Die Gartenkunst — 2.1900

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und 0,01 m hoch mit Kies wieder angefüllt werden. Daraul'
mufs ein mehrmaliges Pestwalzen und Bespritzen der ganzen
Wege ' stattfinden. Die ausgehobene Erde wird zum Teil
zum Ausfüllen der Kaumlöcher benutzt, zum Teil kann sie
noch über das ganze Planum verteilt werden.

Damit die Wege nicht durch Regen ausgeschlämmt
werden, sollen sie an einer Seite mit Rinnen aus Pflaster-
steinen versehen werden, auf denen das Wasser bei plötz-
lichen Regengüssen durch Querrinnen, die durchschnittlich
alle 10 m gedacht sind, seitlich in die Bosquetts, resp. in
die Rasenbahnen abgeleitet wird. Hierzu werden gewöhn-
liche, 12 cm breite Kopfsteine (Pflastersteine) benutzt.
C. Zu Tit. III. Anpflanzungen.

Pür die Anpflanzungen müssen die Gehölzflächen
(etwa 1330 qm) 60 cm tief rigolt werden, da sonst ein
Anwachsen der Gehölze nicht möglich ist. Ferner müssen
aus demselben Grunde die Baumgrubon genügend weit
und tief ausgeworfen werden.

D. Zu Tit. IV. Rasenflächen.

Sämtliche Rasenflächen sind flach umzuarbeiten und
einzuebnen. An Grassamen sind auf den qm Fläche 30 g
gerechnet, was auf 5166 qm ungefähr 155 kg Grassamen
ausmacht. Die zu. wählende Mischung soll wegen des
steinigen, trockenen Bodens folgende Gräser enthalten:

Avena elatior, Agrostis capillaris, Festuca duriuscula,
hiervon je 39 kg; ferner Lolium perenne und Poa trivialis,
hiervon je 19 kg.

Wegen des starken Gefälles könnte man, wie es bei
ähnlichen Anlagen häufig geschieht, den Samen in mit der
Harke gezogene Rillen säen und nachher anklopfen; doch
kann man ihn auch breitwürflg, wie es gewöhnlich ge-
schieht, säen, man mufs aber dabei vorsichtig zu Werke
gehen und den Samen nachher sehr gut unterharken.

E. Zu Tit. V. Insgemein:
Die Kosten für die technische Leitung der Anlage
sind nicht mit einbegriffen, da ja doch vorausgesetzt wird,
dafs die Stadt bei Ausführung der Anlage die Leitung der-
selben übernimmt.

Kosten-Anschlag.

Die projektierte Anlage hat eine Ausdehnung von ca.
8000 qm.

Tit. I. Erdarbeiten ........ 2522,30 Mark.

Tit. II. Wegeflächen, Treppenanlagen etc. ,6594,90 „

Tit. III. Anpflanzungen......."2840,— „

Tit. IV. Rasenflächen........ 1199,42 „

Tit. V. Insgemein .... . . . . 843,38 „

Summa 14 000 Mark.

Baumpflanzungen in Städten.

Die Erfahrungen mit Strassenbäumen in Magdeburg.

Von G. Schoch, städt. Gartendirektor in Magdeburg.

Zur Klärung der Frage, welche Baumsorten sich zu
Strafsenbäumen eignen, dürfte die Mitteilung über die an ein-
zelnen Orten gemachten Erfahrungen von Nutzen sein; des-

halb will ich solche, wie sie mir durch 10jährige Thätigkeit
hier in Magdeburg geworden, nachfolgend bekannt geben.

Unter Strafsenbäumen verstehe ich die in gepflasterten
Strafsen einzeln angepflanzten Bäume, welche infolge der
dichten l'flasterdecke auf dem umgebenden Boden und der
Schädigungen durch den regen Verkehr starke Beein-
trächtigungen in ihrem Wachstum erleiden und daher
besonders widerstandsfähig sein müssen. Zu den not-
wendigen Eigenschaften eines guten Strafsenbaumes gehört
neben der, dafs er überhaupt im Pflaster gedeiht, noch
die andere, dafs er sein Laub im Herbst möglichst lange
behält. Im wesentlichen beruhen diese Eigenschaften auf
der Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit.

Aufser durch das Klima wird das mehr oder minder
gute Gedeihen einzelner Baumsorten an bestimmten Orten
durch die Zusammensetzung des Grund und Bodens be-
dingt. Hier in Magdeburg besteht die obere Bodendecke
in den westlich der Elbe gelegenen Stadtteilen, welche
für Strafsenpflanzungen fast allein in Betracht kommen,
aus diluvialem Löfs. Es ist eine sehr feinkörnige Masse
von lehmartigem Aussehen und besteht in seinen Haupt-
bestandteilen aus etwa 70% Peinsand (Kieselsäure), 15 °/0
kohlensaurem Kalk und 8 % Thonerde.

I »er obere Mutterboden hat stellenweise bis auf 1 m
Tiefe und darüber durch Beimischung von Humusteilen
(1,5—3 %) dunkle Färbung und ist gegen den darunter
gelagerten Löfs durch Auswaschung verhältnismäfsig
kalkarm. Unter der 2—3 m starken Löfsschicht stehen
Sand und Kies an.

Als für unsere Verhältnisse beste Strafsenbäume haben
sich die Feldrüster, Ulmus campestris; und die Sorten
erwiesen, welche ganz oder teilweise von der Feldrüster
stammen. Die Feldrüster ist etwas schwachwüchsiger
als die Bergrüster und hat eine geschlossenere Krone.
Von einem Strafsenbaum der Feldrüster, der regelmäfsig
bis Mitte November die Blätter behielt, ist jetzt Ver-
mehrungsmaterial herangewachsen und es wird erprobt
werden, ob diese Eigenschaft von Dauer ist. Die Feld-
rüster ist in Baumschulen selten echt zu haben. Bei einer
Ausschreibung waren von 10 gelieferten Proben nur zwei
sortenecht. Die Feldrüster ist auch unbelaubt an der
stärkeren Rindenbildung und den glänzenden spitzen
Knospen von der Bergrüster zu unterscheiden.

Am meisten bewährt hat sich hier eine Rüstersorte,
die auch campestris-Blut besitzt und von mir Ulmus
praestans wegen ihrer vorzüglichen Eigenschaften genannt
ist. Vor 15—20 Jahren war diese Sorte aus Quedlinburg
unter dem falschen Namen Ulmus vegeta bezogen. Sie
ist in der Jugend sehr schnellwüchsig, hat aufwärts
strebende Zweige und dadurch eine geschlossene breit-
pyramidenförmige Krone. Durch Aussaaten ist festgestellt,
dafs sie ein Bastard von campestris X scabra ist. Aus
den Sämlingen gingen beide Eltern hervor, doch nicht
die Mutterpflanze. Sie hat die glatte Rinde der Berg-
rüster. Es ist möglich, dafs sie mit U. montana superba
des Späthschen Katalogs identisch ist. Der Baumschulen-
besitzer Gustav Beyme in Pechau, bei Magdeburg hat
von dieser Rüster verkaufsfähige Ware herangezogen.
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