Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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rinth und Beckmann das Aussehen dieser Ausstellung ganz
ungeheuer verändert haben würde. Es ist nicht gerade an-
genehm, liebenswürdigen Künstlern einige bittere Wahrheiten
sagen zu müssen, aber der Rezensent steht mit seiner Mei-
nung nicht allein, daß die neuen Arbeiten von Carl Caspar
etwas volksschullehrerhaftes haben, Unolds neuere Malerei
letzten Endes äußerlich und innerlich kümmerlich ist, Heß
mit seiner schönen Malerei nur eine schwache Fortsetzung
Weißgerberscher Art bedeutet, Troendle seiner freundlichen
Dekorationskunst mit der Ausstellung von neun Bildern
keinen Dienst erwiesen hat — kurz, daß im wesentlichen
heute die Neue Sezession als Sondergruppe sich nicht mehr
als derart lebensfähig erweist, wie in den ersten Jahren ihres
Bestehens, daß heute die Alte und Neue Sezession eine
„Zusammenlegung" vornehmen dürfen. Als stärkste künst-
lerische Temperamente erweisen sich diesmal: Frau Caspar
Filser, deren Bilder, wenn auch nicht von Fehlern frei und
keineswegs an das Letzte rührend, doch eine gute und
kräftige Kost sind, sodann Coester, der in einigen kleinen
Landschaftsstudien uns die Intensität seines Naturerlebens
glaubhaft zu machen weiß. Von Scharffs neuen Plastiken
gefällt mir der Corinthkopf weitaus am besten, weil hier der
Künstler zu einer neuen Etappe zu gelangt zu sein scheint,
er die Formen nicht mehr in einer, übertriebenen Naturalis-
mus sich in bedenklicher Weise nähernden Zuspitzung, fast
karikaturenhafter Pointierung gibt, sondern die großen wesent-
lichen Züge herausholend, den Dargestellten von innen her-
aus erfaßt und im besten Sinne des Wortes verklärt.

A. L. M.

BERLIN

Nachdem die Sammlung des bisherigen Kunstgewerbe-
Museums als Schloßmuseum im Schloß aufgestellt und die

Unterrichtsanstalt nach Charlottenburg überführt worden ist,
wird die Bibliothek in ihren jetzigen Räumen Prinz-Albrecht-
Straße 7a verbleiben und fortan den Namen führen: Staat-
liche Kunstbibliothek, vormals Bibliothek des Kunstgewerbe-
Museums. Sie wird in erweitertem Umfange neben dem
Kunstgewerbe auch die Literatur der freien Künste und die
einschlägigen Anschauungsmittel pflegen, soweit sie der
Kunstbildung und der Kunstpflege dienen. Der Lesesaal ist
wochentäglich von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends geöffnet.

ULM

Das Museum der Stadt wird im Laufe dieses und des
nächsten Jahres einem Umbau unterzogen. Der Kernbau,
das alte Kichelhaus mit seinen Renaissancedecken wird, wie
bisher, die Sammlung älterer Kunst umfassen. Der zu diesem
Hause gehörende Laubenhof wird in seinem Umgang haupt-
sächlich die kunstgewerblichen Fachsammlungen bergen.
Die beiden Dachgeschosse des Hauses werden für die Unter-
bringung der geschichtlichen Sammlung der Stadt ausgebaut.
Der zweite Hof des Hauses erhält Oberlicht und wird künf-
tig die wechselnden Ausstellungen des Kupferstichkabinetts
zeigen. Nach Westen hin ist das Museum durch den Zukauf
des Hauses am Taubenplatz wesentlich vergrößert worden.
Dieser westliche, aus zwei Häusern bestehende Block wird
in seinem Untergeschoß künftig die Bibliotheks-, Arbeits-
und Vortragssäle umfassen. Der erste Stock wird die Kunst
des späten achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts
enthalten, während der zweite, teilweise mit Oberlicht aus-
gestattete Stock für die modernen Sammlungen bestimmt ist.
Die Oberlichträume des Schwörhauses werden wechselnden
Ausstellungen dienen. Durch diesen Umbau dürfte dem Raum-
bedürfnis für eine Anzahl von Jahren Genüge getan sein.

UKTIONSNAC H R 1 CHTEN

VERSTEIGERUNG DER
SAMMLUNG A. DE RIDDER
2.JUNI, BEI GEORGE
PETIT, PARIS
Die Sammlung A. de Ridder,
Cronberg, den Kunstfreunden be-
kannt durch ihre Ausstellung im Städelschen Museum kurz
vor dem Kriege und durch Bodes großen, im Jahre 1913
erschienenen Katalog, kam in Paris unter den Hammer,
als sequestriertes Kunstgut.

Das Hauptstück der Sammlung war das „Bildnis einer
jungen Frau mit Handschuh" von Frans Hals, 1634 gemalt,
vormals in der Sammlung Mniszech in Paris. Der New-
Yorker Händler Joseph Duveen ersteigerte es, wahrscheinlich
im Auftrage für einen amerikanischen Sammler, um den
Preis von 2 100000 französische Franken plus 19% Aufgeld,
eine Summe, die heute etwa 450000 Goldmark entspricht.

Wir geben im folgenden die Hauptpreise (französische
Franken):

1. Jacob Adriaensz Backer: Bildnis des Goldschmieds
Johannes Lutma 82000. 2. Frau Lutma 35000. — 3. Abraham

van Beyeren: Früchte, Gläser und Gefäße 40000. — 5. Fer-
dinand Bol: Mädchen am Fenster (früher Sammlung Hum-
hrey Ward) 60000. — 6. Esaias Boursse: Junge Mutter 8500.

— 7. Ouirin van Brekelenkam: Galante Unterhaltung (früher
Sammlung Lady Wantage): 205 000. — 9. Adrian Brouwer:
Dorfarzt 27500. — 10. Jan van de Capelle: Dorf im Schnee
(früher Sammlungen George Salting und Adolphe Schloß):
60000. — 11. Pieter Codde: Dame am Spinett 32500. —
12. Gonzales Coques: Promenade an der Terrasse 13 100.

— 14. Albert Cuyp: Viehweide am Ufer 60000. 15. Rast
vor der Herberge 195000. 16. Flußufer 23000. — 18. van
Dyck: Marter des hl. Sebastian (früher Sammlung Graf
Widman, Iglau): 39000. 19. Bildnis des Ferdinand Boischot
86000. — 20. Govurt Flinck: Junger Hirt (früher Sammlung
Tyszkiewicz, Warschau): 11000. — 22. Jan van Goyen:
Ruhige See 33000. — 23. Frans Hals: Junge Frau (1634;
112x83 cm) 2100000. 24. Bildnis Sara Middelhoven
(86x69) 920000. — 25. Jan van de Heyde: Aufbruch zur
Jagd 38000. — 26. Meindert Hobbema: Bauernhof in der
Sonne (früher Sammlung des Königs Leopold II. v. Belgien)
1320000. 27. Bauernhof am Wasser 102000. 28. Wald-

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