Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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weg am Ufer 40000. — 29. Pieter de Hoogh: Blumen-
garten (früher Sammlung Langton Douglas, London) 250000.
30. Holländisches Interieur (früher Sammlung des Herzogs
von Broglie) 80000. 31. Die junge Mutter (früher Samm-
lung des Herzogs von Morny) 160000. — 33. Willem Kalf:
Stilleben (Zitrone, Gläser, Gefäße) 19500. — 34. Thomas
de Keyser: Bildnis eines jungen Mannes mit Hund 45000.
35. Männerbildnis, Oval 15000. 36. Bildnis eines Archi-
tekten 24000. — 38. Nicolaes Maes: Köchin beim Enten-
rupfen (früher Sammlung Porges, Paris) 245 000.— 39.Meister
der weiblichen Halbfiguren: Junge Dame beim Briefschreiben
100000. — 40. Gabriel Metsu: Hundemahlzeit (früher Samm-
lung Maurice Kann, Paris) 280000. — 43. Paulus Moreelse:
Junges Mädchen als hl. Agnes 10000. — 44. Aert van
der Neer: Kanal im Winter 61000. 45. Abendlandschaft
vor dem Städtchen (früher Sammlung Porges) 23000. —
46. Adriaen van Ostade: Rauchende Bauern 95000. —
50. Isack van Ostade: Winterlandschaft 92000. 51. Rast
vor der Schenke 11000. —-53. Paulus Potter: Viehweide
mit Ruine 50000. — 54. Rembrandt: Junges Mädchen
am Fenster (früher Sammlung Ridley, London) 600000.
55. Männerbildnis aus der Familie Raman 710000. 56. Flora
(früher Sammlung Adolphe Schloß) 300000. — 57. Peter
Paul Rubens: Christus triumphiert über Tod und Sünde
(früher Sammlung König Leopold von Belgien) 220000.

58. Im Walde (früher Sammlung Rogers, London) 96000.

59. Bildnis des Malers Frans Francken (früher Sammlung
des Königs Leopold von Belgien) 125000. 60. Damen-
bildnis (vermutlich Isabella Brant) 275000. — 61. Jacob
v. Ruisdael: Die Bleiche bei Brederode 51000. 62. Weg
am Dorf entlang (früher Sammlung Porges) 130000. 63. Die
Dünen (früher Sammlung Maurice Kann) 37000. 64. Der
Sumpf 25000. — 65. Salomon Ruisdael: Die Tränke
51000. 66. Stadtansicht am Fluß 130000. — 67. Jan Steen:
Mittagsruhe (früher Sammlung Yerkes, New York) 322000.
68. Die Zeichenstunde 210000. 69. Flötenunterricht 45 000.

70. Das Tischgebet (früher Lady Wantage, London) 60000.

71. Die Guitarrenstunde 17200. — 72. Teniers d. Jüngere:
Die Gemäldegalerie des Erzherzogs Leopold (früher Samm-
lungen Schönborn - Pommersfelden und Porges) 48000.
73. Galante Unterhaltung (früher Sammlung Lady Wantage)
30500. 75. Unterhaltung vordem Dorfe 18000. 76. Bauern-
hochzeit 42000. — 77. Gerard Terborch: Das Kartenspiel
86000. 79. Musikstunde (kleinere Replik des Bildes aus
der National-Gallery, London; früher Sammlung Peacock)
310000. 82. Mädchen bei der Lektüre 128000. — 83. Wil-
lem van de Velde: Ruhige See 25000. — 85. Ver-
spronck: Bildnis eines jungen Mannes 30000. 86. Philips
Wouwermann: Die Furt 41000.

