Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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FRITZ HUF

VON

KARL SCHEFFLER

Uber den in Berlin lebenden Schweizer Bild-
hauer Fritz Huf, der in Luzern Goldschmiede-
lehrling war und sich in Paris, Italien und Deutsch-
land autodidaktisch zum Bildhauer ausbildete, hat in
diesen Heften Willi Wolfradt schon einmal geschrie-
ben. (Jahrgang XVII, Seite 456fr.) Seit 1920 hat die
Öffentlichkeit nichts mehr von dem Künstler gesehen.
Huf hatte sich in diesen Jahren ganz vom Aus-
stellungswesen zurückgezogen; man hörte nur, daß
er im Atelier hinter verschlossenen Türen arbeite
und nichts zeige. Jetzt hatte er die Früchte dieser
mehrjährigen stillen Arbeit bei Paul Cassirer aus-
gestellt. Er hat Eindruck damit gemacht, weil es
sich zeigt, daß das Arbeiten in der Stille eine Selbst-
erziehung gewesen" ist. Die Ausstellung machte
es deutlich, daß Huf zwar nicht ein führendes
Talent und ein Erschließet neuer Wege ist, wohl
aber ein ernster Arbeiter, ein vortrefflicher Hand-
werker und ein Künstler von sicherem Niveau.

Mit Bewußtsein hat Huf sich seinem Schweizer
Landsmann Haller angeschlossen, der unter den
Bildhauern seiner Generation so etwas wie ein
Senior ist und den Namen eines Meisters verdient.
Dem Kreise, in dem neben Haller, de Fiori und
Edzard stehen, in dem, wenn auch isolierter, Kolbe
arbeitet, hat sich nun Huf hinzugesellt. Er hat es
getan um der vortrefflichen Kunstgesinnung willen,
die in diesem Kreise herrscht, und weil er dort
etwas wie eine Schule fand, ohne daß etwas Schul-
mäßiges in den Kauf genommen zu werden braucht.
In dieser freien, durch eine gemeinsame Form-
anschauung zusammengehaltenen Schule haben
Rodin und Maillol einen deutschen Ausgleich ge-
funden, Adolf Hildebrand wird darin lebendiger (und
darum kritischer) begriffen als in der kunstgewerb-
lich entarteten Münchener Hildebrandschule, und
es hat der Geist guter moderner Malerei Anteil an
der plastischen Anschauung gewonnen. Wenn Huf

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