Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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PH. OTTO RUNGE, SPIELKARTENBILDER. HOLZSCHNITT

ACHT ZEICHNUNGEN FÜR SPIELKARTEN VON PH. O.RUNGE

VON

VICTOR DIRKSEN

Im November vorigen Jahres gab Anton Kippen-
berg in einem reizenden kleinen Büchlein Albert
Köster zu Ehren die Originalabzüge der von Pro-
fessor Gubitz in Berlin geschnittenen Holzstöcke
nach den Spielkartenentwürfen Ph. O. Runges
heraus. Der glückliche Fund erregte das Entzücken
der Kunstfreunde, denen sich hier das Talent des
Verfassers der Tageszeiten von einer neuen höchst
reizvollen Seite darbot. Nur ein Bedauern blieb
beim Anblick der Blätter zurück. Wie mochten
die Rungeschen Originalzeichnungen ausgesehen
haben und wo steckten sie? Trugen auch die
Gubitzschen Schnitte den vollen Charakter der
Kunst Runges, so daß ihre Würdigung in der zeit-
genössischen Presse und aus dem Munde Brentanos
wohl verständlich ist, so fühlte man doch beim
Durchblättern des Büchleins, daß der Strich für
den Holzschnitt zurechtgemacht und notwendiger-
weise vergröbert sein mußte.

Der Zufall förderte nun bei Aufräumungsarbeiten
im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle
acht Originalzeichnungen Runges für die Spiel-
karten zutage, welche dem Institut vor vielen
Jahren von den Nachkommen des Künstlers zum
Geschenk gemacht waren. Die je 47 X 57 mm
großen Blättchen sind auf einem alten Karton
reihenweise zu je vier Stück aufgeklebt, der auf
der Rückseite in Tinte offenbar von der Hand

Daniel Runges die Notiz trägt: Die Originale
von Philipp Otto Runge die Holzschnitte nach
seinen Zeichnungen von Gubitz 1809—10. (Es ist
dieselbe Hand, von der die Notizen auf den übrigen
Runge-Zeichnungen der Kunsthalle herrühren, die
aus dem Nachlaß der Witwe kommen.) Leider
sind nicht alle zwölf Kartenbilder im Original
erhalten, sondern nur die Damen und die Buben.
Die Könige sind nur in Drucken vertreten.

Die Beschriftung der Rückseite ist aus zwei
Gründen wichtig: erstens haben wir den Beleg,
daß wir die Rungeschen Originale vor uns haben
und zweitens erfahren wir den ungefähren Zeit-
punkt der Entstehung. Sie rücken also in die
letzten Lebensjahre des Künstlers.

Aus der Stelle der hinterlassenen Schriften
Runges, Band 1, Seite 255, ergibt sich, wie Kippen-
berg bereits hervorhob, daß Runge für den Kupfer-
stecher und Spielkartenfabrikanten Forsmann in
Hamburg

1. einen Herzbuben allein,

2. eine erste Reihe der Figuren entworfen hat,
die nicht ausgeführt wurden und

3. eine zweite Reihe der Figuren entworfen hat,
die Gubitz in Holz schnitt.

Wir haben es hier mit dem Rest jener zweiten
Reihe zu tun. Daniel Runge sagt ausdrücklich:
„bald aber lieferte er die Zeichnungen zu noch
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