Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

Page: 264
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1924/0278
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SLEVOGTS DEKORATIONEN ZU MOZARTS DON GIOVANNI

VON

KARL SCHEFFLER

K ls die Berliner Staatsoper vor zwei Jahren Mo-
-tA- zarts Don Giovanni neu einstudierte und
den Architekten Hans Poelzig gewann, neue De-
korationen dafür zu schaffen, ist über das Resultat
in diesen Blättern berichtet worden (Jahrgang XXI,
Seite 220 ff.). Damals wurde Slevogts Namen als
der des ersten Anwärters genannt. Daß diese Be-
hauptung gerechtfertigt war, hat Slevogt selbst
nun bewiesen; er hat der Dresdener Staatsoper
Dekorationen für den Don Giovanni gemalt und
hat mit sicherem Instinkt, mit spielender Leichtig-
keit die problemreiche Aufgabe gelöst, wie sie
noch nie gelöst worden ist.

Problemreich ist die Aufgabe, weil die Oper
Don Giovanni noch heute sehr verschieden be-

urteilt wird. Die einen sprechen von der Gestal-
tung eines tragischen Stoffes und rechnen die Oper
den großen Musikdramen zu; andere wollen das
Komische, das Burleske des Stoffes betont und
die Aufführung danach abgestimmt wissen. Die
einen sehen in Don Giovanni, in Leporello, in
Donna Anna, Elvira und Don Ottavio dramatische
Persönlichkeiten; die andern wollen unter den
Kostümen Arlecchino, Pantalon, Scapin, Colom-
bine, Pierrette und andere Gestalten der italieni-
schen Komödie erkennen. Ein leidenschaftlicher
Liebhaber Mozarts, der Kantphilosoph Hermann
Cohen sagt in seiner „Ästhetik des reinen Gefühls",
Mozarts Genie hätte den Unterschied zwischen
der cpera seria und der Optra buffa aufgehoben

264
loading ...