Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Fig. 1. Faiencen von Kelsterbach.

Beiträge zur Geschichte der Kunsttöpferei.

VII.

Die Faience- und Porzellanfabrik ;u Uelsterbach a,M.
Von L. A. v. Drach.

II. Erzeugnisse.

Worin die Produkte unserer Fcibrik bis
zum Jahre 1772 bestandeu, haben wir in der
vorigen Mitteilung auf Grund der vor ihrem
llbergang andie Aktiengesellschaft anfgestellten Jn-
ventare angegeben. Wir sahen, daß von Faiencen,
um diese als den Hauptgegenstand der Fabrikation
zuerst zu behandeln, nur die gewöhnlichen Haus-
und Küchengeräte angefertigt wurden, und fanden
irgendwelche Luxnsgegenstände in den Verzeich-
nissen kaum vor; dabei sind die Preise so niedrig,
daß anch über den durchaus handwerksmäßigen
Charakter der farbigen Dekoration kein Zweifel
obwalten kann. Auch in den späteren Zeiten
ist in beiden Beziehungen keine Änderung ein-
getreten: denn während für den Anfang die er-
wähnten Thatsachen sich einfach daraus erklären
lassen, daß technische und andere Schwierigkeiten,
wie namentlich die Konkurrenz der altbewährten
Fabriken zu Hanau und Höchst eine Beschränkung
auf solche, weniger kostbare Gegenstände, denen
das Privileg für Hessen-Darmstadt Absatz sichern
mußte, bedingten, so konnte späterhin, als mit
der zunehmenden Verbreitung des echten Por-
zellans die Faience aus dem Haushalt der

Wohlhabenderen mehr und mehr verschwand, das
Kelfterbacher Etablissement nur durch die Fabri-
kation von dem billigen sog. Bauerngeschirr
seine Rechnung finden. Demgemäß bietet denn
auch eine in der Sammlung des Verfassers
befindliche Kollektion von ungefähr hundert
Kelsterbacher Faiencen lauter Gegenstände der
angegebenen Art, von denen zur Charakteristik
der verschiedenen Perioden unserer Fabrik im
Folgenden eine Anzahl näher beschrieben und
in Abbildungen vorgeführt werden soll.

Beziehen wir, wie im vorigen Artikel ge-
schehen, die Marke L auf Kelsterbach unter
Kaspar Maintz, so gewinnen wir dadurch zu-
gleich die Möglichkeit, den in dieser Weise be-
zeichneten Fabrikaten durchaus ähnliche Stücke,
welche mit § signirt find, der vorhergegangenen
Manufaktur des Joh. Chr. Frede zu König-
stetten zuweisen zu können. Wir geben in
Fig. 2 die Abbildungen zweier solcher Frede'scher
Teller mit ihren Marken, der erstere einfach
blau bemalt, der andere blau, grün, gelb und
violett, sowie nnter Fig. 3 die zweier entsprechend
gefärbter Alt-Kelsterbacher und bemerken dazu,
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