schaffung bekannt macht. Die Amphores werden
nach ihrer Form, Aufbewahrungsart, Bestimmung wie
im heidnischen, so im christlichen Sinn erläutert. Die
Ampoules, sowohl diejenigen für die Eulogien, wie
die für das Märtyrerblut werden sorgfältig geprüft,
ohne daß jedoch die vielerörterte Frage hinsichtlich
der letzteren zur definitiven Lösung gelangt wäre.
Das berühmte Privathaus des III. Jahrh. zu Amrah
in Syrien gewinnt durch genaue Beschreibung auch
typische Bedeutung. Besondere Beachtung erfahren
die (in den folgenden Fase, übergreifenden) Amu-
lettes, deren Ursprung, Verwendung im Totenkult,
im christlichen Leben, im gnostisehen Sinne, für
abergläubische Zwecke weitläufig geschildert und durch
vielfache Illustrationen erläutert werden. — Sehr er-
giebig ist überall das bibliographische Material re-
gistriert. Den Löwenanteil liefert wiederum Leclercq's
umfassende Gelehrsamkeit. s.

Die Abteikirche zu Schwarzach hat Dr J.
Sauer im Freiburger Diözesan-Archiv (Bd. V,
S. 361—396) zum Gegenstande einer reich illustrier-
ten Studie gemacht, (die mir als Sonder-Abdruck
der Charitas-Druckerei in Freiburg vorliegt).
Diese hervorragende, wohlbekannte, aber vielfach
verkannte romanische Säulenbasilika, die, auch in dem
weitausladenden Querschiff flach gedeckt, trotz drei-
schiffiger Anlage 5 Apsiden, und einen etwas schweren
Vierungsturm hat, verdiente vollauf eine neue Unter-
suchung. Sie ist kurz aber gründlich, so daß die
merkwürdige Kirche mit ihren mancherlei Eigentüm-
lichkeiten (Mischung von Sand- und Backstein, ge-
drungene Gestaltung, kräftige Profilierungen usw.) klar
vor Augen tritt an der Hand von 13 guten Abbil-
dungen. — Nach Aufführung der umfangreichen,
teilweise aber irreleitenden Literatur, sowie der spär-
lichen historischen Angaben, läßt der Verfasser das
Bauwerk selber reden, um festzustellen, daß in seinem
Grundriß wie Aufbau der Hirsauer Typus widerklingt,
wie er namentlich in den Nachbarkirchen von Alpirs-
bach und Gengenbach vorliegt, dazu in den sächsi
sehen Klosterkirchen der Hirsauerreform (Paulinzelle,
Königslutter usw.). Auch die Beziehungen zu Bam-
berg, wie sie besonders in dem spätromanischen
Tympanonrelief Ausdruck gewinnen, sowie zu den
lombardischen Eigentümlichkeiten der Blendbogen-
und Ziegeltechnik werden hervorgehoben, und xo die
Elemente der ganzen Anlage nachgewiesen,. deren
ernste und doch anmutige Verwendung im Sinne
harmonischer Stimmung den Vorzug des eigenartigen
Baumeisters bilden. Dieser verläßt den Bannkreis
loading ...