Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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JOHN FLAXMAN, WÄCHTER. ZEICHNUNG

des Bösen. Ein klares, rein künstlerisches Problem
ist es, das schließlich gelöst wird, und daher
können wir so eine Komposition heute noch besser
genießen als alle die trockenen
oder süßlichen Illustrationen
des Vaterunsers nachnazareni-
scher Künstler, die in epischer
Breite Geschichten vom täg-
lichen Brot oder vom Vergeben
der Schulden erzählen. Zeitlos
wie die fünfte Bitte selbst ist
diese Zeichnung.

William Blake nennt Flax-

man wegen der Lauterkeit seiner Kunst einen
„erhabenen Erzengel". In seiner gesteigerten
Sprache will er damit das reine Streben des
Künstlers umschreiben, das
Blake weit über bloße Geschick-
lichkeit der Hand stellt, und wie
ein Segen über das Lebenswerk
Flaxmans klingen die Zeilen,
die Blake an diesen „Freund
von der Ewigkeit her" schrieb:
„Gesegnet seien jene, die
eifrig sind im Suchen der Kunst
und menschlicherVollendung".

JOHN FLAXMAN, GRABMAL. ZEICHNUNG
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