Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

Page: 119
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1924/0133
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SLEVOGTS WANDMALEREIEN FÜR NEU-CLADOW

VON

KARL SCHEFFLER

Im Jahre 1912 hat Max Slevogt einen Garten-
pavillon ausgemalt, der zu der Besitzung des
Herrn Dr. Gutmann in Neu-Cladow gehörte. Über
das um 1800 für die Familie Mencken (aus der
Bismarcks Mutter stammt) erbaute einfach edle
Haus, das Johannes Gutmann mit schöner Pietät
hat wiederherstellen und von Schultze-Naumburg
umbauen lassen und über den sich anschließenden
parkartigen Garten mit seinen alten und neuen Ge-
bäuden hat in diesen Heften damals Heinrich Sievers
ausführlich berichtet (Jahrgang X, Seite 499 ff.).
Auf den Gartenpavillon ist bei dieser Gelegenheit
nur eben hingewiesen worden, weil er später be-
sonders behandelt werden sollte.* Das Thema ist
jetzt wieder aktuell geworden, weil Slevogts Male-

* Siehe Max Slevogt: Die Wandmalereien in Neu-Cladow.
Färb. Reproduktionen nach Aquarellen. (Paul Cassirer, Berlin.)

reien aus ihrer Garteneinsamkeit, wo sie nur von
einem verhältnismäßig kleinen Teil der Berliner Ge-
sellschaft genossen worden sind, als ein Geschenk
Johannes Gutmanns in ein allgemein zugängliches
Museum, ins Kronprinzenpalais, überführt worden
sind. Anlaß dazu gab ein Besitzwechsel und der
Umstand, daß die mit Kaseinfarben gemalten De-
korationen in dem offenen Pavillon schnellem Ver-
derb durch die Witterung ausgesetzt gewesen wären.
Johannes Gutmann hat den Pavillon dem Kron-
prinzenpalais als Geschenk angeboten, und es ist
die Überführung jetzt erfolgt.

Der Pavillon in Neu-Cladow, auf den Höhen
am rechten Ufer der Havel, inmitten eines Blumen-
gartens gelegen, ist aus den Resten einer alten
Scheune entstanden und von Schultze-Naumburg
ausgebaut worden. Der Architekt hat hinten eine

U9
loading ...