Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

Page: 158
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Plan der Stadt Hannover, 1806, gez. von Pentz/Bennefeld, Ausschnitt, Maßstab des Originals
1 : 25000, Stadtvermessungsamt Hannover


Neuester Plan der Königl. Haupt- und Residenz-Stadt Hannover .... 1862, Hrsg. v. H. Oppermann,
Ausschnitt, Maßstab des Originals 1 : 8 000


09 OSTSTADT

Die sich nordöstlich an die Ernst-August-
Stadt anschließende Oststadt wird im Osten
durch die Hohenzollernstraße entlang der
Eilenriede begrenzt. Vom Emmichplatz aus
führt die Grenze durch die Kirchwender
Straße (vgl. 08 Zoo) zur Berliner bzw. Ham-
burger Alle, die den Stadtteil im Südwesten
und Westen abschließen. Im Norden bilden
Celler Straße und Wedekindstraße die Stadt-
teilgrenze zu List.
Die Oststadt umfaßt Teile der früheren
Steintor-Gartengemeinde, die 1829 in acht
Ortschaften aufgeteilt wurde, von denen
Ostwende, Bütersworth und Teile von Fern-
rode zur Oststadt gehören. 1843 schlossen
sich die Ortschaften der ehemaligen Garten-
gemeinden zur politischen Gemeinde „Vor-
stadt Hannover" zusammen, die 1859 in die
Stadt Hannover eingemeindet wurde (vgl.
Einleitung).
Das Gebiet war bis in die Mitte des 19. Jh.
das Gartenland der Hannoveraner Bürger mit
einzelnen Gehöften und Ansammlungen von
einfachen Gartenhäusern, die sich an regellos
angelegten Wegen (Gartenstraße, Volgers-
weg, Lärchenstraße, Auf dem Lärchenber-
ge) entlangzogen. Nur wenige Bauten aus
dieser Zeit sind an diesen Straßen heute
noch erhalten (vgl. Lärchenstraße 4, Ost-
wender Straße 2/2a). Die Bewohnerschaft
setzte sich aus unvermögenden Tagelöhnern
und Gärtnern zusammen, die auf dem ge-
pachteten Land Gartenbau betrieben.
Im Unterschied zu der Ägidientor-Garten-
gemeinde, die sich in unmittelbarem An-
schluß an die Altstadt entwickelte (vgl.
Südstadt)wurde das Gartenland der Ost-
stadt durch Wiesen und Weideflächen deut-
lich von der Stadt und auch dem nördlich
angrenzenden Dorf List getrennt. Erst der
Bau der Eisenbahn (ab 1843), die Anlage des
ersten Bahnhofsgebäudes auf dem Steintor-
feld (1844) und die Stadterweiterung nach
Nordosten durch die Ernst-August-Stadt
rückten die Gartenvororte Ostwende und
Bütersworth näher an Hannover heran und
leiteten nach der Eingemeindung von 1859
eine rasche städtebauliche Entwicklung ein.
DIE ERSTE BEBAUUNGSPHASE
BIS ETWA 1875
Die bauliche Verdichtung ging in drei gro-
ßen Schritten vor sich. Bis etwa 1875 ent-
standen Neubauten vor allem an den durch
das Gebiet führenden Hauptstraßen Celler
Straße, Lister Meile mit Verbindungsstraße
(Hallerstraße) und an dem Straßenraster der
Lavesplanung zwischen Schiffgraben und
Heinrichstraße (vgl. Ernst-August-Stadt). Die-
ses Gebiet nördlich des Schiffgrabens und
östlich der Bahn führte seit 1862 bis nach
1900 den Namen Georgs-Stadt nach König
Georg V.
DIE BEBAUUNG DES SCHIFFGRABEN
UND VERWANDTE VILLEN
Um 1870 begann durch Heinrich Köhler die
Planung für eine repräsentative großbürger-
liche Villenanlage auf der Nordseite des
1861 zugeschütteten Schiffgraben, nachdem

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