Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

Page: 136
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Linzer Straße bebaut, die Waldhausenstraße
nur auf der Südseite. Die Linzer Straße
(1896; ehemals Kurhausstraße, benannt nach
dem 1925 abgerissenen „Kurhaus Eilen-
riede" Ecke Waldhausenstraße) verband die
drei Straßen in Nord-Süd-Richtung mitein-
ander.
Westlich der Hildesheimer Straße bestand be-
reits als alter Verbindungsweg zwischen Doh-
rener Turm und Döhren die Landwehrstraße
(seit 1952 Am Landwehrgraben), neu ange-
legt wurde die Güntherstraße. Bis zum Er-
sten Weltkrieg wurden die Straßen nach und
nach bebaut und die Waldhausen-, Grazer-
und Brandestraße bis an die Wiener Straße
verlängert.
Häuser der ersten Bauphase bis etwa 1890
haben sich nur in stark veränderter Form
erhalten. Die frühesten Bauten im Original-
zustand sind Nachfolgebauten der hannover-
schen Bauschule: traufständige Häuser, ent-
weder mit Zwerchgiebeln oder Risalit. Der
Eingang befindet sich häufig seitlich in ei-
nem Treppenhausanbau; das Material ist
verschiedenfarbiger Backstein, die schräg
eingeschnittenen Sohlbänke sind glasiert. Bei

geputzten Bauten sind die Backsteine als
Einfassungen für die meist segmentbogigen
Fensteröffnungen benutzt. Diese Häuser ste-
hen in der Brandestraße und Grazer Straße.
Hervorzuheben sind zwei Gebäude des Ar-
chitekten R. J. Mühlbach, die 1891 mit
schönem Verandavorbau in der Brande-
straße 9 und 1893 in der Grazer Straße ent-
standen. Überwiegend sind es Einfamilien-
häuser für gehobene Ansprüche, die teilweise
auch vermietet waren.
Nur kurze Zeit später entstanden freistehen-
de oder in Zweiergruppen zusammengefaßte
Villen, die als Putzbauten ausgeführt wur-
den. Die Bauten weisen renaissancistische
und/oder barocke, zum Teil auch spätklas-
sizistische Stilelemente auf (Waldhausen-
straße 9, 1896). Zu ihnen gehören unter
anderem die mit zahlreichen Türmchen
versehene Villa Güntherstraße 3 (1896) in
Formen der Renaissance sowie die annä-
hernd symmetrisch aufgebaute Doppelvilla
Güntherstraße 11/13 (um 1900), die barocke
und renaissancistische Formen miteinander
vermischt.

Daneben gibt es eine kleinere Gruppe über-
wiegend von Mehrfamilienhäusern etwa aus
der Zeit zwischen 1897—1903, deren Fassa-
dengestaltung auf den Kontrast der Materia-
lien hin ausgelegt ist: Backsteinmauerwerk
mit Putz- und Sandsteingliederung und De-
kor in verschiedenen Stilrichtungen. Zuge-
hörig ist auch die Villa Güntherstraße 15
nach niederländischem Vorbild.
In den ersten Jahren nach 1900 macht sich
der Einfluß der Jugendstils durch asymme-
trische Auflockerung des Baukörpers be-
merkbar. Die Häuser werden durch Vor-
und Anbauten, Loggien und Balkone und in
der Dachzone belebt. Neben einer Gruppe
von Mehrfamilien-Mietshäusern (Am Land-
wehrgraben 17 ff.) sind insbesondere die
Villen in dieser Form „malerisch" gestaltet.
Für den Übergang aus der Zeit vor 1900
stehen vor allem die mit renaissancistischen
Zitaten und Fachwerk im Dachgeschoßbe-
reich versehenen und mit Turmaufsätzen
hervorgehobenen Villen (vgl. Güntherstraße
33, 35, Linzer Straße 5).
Daneben treten Bauten, die Putzfassaden
mit Elementen der deutschen Sondergotik

Güntherstraße 15, 13/11 bis 1


Güntherstraße 15, 13/11


i

Güntherstraße 21 a/21, 19



Güntherstraße 15, um 1900

Güntherstraße 13/11,9, 7a, 7, 5


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