Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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Als Trübners Bilder anfingen teuer zu werden, kaufte
der Künstler selbst sie auf. Er entdeckte einst in einem
kleinen Antiquitätenladen eines seiner Frühbilder, begann
darum zu handeln, als sei er ein Sammler, und suchte den
Preis zu drücken mit der Behauptung, das Bild sei ebenso
schlecht gezeichnet wie gemalt. Als er sich mit dem Händler
geeinigt hatte, übergab dieser ihm das Bild und sagte: „Übri-
gens, die Behauptung, das Bild sei schlecht, nehmen Sie
auf sich, Herr Trübner."

*

Unterhaltung bei Raffke:

„Ich habe mir einen Gaul gekauft, wollen Sie ihn sehen?"
„Aber ja; ich will mir nur den Pelz anziehen."
„Wozu? ich habe Zentralheizung, das Ding steht im
Schreibzimmer."

„Im Schreibzimmer?"
„Ja, hier ist er."

„Ach so--; aber das ist ja ein Esel!"

In dem Probenbuch einer Schriftgießerei wird eine
Antiquaschrift „Venus" genannt.

Die verschiedenen Grade der Schrift heißen:

„Magere Venus", „halbfette Venus", „dreiviertelfette
Venus" und „fette Venus".

Zur gefälligen Auswahl.

*

Als Muthers „Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert"
erschienen war, verklagten ihn seine Breslauer Universitäts-
kollegen beim Ministerium, wegen der in dem Werk ent-
haltenen Plagiate. Der Ministerialdirektor Althoff kam

endlich, nach langem Drängen, zu einer Sitzung nach Breslau.
Er hörte geduldig die pathetischen Anklagen des Rektors,
des Prorektors, des Dekans und des Geschichtsprofessors an,
erhob sich dann und sprach: „Meine Herren, seien Sie ver-
söhnlich, das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Schenken
Sie Ihrem Kollegen zum Fest ein paar Gänsefüßchen, und
alles ist in Ordnung."

*

Kronprinz Maximilian von Bayern besah sich in Rom
Bilder in einem kleinen Kunstladen. Vor einem Gemälde
fragte er den italienischen Kunsthändler nach dem Preis.
Dieser sagte:

„Sessanta otto."

„Na," antwortete der Kronprinz, „i bin net der Otto, i
bin der Maximilian."

*

In einem Schönberg-Konzert hört jemand aufmerksam
zu, indem er seine Augen mit der Hand bedeckt. Ein Be-
kannter sagt zu ihm: „Warum halten Sie sich die Augen
zu? Das tut man in der Sezession. Hier macht man es
so!" Und er hält sich beide Ohren zu.

Der Berliner Professor Leo, der gern in den Spiegel
sah, war auf eine Redoute als Shakespeare gegangen und
hatte sich dann im Kostüm photographieren lassen. Beim
Festmahl des Shakespearetages in Weimar zeigte er die Photo-
graphie an der Tafel herum. Als sie auch zu Professor
Delius kam, sagte dieser traurig: „Ach, nun ist Shakespeare
auch schon ein Jude!"

ZWEIUNDZWANZIGSTER JAHRGANG, SIEBENTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 19. MÄRZ, AUSGABE AM 1. APRIL NEUN-
ZEHNHUNDERTVIERUNDZWANZIG. REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERLAG VON BRUNO CASSIRER, BERLIN
GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON FR. RICHTER, G.M.B.H., LEIPZIG
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