Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

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Wette dahin eingehen, daß es unbemerkt bliebe, wenn man einst
in stiller Nacht ein paar der ehernen Herren und Damen bei
Seite schaffte. Ein werther Freund meinte, eine Darstellung
des bekannten Dukatenmännchens wäre an dieser Stelle ver-
ständlicher gewesen, als die ganze Gesellschaft, die jetzt da
droben steht.

Wenn übrigens, um noch einmal auf die Anlage der beiden
Gebäude zurückzukommen, Diejenigen Recht haben, welche von
einem Gebäude fordern, daß es auch in seinem Aeußern seine
Bestimmung erkennen lasse, so wird es schwer zu rechtfertigen
sein, daß eine Münzstätte und ein Cafe- und Gasthaus sich
gleichen, wie ein Ei dem andern. (Forts, folgt.)

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Korrespondenzen.

t. Petersburg, im Decbr. (Tod des Professor
Reimers; Von der Akademie.) Am 25. November
starb hier einer der talentvollsten und vielseitigen russi-
i schen Künstler, der Professor der Malerei und Medailleur-
kunst, Johann Reimers. Am 2. Februar 1819 hier
geboren, trat er als Schüler der Akademie in die Me-
dailleurklasse derselben, verließ jedoch diese Kunst, nachdem er die kleine
goldene Medaille erhalten hatte, um, nachdem er Jahre lang als
Bilvhauer zahlreiche Modelle für Silber, Bronze und dekorative Bau-
plastik gearbeitet hatte, sich vom Jahre 1850 an im Auslande ganz
der Malerei zu widmen. Seine Bleistift-Zeichnungen erregten in
Paris, seine Genrebilder in München und vorzüglich in Rom ge-
rechtes Aussehen. In die Heimath 1862 zurückgekehrt, wurde er in
demselben Jahre zum Professor der Malerei ernannt, 1865 zum
Proseffor der bei der Akademie eingegangenen Medailleurklasse. Diese
Kunst brachte er wiederum zum Ansehen durch seine Medaillen zur
Erinnerung an die 100jährige Stiftung der Akademie und an das
50jährige Jubiläum des Professors und Rektors der Architektur,
K. Ton. Für dekorative plastische Kunst war Reimers mit einer
seltenen, immer neuen Phantasie begabt, wovon der umfangreiche
silberne Tafelaufsatz des Thronfolgers, ein wahres Kabinetstück, Zeug-
niß ablegt. In Liesen Künsten ist Reimers unersetzlich. Seine letzte
Arbeit ist die Medaille auf das bevorstehende 25jährige Jubiläum
des Rektors und Professors der Malerei, F. Bruni, sowie das auf
Bestellung der Frau Großfürstin Marie gefertigte Modell zu einem
Kamine in Marmorausführung. Als Professor nahm sich Reimers
mit einer seltenen Liebe der akademischen Schüler an, die Die äußere
Dankbarkeit gegen ihren verstorbenen Lehrer dadurch bekundeten, daß

sie bei der Beisetzung der Leiche den Sarg in die sehr entfernte ka-
tholische Kirche trugen.

