Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Festgaben zum \2. März (90(.

Fr. v. Thierschs, weil hier der fo frei und leicht denn je Münchens Handelsherren in die erste Reihe

und heiter in allen Stilen heimische Meister gerade
unseren jüngeren Künstlern viele neue Anregungen
gegeben und neue Wege gezeigt hat.

Mochte sich Handel und Mandel in München
zum Segen der Kunststadt so weiterentwickeln. Möchte
Baukunst, Malerei, Bildhauerei und Aunstgewerbe
in den großen Vertretern von Handel und Industrie
immer mehr Protektoren finden.

Denn immer sind die Repräsentanten des
Reichtums die Protektoren der Kunst gewesen.
Ludwig I. vermochte allerdings durch sein energisches
Wollen und äußerste Sparsamkeit für eigene Be-
dürfnisse aus München eine Kunststadt von Weltruf
zu machen, als Wirtschaft und Pandel in Stadt und
Staat darniederlag. Gleichmäßig mit Münchens
Kunst ist dann Münchens Reichtum gewachsen. Aber
sehr zum Schaden Münchens würde sich bald der
künstlerische Ruf verringern, wenn nicht jetzt mehr

387. Neue Börse in München von Fr. v. Thiersch; Vorstandssitzungssaal.

der künstlerischen Protektoren sich stellen wollten.

Or. <£. w. Bredt.

Festgaben $um 12♦ Marz 1901.

achdem sich vor sO Jahren beim 70. Ge-
burtstag des Prinzregenten Luitpold in
Bayern die treue Anhänglichkeit des
ganzen Landes in einer zahllosen Menge
von Geburtstagsgeschenken aller Art
geäußert hatte, wünschte der bescheidene Sinn des
Landesherrn eine Wiederholung oder eine Steigerung
solcher Huldigungen bei der diesjährigen 80. Geburts-
tagsfeier vermieden zu sehen. Aber da und dort
drängten die das ganze Land bewegenden Empfin-
dungen zu sichtbarem Ausdruck, und es entstand eine
Reihe von Glückwunschadressen uild ähnlichen Arbeiten,

die im Laufe des April
in den Räumen des Kunst-
gewerbevereins ausgestellt
waren und viel Interesse
erregten. Wie immer in
solchen Fällen stellten sich
auch hier zahlreiche Dinge
ein, bei denen der gute
Wille höher zu bewerten
war als die künstlerische
Leistung; aber einiges be-
fand sich doch darunter,
was einer weiteren Be-
kanntwerdung und dau-
ernden Festhaltung wert
war — und davon
bringen wir in diesen
Blättern eine Auslese.

Der Kunstwert dieser
Festgaben beruhte teils
auf ihrer äußeren Hülle,
teils auf der Ausführung
der Schrift einschließlich
Randmalereien, Kopf-
leisten, Initialen. Erstere
bestand in den meisten
Fällen nur aus Leder;
für letztere diente das Per-
gament als Schaubühne
der verschiedensten Schrift-
arten, wobei nicht nur die
Techniken der alten Minia-
turen- und Initialenmaler
wieder auserweckt schienen,

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