Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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HÄUSLICHE KUNSTARBEITEN.

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mit habe ich Ihm auf dessen pro memoria vom 23.
dieses, und ein andres hiemit noch in Antworth
wissen lassen wollen, dass es Mir lieb ist, dass die
von Fürstenberg gekommene Elfenbeine Figuren
wieder repariert sind. Sie können vorerst in der
Bibliothek stehen bleiben, bis ich mahl Zeit habe,
sie zu sehen". Es geht also aus diesem Schreiben,
das übrigens von neuem wieder das hervorragende
Kunstinteresse Herzog Karls bestätigt, mit Sicher-

heit hervor, dass schon frühe Gegenstände des Kunst-
kabinetts in Fürstenberg nachgebildet und abgeformt
worden sind. In welch' ausgedehntem Maße dieses statt-
gefunden hat, dürfte durch unsere Schilderung klar
geworden sein; ob man aber berechtigt ist, hieraus
den Modelleuren der Fabrik einen besonderen Vor-
wurf zu machen, wird, da möglicherweise hier ein
höherer Befehl bestimmend eingewirkt hat, vorläufig
unentschieden bleiben müssen.

HÄUSLICHE KUNSTARBEITEN.

Seitdem einsichtige Pädagogen eifrig bemüht
sind, den Handfertigkeitsunterrricht in Schülerwerk-
stätten zu pflegen und zn fördern, findet die Be-
schäftigung mit allerlei Kunstarbeiten, die eben so
viel Freude wie Nutzen gewähren, auch in den
Kreisen unserer jungen Damen lebhaften Anklang.
An die Stelle der Nadel ist vielfach schon Stift,
Pinsel und Modellirholz getreten, deren Handhabung
kaum weniger Geschicklichkeit erfordert als Sticke-
reien und Häkelarbeiten, dagegen eine in mancher
Hinsicht interessantere Unterhaltung gewährt. Jede
Anregung nach dieser Richtung hin ist gewiss mit
Beifall zu begrüßen.

Unter den jüngsten Erscheinungen auf dem
Büchermarkt verdient deshalb ganz besonders die
überaus praktische, leicht verständliche Anleitung
zur Lederplastik von Georg Büttner (Verlag von
E. A. Seemann in Leipzig, Preis 40 Pf.) als treffliches
Förderunsgmittel häuslicher Kunstarbeit hervorge-
hoben zu werden.

Der Verfasser, Inhaber einer Lehrwerkstatt für
Lederarbeiten, giebt eine durch zahlreiche Abbil-
dungen unterstützte, leicht verständliche Anweisung
zu einem gegen die frühere Praxis wesentlich ver-
einfachten Verfahren, das verhältnismäßig wenige
Werkzeuge erforderlich macht, keinerlei körperliche
Anstrengung verursacht und auch keine allzu große
Voraussetzung an künstlerische Befähigung erhebt.
Erhöht wird die Brauchbarkeit des Schriftchens
durch die Beigabe von vierzig Vorlagen, die eine
Auswahl von größeren und kleineren Gegenständen,
als Cigarrentaschen, Handtaschen, Stuhlbezügen,
Mappen, Gürteln u. s. w. bieten, alle mit Geschmack

und mit Rücksicht auf die praktische Ausführbar-
keit entworfen und in Farbendruck die Wirkung
der ausgeführten Arbeit veranschaulichend. Dem
Anfänger giebt der Verfasser noch eine bequeme
Handhabe in den der stattlichen Mappe beigefüg-
ten Pausebogen, mit deren Hilfe die Umrisse des
dargestellten Zierwerks auf das Leder durchgepaust
werden können. (Preis der ganzen Mappe M. 10.50.)

Wir wollen nicht unterlassen, bei dieser Ge-
legenheit das treffliche Handbuch der Liebhaberkünste
von Professor Franz Sales Meyer in Erinnerung zu
bringen, das ebenfalls im Seemannschen Verlage er-
schienen ist und bereits eine zweite verbesserte Auf-
lage (Preis geb. M. 8.25) erlebt hat, — Beweis
genug für die Brauchbarkeit des im anmutigsten
Unterhaltungstone geschriebenen Buches und für
den großen Beifall, mit dem es allerorten aufge-
nommen wurde. Die genannte Verlagshandlung kul-
tivirt das einschlägige Gebiet, das sie zuerst mit
den von Professor G. Qrunow, I. Direktor des Kunst-
gewerbemuseums in Berlin, herausgegebenen Kerb-
schnittvorlagen (2. Aufl. 1889) betreten hat, mit wach-
sendem Erfolge. Auch die von ihr verlegte Anlei-
tung zur Kerbschnitzerei von Clara Roth, ein eben-
falls aus der Praxis hervorgegangenes, anschaulich
geschriebenes Heftchen ist in neuer Auflage er-
schienen und durch Beigabe von vierzig Tafeln
mit einer großen Auswahl von Kerbschnitzarbeiten
in natürlicher Größe für den Gebrauch noch beson-
ders nutzbar geworden.

Werkzeugkasten sowohl für die Ledertechnik
als auch für die Kerbschnitzerei sind von den Ver-
fassern der genannten Schriften zu beziehen.
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