Zeitschrift für christliche Kunst — 17.1904

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1904.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

272

Die kunsthistorische Ausstellung in Düsseldorf 1902

XXIX. (Mit Abbildung.)

sind mit

50. Frühgotisches kup-
fervergoldetes .email-
liertes Ciborium der
SammlungA. v.Oppen-
heim (Katalog Nr. 1219).
In der frühgotischen
Periode, sagen wir lieber,
mit der zweiten Hälfte des
XIII. Jahrh., war der Gru-
benschmelz stark aus dem
Gebrauch gekommen, in
Deutschland fast ganz, in
Südfrankreich und Nord-
italien bis auf die Verwen-
dung an Schmucksachen:
wie Agraffen, Schnallen,
Wappenschildchen, und an
kleinerem Gerät: wie Weih-
rauchschiffchen, Leuchter-
füfsen. Gröfsere, nament-
lich figural verzierte Gegen-
stände aus dieser Zeit sind
sehr selten. Das vorliegende
Email - Ciborium darf als
grofse Seltenheit gelten.
Dafs es der Zeit um 1300 an-
gehört, machen die stilisti-
schen Eigentümlichkeiten
der Darstellungen zweifel-
los. — Die Form des (mit
der neuerdings beige-
fügten Bekrönung) 35 cm
hohen, kupfervergoldeten
Gefäfses ist edel, aber un-
gemein einfach, weil das-
selbe für die Emaillierung
bestimmt war, die eigent-
lich weiteren Schmuck aus-
schlofs. — Eine flache Kehle
leitet zu der sternförmig
markierten Fläche des sechs-
seitigen Fufses über und
in den dreischenkeligen
Zwickeln desselben sind
auf blauem Emailgrund die
nimbierten Brustbilder von Propheten eingraviert
mit ihren breiten Spruchbändern, die den Grund
zu füllen bestimmt sind gleich den aus Ecke und
Rand, je nach Bedürfnis, aufsteigenden schmal-
blätterigen Ranken; die Konturen dieser Figuren

dunkelrotem
Schmelz gefüllt. Der schlan-
ke Schaft ist ganz glatt,
nur unterbrochen durch
den flachen Knauf, der
nach unten auf blauem
Grund je ein Dreiblatt
hat, nach oben auf den
trapezförmigen Flächen je
einen Heiligenkopf. Auf dem
glatten Trichter sitzt die
sechsseitige Kuppa mit ihren
knopfverzierten Horizontal-
profilen, und ihre Felder
sind mit den rechteckigen
Emailbildern der Verurtei-
lung, Geifselung, Kreuz-
tragung, Kreuzigung, Grab-
legung, Auferstehung ge-
schmückt, die nur die
Ecken frei lassen. Die
derb, aber gut gezeich-
neten Figuren sind ausge-
spart und graviert, mit
roten Nimben und Kon-
turen auf blauem Email-
grund eingeschmolzen, und

als aufsergewöhnlicher
Schmelzton erscheint nur
Dunkelgrün in den Arka-
turen des Sarkophags. Auf
dem flach aufsteigenden
Deckel sind sechs trapez-
artige Flächen, von denen
vier die Evangelistensym-
bole zeigen, auf kobaltblau-
em Emailgrund mit türkis-
blauen Nimben. Zwei dieser
Felder haben nur aufstre-
bende Ranken. — Die Frage
nach dem Ursprung dieser
Emailarbeit beantwortet
sich nicht leicht, da nur
ganz vereinzelte Analogien
bekannt sind. Zu diesen
zählt in erster Linie das Ciborium im Stifte
Klosterneuburg bei Wien, welchesv.Falke
in „Deutsche Schmelzarbeiten des Mittelalters"
(Seite 119) als heimisches Produkt anspricht;

wohl mit Recht. Schnütgen.
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