Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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der Seite her wird eine feine, in sich ruhende Geistigkeit
sichtbar; die Häßlichkeit des Greisen, wie sie etwa in der
Berliner Miniatur von V. C. Vernet erscheint, ist getilgt, die
geistige Energie, besonders in den Augen, freilich nicht ausge-
schöpft. Doch steht Bardous Arbeit dem wirklichen Kant
wohl näher als Schadows Walhalla-Büste von 1808, die das

Hagemannsche Vorbild etwas summarisch ins Monumentale
und Unpersönliche zu steigern unternimmt. Ein Vergleich
mit Bardous Chodowiecki-Büste zeigt freilich, daß der be-
scheidene, tüchtige Künstler, dem Schadow hohes Lob ge-
zollt hat, aus der genauen Kenntnis des Modells heraus
auch noch zu glücklicheren Schöpfungen befähigt war.

CHRONIK

Das Berliner Kupferstichkabinett stellt jetzt unter seinen
Neuerwerbungen ein Exemplar von Burgkmaiers Holzschnitt
des hl. Georg (B. 23., von 1508) aus, das auf Pergament
gedruckt, durch vermutlich eigenhändige Bemalung des
Künstlers besonders wertvoll ist. Ein Gegenstück in Wiener
Privatbesitz, Kaiser Max zu Pferde — beide auch als Farben-
holzschnitte bekannt, die von mehreren Platten gedruckt
sind — ist in ähnlich reicher Weise mit Gold und Silber
gehöht und ebenfalls auf Pergament gedruckt. Es wird
wohl zu Recht vermutet, daß beide Blätter von Burgkmaier
selbst für den Kaiser oder für einen Liebhaber aus seiner
nächsten Umgebung hergestellt worden sind.

*

Beim Oberstkämmerer des habsburgischen Hauses in
Wien, dem ehemals die öffentlichen Sammlungen unter-
standen, ist ein unbekannter Velasquez gefunden worden.
Vermutlich gehörte das Bild zu den habsburgischen Samm-
lungen, die allein außerhalb Spaniens eine größere Zahl von
Bildern des Künstlers besaßen, und ist zu Repräsentations-
zwecken in die Dienstwohnung des Oberstkämmerers ge-

kommen, als man die eigenhändigen von den bloßen Werk-
statt- und Schülerarbeiten noch nicht zu unterscheiden wußte.
Das aufgefundene Bildnis, das die Prinzessin Margarete
Theresia im Kindesalter darstellt, ist in seiner leichten
Malweise und dem feinen Türkisch-Blau eines der schönsten
Gemälde des Künstlers im Wiener Kunsthistorischen Mu-
seum, wohin es nunmehr gelangt ist.

Im Louvre wird augenblicklich die letzte von acht Aus-
stellungen der Hinterlassenschaft E. Bonnats, des bekannten
Pariser Malers, gezeigt. Bonnat war als Besitzer einer der
schönsten Sammlungen alter Handzeichnungen bekannt. So
hatte er fast dreißig echte Blätter von Dürer, aber auch die
anderen großen Künstler der Zeichnung wie Raphael, Michel-
angelo, Rubens, Rembrandt und Watteau waren mit hervor-
ragenden Proben vertreten. Die Sammlung ist als Ganzes
der Heimatstadt Bonnats, Bayonne, vermacht worden, wo-
hin schon zu seinen Lebzeiten beträchtliche Teile seines
Besitzes gewandert waren. Auch für diejenigen, die die
Sammlung kannten, boten die acht Ausstellungen im Louvre

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