Die Akademie hat von diesem Jahre an die Einrichtung ge-
troffen, daß diejenigen Werke der Künstler, auf Grund deren die
Ernennung zum Professor oder Akademiker ertheilt wurde, photo-
graphisch vervielfältigt werden sollen. Es soll so das Material für
die Geschichte der Akademie der russischen Kunst und für die Biographie
unserer Künstler gesammelt werden. •— Mit dem im Widerspruche
besteht (leider nur bei uns) noch die Einrichtung, gestorbene Meister
vollends todt sein zu lassen. Zu Liesen gehören aus den letzten
Jahren zwei Bildhauer, die Professoren Baron von Klo dt und
Piemenow. Die Akademie that bis jetzt nichts, eine Kollection
der einzigen Modelle des größten Pferdebildners zu veranstalten.
Was Piemenow's ganzen künstlerischen Nachlaß betrifft, der auf
300 Rbl. tapirt ist, so liegt derselbe seit Jahren in einem Schuppen
der Akademie —, weil in der dazu ausgeschriebenen Auction Niemand
einen Kopeken bot, sowohl auf seine 4 Gruppenskizzen zur Nikolai-
Brücke, als auf die für die Jsaakskathedrale, mehrerer anderer Ar-
beiten nicht zu gedenken. In solchem Mangel an Pietät gegen die
eigenen Künstler leistet die Akademie überhaupt das Unerhörteste. So
bot Montferrand nach Beendigung der Jsaakskathedrale deren
nördliches kolossales Thürmodell, eine Arbeit Vitali's, der Akademie
an, da das Modell sonst vernichtet werden müßte. Die Akademie
wollte jedoch davon nichts wissen. Montferrand ließ es dann selbst
bei sich im Garten, an der Brandmauer eines dreistöckigen Hauses,
vollständig aufstellen. Jetzt gehört dies schöne kolossale Modell schon
dem dritten Hauseigenthümer. Vielleicht kauft es die Akademie noch
einmal für ein schweres Geld vom zehnten Besitzer.


Kunst-tzhronik.

erlin. Abermals hat der Tod die Reihen unserer be-
deutenderen Künstler gelichtet: der Hof- und Portrait -
Maler L auchert ist in voriger Woche plötzlich am Herz-
schlage gestorben.

_ — — Die „Permanente Kunst-Ausstellung" des

J Co Norddeuts chen Kunstvereins beginnt einen immer

gediegeneren und vielseitigeren Charakter zu gewinnen. Die Zusen-
dung von Kunstwerken der verschiedensten Art — Oelgemälde, Aqua-
rellen, Zeichnungen, Skulpturen — war, namentlich von auswärts,
so bedeutend, daß der Ausschuß der Sachverständigen, ohne dessen
Zustimmung bekanntlich kein Werk ausgestellt werden darf, in seiner
am 3. d. Mts. stattgefundenen Sitzung sich veranlaßt sah, mit
einer dem ernsten Zweck des Vereins entsprechenden Strenge zu ver-
fahren und von 32 vorgestellten Werken nur 19 für die Ausstellung
zu acceptiren. Unter diesen erwähnen wir — unter Vorbehalt einer
eingehenderen Besprechung — die Werke von A. von Werner in
Carlsruhe, Christian S ell in Düsseldorf, v. Kam ecke in Weimar,
H. Knorr in Königsberg, Mödinger hier, Delfs in Weimar,

Höfler in Frankfurt a. M., Zeppenfeld in Hamburg, Xylan-
der in München, Bäurlin in Triest u, s. s., sowie eine Wieder-
holung der im Besitz Sr. königl. Hoheit des Großherzogs von
Weimar befindlichen berühmten „Büste Göthes" von Trippel.
Die Ausstellung macht daher einen durchaus würdigen Eindruck und
bietet des Interessanten bereits so viel dar, daß sie Niemand ohne
Befriedigung verlassen wird. Der Vorstand des Vereins, welcher
sich mit wahrhafter Hingebung seiner übernommenen Aufgabe widmet,
ist gegenwärtig, ermuthigt durch das Vertrauen, welches ihm nament-
lich von den auswärtigen Künstlern entgegengebracht wird, entschlossen,
alle Kräfte daran zu setzen, um dem aufblühenden Institut eine mög-
lichst große Ausdehnung zu geben, wozu besonders die Herstellung
eines großen Vereins- und Ausstelluugslokals gehört. Und so steht
denn zu hoffen — und wir unsrerseits sind bei der ernsten und selbst
opferfreudigen Thätigkeit des Vorstandes davon fest überzeugt —,
daß in kurzer Zeit die „Permanente Kunstausstellung" des Nord-
deutschen Kunstvereins, sowie dieser selbst eine der Residenz des
Norddeutschen Bundes vollkommen würdige Stellung sich erringen werde.
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