Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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KLEINE MITTEILUNGEN.

BÜCHERSCHAU.

Iiottenrotk, die Trachten, Haus, Feld und Kriegsgerät-
schaften der Völker alter und neuer Zeil. 2 Bände mit 240
Farbentafeln, Stuttgart. Gustav Weise M. 120. Jahre sind
vergangen, ehe die erste Lieferung erschien: aber was lange
währt, wird gut, das können die Herausgeber und Verleger
mit Stolz sagen. Es ist ein echt deutsches Werk — denn
das bekannte Werk von Barinel ist französischer Herkunft —
und in jeder Hinsicht mit deutscher Gründlichkeit abgefasst.
Wie der Titel sagt, ist er ein Trachtenwerk . im weitesten
Sinn: alles was der Mensch zu seiner Leibes Notdurft und
Nahrung bedarf, ist in Abbildungen gegeben. Auf 240 Ta-
feln ziehen an uns die Völker aller Zeiten vorüber, von
den grauen Zeiten des frühen Orients, wo wir uns, wie bei
den Phöniziern nur durch Kombination eine Vorstellung
von der Tracht machen können, bis zu der Zeit, wo der alles
nivellirende Geist des 19. Jahrhunderts die lange Hose und den
Schoßrock einführte und die Modejournale die Herrschaft
übernahmen. Zu den Kostümen gesellt sich das Gerät aller
Art, Schmuck, Waffen, Kirchengeräte, Mobilien, alles auf
den Haupttafeln in Farben wiedergegeben und die Abbil-
dungen sind in oft staunenswerter Weise, um Platz zu ge-
winnen, ineinander geschachtelt, ohne dass dadurch der
DeutlichkeitEintrag geschieht. Vielfach wird derGebrauch der
Geräte durch Darstellungen nach gleichzeitigen Denkmälern
illustrirt und im Text sogar vielfach Schnittrrrasterder Kleidungs-
stücke gegeben. Die letzteren dürften das Werk besonders auch
für Theater empfehlenswert erscheinen lassen, wo die historische
Form der Kostüme oft noch recht viel zu wünschen übrig
lässt. So entrollt sich auf 240 Tafeln in 3133 ganzen Kostüm-
figuren und 4438 Abbildungen von Geräten, Waffen,
Schmuck etc. ein lebendiges Bild von der Kultur der Mensch-
heit, wie sie übersichtlicher irgendwo kaum gefunden werden
kann. Vortrefflich erläutert wird nun dieses Abbildungs-
material durch einen Text, der eingehend namentlich das
Kostümwesen behandelt. Auch hier begegnen wir einer
umfassenden Sachkenntnis des Herausgebers, die auf breiten
historischen und kunstgeschichtlichen Studien beruht. Deren
Text wird außer 31 mit Rücksicht auf die betr. Periode
geschickt ausgewählten Initialen mit 850 Abbildungen zu
weiterer lllnstrirung zugefügt. So haben wir ein Werk,
man könnte sagen ein kulturhistorisches Museum, vor uns,
das in den weitesten Kreisen Verbreitung verdient. Künstler
und Kunsthandwerker, Geschichtsforscher und Theater-
leiter, Architekten und alle werden hier Rat und Belehrung
finden. Aber da der Mensch nie ganz zufrieden ist, so
haben wir noch einen Wunsch: es fehlt ein Register, erst
dadurch würde das Werk ganz und gar seine Aufgabe er-
füllen, ä. P.

Brockhaus, Conversations-Lexikon. 2. Band mit 48 Tafeln,
14 Karten und 22 Abbildungen im Text. Preis pro Band
10 M. Der zweite Band Brockhaus, dessen Erscheinen
durch den Setzerausstand leider verzögert war, hält
durchaus, was der erste versprochen: er ist vollkommen
nach jeder Richtung. Auf über 6000 Fragen des mensch-
lichen Wissens, die zwischen den Worten „Astrachan" bis
,,Bilk" (ja was ist Bilk? sogar Bilk steht darin!, ein Vorort
von Düsseldorf) liegen, erhält, man Auskunft. Und welche

