Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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NEUES PALAIS, POTSDAM. WESTFRONT

DIE WIEDERHERSTELLUNG DER POTSDAMER SCHLOSSER

VON

FRITZ RUMPF

T)ei der Neuordnung des Staates im Herbst 1918 fiel dem
preußischen Finanzministerium die Verwaltung und Er-
haltung der Schlösser des früheren Kronbesitzes zu. Dies be-
dingte erhebliche Kosten, zu deren Bestreitung nicht mehr die
königliche Zivilliste zur Verfügung stand. Eine nutzbringende
Verwertung der Schlösser zu irgendwelchen wirtschaftlichen
Zwecken verbot sich nicht nur aus ideellen und kulturellen
Gründen. Ihrer ganzen Anlage nach eignen sie sich weder
zu bürgerlichen Wohnungen oder zu Amtsräumen, noch zu
gewerblichen Betrieben. Teure Umbauten würden daran
nur wenig bessern, aber vieles verderben. Sie würden die
Schlösser ihres größten Wertes berauben, ihres Kunstwertes,
der sowohl in den Baulichkeiten, als auch in der Einrichtung
steckt. Die Kunst ist aber leider nur selten sehr einträglich.
Weder ihre Ausübung noch ihr Besitz. Im Berliner Schlosse
wurde der Versuch gemacht, die Kunst seiner Ausstattung
mit den lehrhaften Aufgaben eines Kunstgewerbemuseums

zu verschmelzen. Der Gedanke war sehr naheliegend, sehr
verlockend und verheißungsvoll. Er wurde mit großer Sorg-
falt, vielem Geschick und zweifelloser Sachkenntnis ausgeführt.
Und doch ist die Lösung nicht in allen Fällen glücklich
zu nennen. Entweder stören die Ausstellungsgegenstände
ihre Umgebung oder umgekehrt. Wenn trotzdem der Be-
such des „Schloßmuseums" ein reger ist, so beweist dies
nur, daß erstens der größere Teil der Besucher es wohl
nur aufsucht, um dagewesen zu sein, daß aber die anderen,
die wirklichen Kunstfreunde, auf das Studium des Museums
nicht verzichten wollen, obgleich es im Schloß ist, und weil
sie die Reize der Raumkunst des Schlosses auch trotz der
Füllung mit Museumsstücken noch würdigen zu können
hoffen. Und so kann man sich doch wenigstens insofern
des Unternehmens freuen, als die reichlich fließenden Ein-
trittsgelder einen ziemlichen Teil der Unterhaltungskosten
des Schlosses, wie des Museums decken.

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