Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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ADOLF OBERLÄNDER, PORTRÄT MAX CORREGGIO

GALERIE HEINEMANN, MÜNCHEN

ADOLF OBERLÄNDER DER MALER

VON

W. v. ALTEN

Uber die Kunst Eugen Neureuthers äußert sich
Goethe gegen Eckermann: „Es beschränkt
selten ein Künstler sich auf das, was er vermag,
die meisten wollen mehr tun, als sie können, und
gehen gar zu gern über den Kreis hinaus, den die
Natur ihnen gesetzt hat . . . (Neureuther) scheint
mit seinen Fähigkeiten gewissermaßen zu spielen,
und es geht auf den Beschauer ein Behagen über,
welches die bequeme, freie Spende eines reichen
Vermögens immer zu begleiten pflegt."

In der deutschen Kunst, besonders in der des
neunzehnten Jahrhunderts, sind die Künstler selten,
die nicht anderes und mehr wollen, als ihr Talent
ihnen zubilligt. Immer wieder trifft man hier auf
Erscheinungen, bei denen zwischen Erstrebtem und
Erreichtem ein tragischer Riß klafft. Eine von den
wenigen harmonischen, und dadurch beglückenden
Künstlerpersönlichkeiten ist Oberländer. Bei ihm
hat man die Empfindung mit einem Menschen zu
tun zu haben, dem es wohl in seiner Haut, ist,

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