Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 24.1889

Page: 33
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1889/0026
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Iahrgang. ^ ^ ^ ß Nr. Z

Runstchronlk n

Ivochenschrift für Aunst und Aunstgewerbe.

Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Aunstgewerbevereine.

tzerausgeber:

Larl v. Lützow und Arthur j)abst

wien Itöln

Theresianumgasse 25. wllhelmsring 22 a.

<Lxpedition:

Leixzig: L. A. Seemann, Gartenstr. is. Berlin: w. Aühl, Iägerstr. 73.

Die Runstchronik erscheint von Gktober bis Lnde Iuni wöchentlich, im Iuli, August und September nur aller ^ Tage und kostet in verbindung
urit dem Runstgewerbeblatt halbjährlich 6 Mark, ohne dasselbe ganzjährlich 8 Mark. — gnserate, ä 30 pf. für die dreispaltige ssetitzeile,
nehmen außer der verlagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasenstein 6c vogler in Leipzig, wien, Berlin, München u. s. w. an.

)nhalt: Die k. k. Lehranstalt für sshotographie und Reproduktionsverfahren in wien. — Das Schwarzwerden moderner Bronzemonumente. —
Aunstlitteratur: Lübke's Geschichte der deutschen Kunst; Gurlitts Geschichte des Barockstils: ssaul Saintenoy, „Notes 6e vo^a§e".
— Riefstahl f: Feyen-sserrin -f. — Lrgebnis der Mailänder Dombaukonkurrenz. — Georg Tornicelius. — Line neue Runstausstellung in
München. — Raiser-Wilhelm-Denkmäler; Festspiel zum Stadtjubiläum in Düsseldorf. — Neuigkeiten des Buch- und Runsthandels. —
Zeitschriften. — gnserate.

Die k. k. Lehr- u. Versuchsanstalt für s)hotographie
und Reproduktionsversahren in Wien.

Die Photographie ist gegenwärtig ein wichtiger
Zweig sür das Kunstgewerbe, sowie als Hilfsmittel
lür verschiedene Zwecke der künstlerischen und wissen-
Ichaftlichen Thätigkeit geworden. Die neuesten Er-
rungenschaften auf diesem Gebiete wurden nur durch
lachgemäße Einbeziehung der Chemie und Optik in
den Kreis der Reproduktionsverfahreu ermöglicht, und
weitere Fortschritte sind nur mit Hilfe wohl ausge-
rüsteter Laboratorien und kostspieliger Apparate und
^eherrschung der einschlägigen Hilfswissenschaften
wöglich. Diese Vorbedingungen findet man in den
gewöhnlichen photographischen Ateliers naturgemäß
nicht vor, und die zweckdienliche Erlernung der Photo-
graphie, namentlich für Spezialzwecke, war bisher
eine schwer erreichbare Sache.

Es muß daher, mit Zustimmung begrüßt wer-
den, daß der k. k. österreichische Minister für Kultus
und Unterricht vr. von Gautsch den ersten Schritt
Zethan hat, diesem Unwesen ein Ende zu machen,
indem er die Jnitiative ergriff, in Wien eine k. k.
2ehr- und Versuchsanstalt für Photographie und
^eproduktionsverfahren zu gründen, in welcher „so-
wohl für die Ausbildung von Fachphotographen, Licht-
^ruckern, Photolitographen rc. Sorge getragen werden
loll und Künstler, Gelehrte, Techniker rc. die Photo-
öraphie als Hilfswissenschaft erlernen können, als
auch die Prüfung von Apparaten, Chemikalien und
Wlbständige wissenschaftliche Untersuchungen durchge-
iührt werden." Daß bieses nmfassende Programm
ornst gemeint war und seine Verwirklichnng in abseh-

barer Zeit liegt, beweisen deutlich die im ersten Se-
mester dieser Anstalt erzielten Resultate.

Jm Sommer 1886 war die Abteilung für photo-
graphische Reproduktionsverfahren an der Salzburger
Staatsgewerbeschnle aus gewichtigen Gründen ge-
schlossen worden. Schon am 22. November desselben
Jahres aber machte der Unterrichtsminister Or. von
Gautsch der Kommune Wien davon Mitteilung, daß
er die Absicht habe, durch das Unterrichtsministerium
unter Mitwirkung der Kommune eine k. k. Lehr-
und Versuchsanstalt für Photographie und Repro-
duktionsverfahren in Wien errichten zu lassen und
in dieser Hinsicht aus das opferwillige Entgegenkommen
der Gemeinde rechne. Daraufhin beschloß der Ge-
meinderat am 14. März 1887, die Absicht des Mi-
nisters in weitgehendster Weise zu sördern, indem er
zu diesem Zwecke nicht nur die nötigen Räumlichkeiten
iu dem städtischen Gebäude VII. Westbahnstraße Nr. 25
zur Berfügung stellte, mehr noch: er bewilligte zum
Zwecke der Adaptirung, d. h. zum Zubau des Ateliers
35 000 fl. und verpflichtete sich zu einem jährlichen
Kostenbeitrage von 1500 fl. für Bedienung und Be-
leuchtung. Nachdem auf diese Weise die Lokalfrage
glücklich erledigt war, wurde mit Allerhöchster Ent-
schließung vom 27. Augnst l887 die Aktivirung der
Anstalt mit 1. März 1888 genehmigt. Bei der Or-
ganisation derselbcn wurde die ehemalige photogra-
phische Abteilung der Salzburger Staatsgewerbeschule,
ferner die seit mehr als zehn Jahren bestehende allge-
meine Zeichenschule im VI. Bezirke Wiens, samt ihren
Jnventaren, sowie die aus mehrjährigen Ministerial-
Dotationen zu Zwecken einer photographischeu Ver-
suchsnnstalt von dcr Wiener photographischeu Gesell-
loading ...