Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Runstgcwerbeblatt. 2. Iahrgang.

Nr. y.

Auftmhmustcr iu gelbem Atlas und Schnur aus rotem SltlaS. Jtalieu. XVI. Jahlch.

Beschauzeichen.

Von !Narc Rosenberg.

Man kann die verschiedenen Stempel,
welche sich auf alten Gold- und Silberarbeiten
eingeschlagen finden, in 3 Gruppen teilen:

1. Beschanzeichen, an welchen man die
Stadt erkennt, in der die betreffende Arbeit
gemacht ist.

2. Meisterzeichen, die aus dem Wappen
des Verfertigers, seinen Jnitialen oder
aber, wie in einzelnen Ansnahmefällen,
aus den zwei ersten Buchstaben des Fa-
miliennamens bestehen, vder in noch anderer
Weise gebildet sind.

3. Wardeinzeichen. Unter diesen Namen
kann man sämtliche Stempel zusammen-
fassen, welche man zur Sicherung der
Kontrolle nber den Feingehalt neben Be-
schau- und Meisterzeichen eingeführt hat.
Hierher gehören demnach die Feingehalts-
zeichen, die Jahresbuchstaben, die Marken
der Stempelpächter nnd Wardeine, die
Einfuhrmarken, die Steuerzeichen und
mehrere andere.

Jn allererster Linie kommt es auf das
Beschauzeichen an, denn nur wenn man die
Stadt kennt, kann man erfolgreich nach dem
Meister suchen. Es ist daher schon verhältnis-
mäßig früh der Versuch gemacht worden, die
Städtemarken zusammenzustellen, und wenn ich
von den Arbeiten absehe, welche nur einer
Stadt oder einem Lande gewidmet sind, muß
ich als den ersten in dieser Richtung die kleine
Liste bei H. Schultze, Buch für Gold- und
Siberarbeiter, Weimar 1836 bezeichnen. Hier
kommen aber viele falsche Angaben vor, so
Königsberg 2 Kronen und 1 Stern, Mainz
Basilisk, Trier Schwanenhals oder Muschel,
Würzbnrg Pferdekopf.

Kunstgcwerbeblatt. ii.

Jm engsten Zusammenhange mit dieser
Schrift steht Rudolph, Die edlen Metalle und
Schmucksteine, Breslau 1859, 8^. S. 15 werden
etwa 50 Stüdte und Länder mit ihren „Wappen,
Zeichen oder Stempeln" angeführt. Nicht ein
wissenschaftliches Jnteresse hat die Heransgeber
veranlaßt, diese Zusammenstellungen zu machen,
sondern sie beabsichtigten damit, dem Goldschmied,
der ein Stück anzukaufen oder einznschmelzen
hat, ein Hilfsmittel an die Hand zu geben, ohne
Strich, ohne Kapelle deu Feingehalt der Warc
zu erkennen, da ja jede Stadt ihre bestimmte
Probe zn haben Pflegt. Wenn wir aber be-
denken, daß der Feingehalt in den Städten
trotz einer gewissen Stetigkeit im Lause der
Jahrhunderte dennoch mehrfach gewechselt hat,
daß die Marken nicht faksimilirt, sondern un-
Präzis beschrieben sind, so wird man erkennen,
daß die Zusammenstellung weder sür die Praxis
den beabsichtigten Wert haben konnte, noch dcr
Forschung eine brauchbare Handhabe darbot.
Zur Charakteristik der Unzuverlässigkeit der
Angaben bei Rudolph möchte ich beispiels-
weise anführen, daß das Beschauzeichen von
Köln als ein Hut nnd das von Straßburg als
ein Weinglas bezeichnet ist, in beiden Fällen
natürlich so falsch, daß die Quelle des Jrrtnms
kaum herauszufinden ist. Für einzelne andere
Orte dagegen sind die Angaben richtig, so fnr
Halle, Berlin rc.

Ein anderes schonbrauchbareres Verzeichnis
findet sich bei Chaffers, Uall marlls on plaks.
Vor mir liegt die 6. Anstage, London 1883.
S. 220 ist unter dem Titel „Uxainplss ok
snZlisIi anä torsiZn Iinllinarüs" eine Liste
von faksimilirten Marken mit Beschreibung der
betreffenden Stücke gegeben. Wenn auch

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