Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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Buches ist echt, innerhalb der bescheidenen Gattung, der
es angehört, hat es etwas Klassisches.

Hier mag auch das kleine Buch erwähnt werden, das
Franz Landsberger dem sechzigjährigen Heinrich Wölff-
lin gewidmet hat. Es ist mit einer schönen freien Verehrung
geschrieben, in einer reifen und wohlklingenden Sprache
und in voller Beherrschung dessen, was bei einer solchen

Gelegenheit nach allen Seiten berührt werden muß. Es
zeigt sich auch in diesem Fall, daß Wölfflin es verstanden
hat, seinen Schülern Kultur zu geben. Das Buch ehrt den,
der es geschrieben hat und den, für den es geschrieben
worden ist. Auch über einen gedruckt vorliegenden Vor-
trag zu Ehren Wölfflins von August Grisebach ist viel
Gutes zu sagen.

KARL WALSER, „DAS MONDSCHAF"
ILLUSTRATION ZU CHR. MORGENSTERNS „GALGENLIEDER"

VERLAG BRUNO CASSIRER, BERLIN

UNSTAUSSTELLUNGEN

BERLIN

In der Galerie Flechtheim stellte
der Freiburger Alfred Mez eine Reihe
von Landschaften und einige Aqua-
relle aus. Er ist ein Künstler, der
hinter andern hergeht, doch gehört er zu jenen, die
es in höchst charaktervoller Weise, man möchte sagen:
bewußt dienend tun. Seine Landschaften verraten deutlich
den Einfluß Cezannes — des Malers der flüssigen Erschei-
nung, nicht des Stilisten —, doch darf er nicht mit den
Hunderten von Cözannenachahmern in aller Herren Län-
der verwechselt werden. Künstler seiner Art haben es
schwer, sich durchzusetzen, weil sie alles reklamehaft Laute

vermeiden, und mehr den Ehrgeiz der Leistung als den
des Erfolgs haben. Sie stehen bewußt und mit Selbst-
gefühl an zweiter Stelle und tun nie so — wie die viel
Schlechteren es so oft tun — als ständen sie in der ersten
Reihe. Alfred Mays Landschaften, Ansichten von Schwarz-
waldstädten in der Rheinebene, sind durchaus sympathisch,
sie sind durchgearbeitet, sie verraten Liebe für den Gegen-
stand und für das Handwerk. Soll der Grad bezeichnet
werden, so könnte man auf Grimm in Baden-Baden verwei-
sen. Maler dieser Art sind Bewahrer des Niveaus und in
den kleineren deutschen Städten durch ihre bloße Gegen-
wart wertvoll.

K. Sch.

ZWEIUNDZWANZIGSTER JAHRGANG, ZWÖLFTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 12. AUG., AUSGABE AM i. SEPT. NEUN-
ZEHNHUNDERTVIERUNDZWANZIG. REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERLAG VON BRUNO CASSIRER, BERLIN
GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON FR. RICHTER, G.M.B.H., LEIPZIG
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