Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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BEREICH GEIBELSTRASSE/
TIESTESTRASSE
Von der Kreuzung Sallstraße/Geibelstraße
(s.o.) führt die Geibeistraße als breite allee-
artige Achse in östlicher Richtung auf den
sich quadratisch erweiternden Geibelplatz.
Die beidseitig von Vorgärten gesäumten vier-
geschossigen Wohnbauten sind auf der Süd-
seite, Nr. 1—11, ausschließlich als Klinker-
bauten erstellt. Die Fassaden sind symme-
trisch zum Mittelbau (Nr. 5/7) konzipiert,
an dem sich die mit einem Dreiecksbogen
überdeckte Durchfahrt zum Blockinnenbe-
reich befindet. Beide Eckbauten (Nr. 1 und
Nr. 11) sind von der übrigen Gestaltung
durch Fassadenabschnitte abgesetzt, die über
die Traufe hinaus verlaufen und beidseitig
von ausluchtartigen Vorbauten flankiert
sind. Je eine größere Terrakottafigur ist als
besonderes Detail zu erwähnen. Wahrschein-
lich wurden alle Gebäude für den Beamten-
wohnungsbauverein von den Architekten
Jürgens und Mencke geplant.
In der Blickachse der Geibeistraße liegt auf
der Ostseite des mit einer Rasenfläche ver-
sehenen und umlaufender doppelter Plata-

Geibelstraße 1/Tiestestraße, Architekten
Jürgens und Mencke


nenreihe bepflanzten Geibeiplatzes als her-
ausragendes Merkzeichen das Wohnhochhaus
Geibelplatz Nr. 5.
Der 1930 vom Architekten Ziegler errichtete
neungeschossige Klinkerbau bildet in der
überwiegend viergeschossigen Nachbarbebau-
ung einen besonderen Akzent. Die fünfach-
sige Fassade wird durch den mittigen Drei-
eckserker und die vorgelagerte Spitzbogen-
arkade in ihrer Symmetrie besonders be-
tont. Leider ist durch den Einbau von neuen
asymmetrisch geteilten Fenstern die wichtige
Detailgliederung erheblich gestört worden.
Die an das Hochhaus unmittelbar angren-
zende Platzrandbebauung besteht aus vier-
und fünfgeschossigen schlichten Klinkerbau-
ten, die nur durch flache Erker über den Ein-
gangsbereichen und 3/8-Türmchen in den
Blockecken gegliedert sind.
Orthogonal zwischen Geibeistraße und Gei-
belplatz verläuft in Nord-Süd-Richtung die
Tiestestraße, beidseitig mit viergeschossigen
Wohnhäusern mit Klinkerfassaden bebaut.
Die Straßenabschnitte zwischen den einmün-
denden Nebenstraßen weisen jeweils unter-
schiedliche Gestaltungsmerkmale auf, die


insgesamt einen charakteristischen Quer-
schnitt an Details der Wohnbebauung in
den zwanziger/dreißiger Jahren bieten: Vor-
springende und über die Traufe hinaus ver-
laufende Baukörper an den Straßenecken
(Tiestestraße 17, 19/Redenstraße); flache
und breite erkerartige Vorbauten, ebenfalls
über die Traufe hinaus verlaufend (Nr. 31,
43); schmale hohe Dreieckserker (Nr. 33—
43) oder polygonale Erker; markant gestal-
tete Eingänge (Nr. 32,21); Klinkerornamen-
tik an der gesamten Fassade (Nr. 19/21)
oder im Detail (Erker Nr. 43); Terrakotta-
details an Eingängen, Fenstern und als Fi-
guren (Nr. 35).
Die bei allen Bauten mit relativ schlichter
und „flacher" Fassadengestaltung besonders
wichtigen sprossengeteilten Fenster sind
durch die Modernisierungen der letzten Jah-
re leider besonders häufig entfernt worden.
Die neu eingesetzten, meistens asymmetrisch
geteilten Kunststoffenster zerstören die alte
Feingliedrigkeit und hinterlassen große „Lö-
cher". Deutlich sichtbar wird diese Verän-
derung z.B. an den Nachbarhäusern Tieste-
straße 44 und 46, von denen Nr. 46 noch
die originalen Fenster bewahrt hat.



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