Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Aunstgewerbeblatt.
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2. Iahrgang.

WS

N r.

Fig. 7. Kokosnuß in Silber gefaßt. 1S11.

vergessene Goldschmiedestadt.

Voii Marc Nosenberg.

Abbildungen und einem Aupferlichtdruck.

(Schluß.)

Wir übergehen seiner Geringfügigkeit halber
einen kleinen Monatsbecher, den wir in unser
Verzeichnis I. unter Nr. 7 aufgenommen haben,
und schließen die Arbeiten des 16. Jahrhunderts
mit Erwähnung einer Rosenwasserkanne nebst
Becken (Verzeichnis I. Nr. 8) im Gewichte von
zusammen 2750 Gramm, welche zum Emdener
Silberschatze gehören. Jn der gewissenhaften
Publikation über diese Sammlnng sind die
Marken in Faksimile mitgeteilt. Sie erweisen
sich als Beschauzeichen von Straßbnrg mit dem
Stempel von R. Dietmar, zünftig 1582.

Von den StraßburgerArbeiten des17.Jahr-
hunderts wollen wir nur wenige einer geson-
derten Besprechung unterziehen.

Die erste ist ein reizender kleiner Becher im
Besitze des Herrn I. Ricard-Abenheimer in
Frankfnrt a/M. (Verzeichnis II. Nr. 1), der zu
den besten Arbeiten seinerArt gehört nnd den wir
hier in Kupferlichtdrnck beigeben. Er trägt im
Jnnern des Deckels ein Allianzwappen: fünfmal
eckig geteilt nnd Weltkngel (Reichsapfel). Ersteres
Wappen finden wir im nenen Siebmacher bei der
freiherrlichen Familie von Geispitzheim, die zum
Elsässer Uradel gehört. Mit denselben Farben,
aber in sechsfacher Zickzackteilung finden wir es
der Familie Bubenhofen in Schwaben zugeteilt,
in einem Wappenbuche aus dem 15. Jahrhundert
bei dem Freiherrn Bernhard von Scheibler-
Huthorns zu Aachen (Phot. bei Hildebrandt,
Herald. Meisterwerke). Da solche kleine Ab-
weichungen in der Zahl der Teilungen öfters
vorkommen und da noch andere Familien das-
selbe Wappen führen mögen, so bleibe, um
Gewißheit zu erlangen, festzustellen, mit wem sich
um 1601 die Familie verschwägert hat, welche
einen Reichsapfel (Weltkugel) im Schilde führt.
Die Stellung links schließt natürlich die Deutung
anf das Erztruchseßamt aus, und wir werden
auf die Geschlechter Beroldingen und Kabus-
haupt hingewiesen. Die Beroldingen waren,

Jtalim. 17. Jahrh.

KunstgewcrheUatt. 11.
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