E. W.

CHRONIK

JUSTI —LIEBERMANN

Wie wir über Ludwig Justis Tätigkeit denken, darüber
haben wir nie Zweifel gelassen. Zuerst standen wir
mit unserer Meinung allein; heute ist der Kreis derer, die
unsere Überzeugung teilen, schon ziemlich groß. Und was
diesem Kreis noch an Quantität fehlt, wird durch Qualität
ersetzt. Justi hat freilich immer noch eine „gute Presse";
darauf ist aber kein Verlaß, nichts ist unsicherer als die Presse.
Neuerdings ist von der Akademie der Künste eine Anregung
ausgegangen, das Ministerium möchte diesem Stiefkind der
Musen, das Unbegabtheit durch Geschäftstüchtigkeit ersetzt,
eine Kommission beigeben, um die urteilslose Ankaufs- und
Ausstellungspolitik in der Nationalgalerie und im Kronprinzen-
palais zu paralysieren. Der Minister hat auch zugesagt, in
diesem Sinne zu wirken und für einige Jahre eine solche
Kommission zu ernennen. Die Absicht ist gut, der Gedanke
ist jedoch verfehlt. Etwas grundsätzlich Falsches darf nicht zu
einer Institution werden, weil es in einem bestimmten Fall
nützlich wirken kann. Kommissionswirtschaft in Kunstmuseen
ist immer schädlich. Denn morgen können die Verhältnisse
sich ändern, könnte ein besserer Leiter der Nationalgalerie
durch eine schlechter geleitete Akademie tötlich gehemmt
werden. Die Akademie hätte Farbe bekennen und sich gegen
Justi persönlich wenden sollen; sie hätte sagen sollen: dieser
Mann bringt das wichtigste deutsche Museum moderner Kunst
in Gefahr. Justi hat mit der Geschicklichkeit, die seine per-
sönlichste Eigenschaft ist, den schwachen Punkt der gegen
ihn gerichteten Politik erkannt. Das Echo in der Presse
war ihm günstig. Dann aber hat er ein übriges tun wollen
und hat einen Aufsatz gegen die Frühjahrsausstellung der
Akademie geschrieben (für die Deutsche Allgemeine Zei-

tung), der wie eine Quittung an die Adresse der Akademie
wirkt. Damit hat er des Guten nun wieder zu viel getan.
Leute von seiner und seiner Sekundanten Art haben nie
das Gefühl für die rechten Maße. Er zeugt mit dieser Kritik,
die Liebermann inzwischen im Lokal-Anzeiger wirkungsvoll
zurückgewiesen hat, gegen die eigenen Großtaten, er spottet
seiner selbst und weiß nicht wie. Wer im Glashaus sitzt,
soll nicht mit Steinen werfen. Was wir über die Ausstellung
der Akademie denken, ist im vorigen Heft mitgeteilt worden.
Sie ist angreifbar, weil es derzeit an guten Kunstwerken fehlt,
nur darum. Vergleicht man aber diese Ausstellung einerjahres-
produktion mit dem, was an „Endgültigem" im Kronprinzen-
palais seit der Revolution gezeigt worden ist, und wie es ge-
schehen ist, so wirkt sie ganz klassisch. Daneben bleibt Justis
Aufsatz nach einer Richtung eine seltene Leistung: als Se-
nator der Akademie dem Präsidenten derselben Akademie so
taktlos entgegenzutreten, die höchst bedeutende Persönlich-
keit eines siebenundsiebzigjährigen Meisters, auf den jede
andere Nation stolz wäre, so respektlos zu behandeln, so
selbstbewußt und zugleich so schlecht, den Gedanken und
dem Stil nach, zu schreiben, den Anschein tiefer Bildung zu
wecken und dabei so ahnungslos zu sein, so mutig auf den
Sack zu schlagen und den Esel zu meinen: um das zu voll-
bringen, muß man mit der Zeit, in der wir vegetieren müssen,
vollkommen eins geworden sein. Justi ist sehr vieles nicht;
zeitgemäß in diesem Sinne aber ist er. Es ist sein Ehrgeiz,
den Schlechtesten seiner Zeit genug zu tun. Das sichert ihm
den Augenblickserfolg; macht ihn aber auch zur Eintags-
fliege, die vom „ernsthaften Kunstfreund" wohl lästig emp-
funden, sonst aber nicht weiter tragisch genommen wird.

K. Sch.

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