Auskunft! Viele dieser Artikel sind wissenschaftliche Ab-
handlungen von größtem Wert, namentlich die naturwissen-
schaftlichen; um sich schnell über die meisten Fragen zu
Orientiren, die täglich aufstoßen, braucht man nur zum
Brockhaus zu greifen: selbst juristischen Rat erteilt er.
Abhandlungen wie Banken, Ausstellungswesen, Bahnhöfe,
babylonische Kunst, Bildhauerkunst kommt eine Reihe ganz
vorzüglicher Abbildungen zu Hilfe. Eine besonders eingehende
Behandlung hat die Reichshauptstadt erfahren: zwei volle
Bogen sind ihr ohne die Spezialartikel gewidmet, die uns
eine eingehende Darstellung aller Verhältnisse geben, wie
kaum an einer anderen Stelle zu finden sein dürfte. Zwei
ganz ausgezeichnete Pläne in Buntdruck und eine Karte
und Ringbahn geben von der großartigen Entwicklung
dieser Stadt ein anschauliches Bild. Unter den Abbildungen
der öffentlichen Gebäude mag der künftige Dom besonders
hervorgehoben werden. Unter den naturwissenschaftlichen
Artikeln sind besonders von allgemeinem Interesse die über
Bakterien, die durch eine treffliche Farbentafel erläutert
sind und die zur Kenntnis des menschlichen Körpers dienen.
Zugleich ist der Welt der Technik, für die heute jeder ge-
bildete Mensch besonderes Interesse haben muss, ein breiter
Raum gewidmet. Gerade auf diesem Gebiet ist es überaus
schwierig, sich schnell und sieher zu Orientiren, ohne Spe-
ziallitteratur. Neben den naturwissenschaftliehen und tech-
nischen Abhandlungen sind die Geographie und Völkerkunde
besonders eingehend behandelt. Bei dem großen Interesse,
das heute gerade diesen Gebieten entgegengebracht wird,
ist das besonders dankenswert. Den drei Weltteilen Amerika,
Afrika, Asien im ersten Teil folgt im zweiten Band Australien.
Die Karte dieses Weltteils dürfte wohl die zuverlässigste
sein, die es zur Zeit giebt. Was aber den Wert des Buches
überhaupt ausmacht, ist das Bestreben, wirklich aufklärend
zu wirken. Hier werden die Resultate freier wissenschaftlicher
Beobachtung dem großen Publikum in klarer Form geboten,
mit dem Brockhaus dringt Aufklärung und Bildung in Haus
und Familie, und so ist das Unternehmen wohl geeignet, den
heutigen Bestrebungen, auch die Bildung in gewisse Bahnen
zu lenken, mit Erfolg entgegen zu arbeiten.

H. Christensen. Neue Flachornamente. 25 Tafeln. Altona,
Gebr. Herz 1892, Fol. 7.50. Die mannigfachen Versuche, durch,
das Studium der Naturformen zu neuen ornamentalen Gebilden
zu gelangen, die namentlich in England gemacht sind, haben
auch bei uns in Deutschland vielfach Nachahmung gefunden.
In dem großen Werk von Gerlach und Schenk, die Pflanze,
ist dies in ausgedehntem Maße geschehen und neuerdings
ist Meurer in Rom nach dieser Richtung als Apostel aufge-
treten. Von ihm ist ein großes Werk zu erwarten, das
namentlich als Unterrichtsmaterial dienen soll. Auf diesem
Gebiet thätig finden wir auch den Dekorationsmaler H. Chri-
stensen, Hamburg. Derselbe hat den Versuch gemacht, wie er
sich hübsch ausdrückt, „einfache bescheidene, jedermann ver-
traute Pflanzen" zu ornamentalen Gebilden umzugestalten.
Und dies ist ihm trefflich gelungen. Selten haben wir so ge-
lungene Resultate aus derartigen Versuchen, die mit Ver-
ständnis für die Formen der Natur und mit großem Geschick
unternommen sind, gesehen. Der Künstler hat sich möglichst
von strenger Stilisirung ferngehalten: er fällt nicht ins reine
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