Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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KLEINE MITTEILUNGEN.

Allgemeine Landesausstellung Prag 1891. Über dieses
Unternehmen giebt ein Mitglied des „Vereins für deutsches
Kunstgewerbe zu Berlin" folgenden launigen Bericht, der
sachlich auch mit anderen uns gewordenen Mitteilungen
von unbefangener Seite übereinstimmt. „Heute noch über
Ausstellungen zu berichten, ist eine der schwierigsten
Aufgaben, welche einem Berichterstatter gegeben werden
können; am schwierigsten von solchen Orten, wo man, um
deutlich zu sein, „nicht deutsch sprechen will", wo aber
deutsch verstanden und gesprochen wird. — Ende Mai, vier-
zehn Tage nach Eröffnung dieser Ausstellung, kam ich
nach Prag und besuchte sie. Bei dem Eingange gelang es
mir, durch Vermittelung eines deutsch sprechenden Knaben
einen deutschen Katalog mit 760 Druckseiten im Gewichte
von 0,750 kg, also l'/2 Pfund Schwere zu erhalten; er ent-
hält auf 347 Seiten das Verzeichnis der etwa 4600? Aus-
steller, 192 Seiten sind Annoncen, die übrigen 221 verschie-
dene Mitteilungen. Es hätte vom Ganzen die Hälfte genügt,
um sich zurechtzufinden, wenn, was die Hauptsache ist, an
den ausgestellten Objekten sich mit denen im Katalog über-
einstimmende Nummern befunden hätten. Nicht nur dass
diese nicht vorhanden gewesen, sondern es waren auch keine
die Gruppen begrenzenden Schilder vorzufinden; diese Ab-
teilung der Gruppen selbst auch nicht derart, um sich an
der Hand dieses Druckwerkes zurechtzufinden. Eine münd-
liche Auskunft war nicht zu erhalten, denn sowohl das amt-
liche Aufsichtspersonal als auch die sogenannten Vertreter
der Aussteller, beiderlei Geschlechts, haben auf Fragen in
deutscher Sprache keinerlei Antwort gegeben, mit Ausnahme
einer Abteilung, wo recht gute Leistungen einer unter der
Aufsicht von Ehrendamen wirkenden Wohlthätigkeitanstalt
zu finden waren und wo mir eine hochgebildete Dame in liebens-
würdigster Weise deutsch! Auskunft gab. Ich kann daher
jedermann raten, der die Absicht hat, diese Ausstellung noch
zu besuchen, entweder vorher in einem „böhmischen Dorfe"
böhmisch zu lernen, oder lieber zu Hause zu bleiben. Die
Ausstellung als solche, entspricht selbstverständlich nicht dem,
was ihr Name besagt. Es ist keine Landes-, sondern eine unter
dem Drucke der Verhältnisse aufgebaute Ausstellung. Man
sieht nicht annähernd die sämtlichen Erzeugnisse des Lan-
des, sondern nur der Aussteller, welche entweder sogen.
Ausstellungsabonnenten, d. h. solche, die auf jeder Ausstellung
unter irgend welchem Titel zu finden sind, und solche,
welche einfach ausstellen mussten. — Wir haben also das
gleiche Bild wie auf allen Ausstellungen, die gewaltsam
gegründet werden, um eben eine Ausstellung zu machen. —

Nach diesen Ausführungen noch auf einzelnes einzugehen,
ist kaum von Interesse. Das, was als gut daselbst zu sehen
ist, ist uns von früheren österreichischen Ausstellungen be-
kannt; insbesondere die Halbedelstein-, Glas-, Holz-, Eisen-
industrie etc. Dagegen waren die bedeutende Textil- und
einige andere Industriezweige Deutschböhmens so zu sagen
gar nicht vertreten. Das Arrangement der Ausstellungs-
objekte und insbesondere der Aufbau einzelner Pavillons
ist recht stilgerecht und geschmackvoll und beweist, dass die
Böhmen auf das Ausstellen mehr Kosten aufzuwenden ver-
stehen, als die Norddeutschen. — Sehr wohlthuend berührte
auf dieser Ausstellung der Mangel der auch letztes Jahr in
Bremen noch im großen Umfange zugelassenen Karussels,
Luftbahnen, Theater und sonstigen Tingeltangels. — Ich bin
sicher, dass, wenn diese Ausstellung als wahrhafte Landes-
ausstellung in liberaler Weise durchgeführt worden wäre,
sie alle Teile befriedigt hätte; die Grundlage ist eine syste-
matische, von kundigen Händen angelegte und geleitete."

Ed. Pforzheim. Der Bericht über die Thätigkeit des
Kunstgcivcrbevereins für das Jahr 1890/91 zeigt den Verein
in größerer Zurückhaltung als in früheren Jahren: es gilt,
wie in dem Bericht ausführlich dargelegt wird, alle Kräfte
aufzusparen zu einer im nächsten Jahr durch den Verein zu
veranstaltenden Fachausstellung für Bijouteriefabrikation
aus Anlass der Eröffnung des Kunstgewerbemuseums für
Metalltechnik und des 15jährigen Bestehens des Vereins.
Nach löjährigem Streben und Ringen, wird der Verein im
kommenden Jahr soweit sein, dieses sein Hauptziel zu er-
reichen. Seit seiner Gründung hat er an Beschaffung
und Vermehrung einer Sammlung mustergültiger Vorbilder
gearbeitet; kein Opfer gescheut, das Beste und Brauchbarste
zu erwerben: jetzt erst werden in dem Gebäude der Kunst-
gewerbeschule durch Verlegung der gewerblichen Schule
in ein anderes Gebäude, Räume frei, diese Sammlungen
aufstellen und nutzbar zu machen. Bei Veranstaltung
der Ausstellung, deren Programm der Bericht in großen
Zügen mitteilt und die vier Abteilungen: die Kunstgewerbe-
schule; die fertigen und rohen Goldschmiedearbeiten; die
neuen maschinellen Einrichtungen zur Verbesserung der
Technik; Schmuckgegenstände aller Zeiten bis zur Gegen-
wart, umfassen soll, rechnet der Verein auf die Unterstützung
des Staates, der Gemeinde, überhaupt aller beteiligten Kreise.
Wünschen wir dem Unternehmen guten Erfolg. — Bei der
beschränkten Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre
konnte er bei einem Etat von 10787 M. 15 Pf. mit einem
Saldovortrag von 4569 M. 5 Pf. die Kasse abschließen.
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