Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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KLEINE MITTEILUNGEN.

SCHULEN UND MUSEEN.
Rd. Köln. Kunstgewerbemuseum. Die zunehmende Be-
nutzung der Bibliothek und des Museums und die Unzuläng-
lichkeit der bisherigen Räume ließ eine Erweiterung der-
selben als nötig erseheinen. Da eine Ausdehnung des alten
Zimmers nicht möglich war, musste an einer anderen Stelle
Ersatz gesucht werden, obwohl sich durch die Trennung
der beiden Abteilungen, der Museumssammlung und Biblio-
thek allerlei Unzuträglichkeiten ergeben werden. Die Bib-
liothek umfasst nunmehr drei Räume: das Büchermagazin,
den Lesesaal und den offenen Zeichensaal. Im Bücherma-
gazin sind die gebundenen Bücher- und Vorlagewerke auf-
gestellt, auch dient es zugleich als Arbeitszimmer. Der Lese-
saal enthält 20 Sitzplätze. In diesem Saal hat zunächst die
"Vorbildersammlung ihre Aufstellung gefunden, die nebst
den Büchern und gebundenen Vorlagenwerken hier benutzt
werden kann. In einem besonderen Gestell sind die Zeit-
schriften untergebracht, deren Zahl auf 32 vermehrt ist.
Außerdem sind auf Grund eines Übereinkommens mit dem
Architekten- und Ingenieurverein die von diesen gehaltenen
Zeitschriften im Lesezimmer für jedermann zur freien Be-
nutzung aufgelegt. Im ganzen liegen demnach zur Zeit 50
Zeitschriften auf, die über alle Zweige der Kunst, Kunstge-
werbe, Architektur und Technik einen hinreichenden Über-
blick gewähren. Ferner ist eine Mappe mit Preisausschrei-
ben vorhanden. Die wichtigste Neuerung gelegentlich des
Umzuges dürfte die Errichtung eines offenen Zeichensaales
sein. Dieser Zeichensaal hat den Zwecke, den Gewerbetrei-
benden und Handwerkern, denen es in ihren Werkstätten
an den nötigen Hilfsmitteln fehlt, Gelegenheit zu geben,
unter Benutzung des Vorlagenmaterials des Museums, Skiz-
zen, Entwürfe und Werkzeichnungen anzufertigen. Auf
Wunsch wird den Benutzern der Bibliothekar mit Rat und
That zur Seite stehen und namentlich auch jüngeren Leuten,
die sich im Zeichnen vervollkommnen wollen, behilflich
.sein. Es ist den regelmäßigen Besuchern gestattet, bei länger
andauernden Arbeiten einen bestimmten Platz zu belegen;
auch wird für Damen ein besonderer Zeichentisch reservirt
werden. Endlich ist für Gelegenheit zur Aufbewahrung der
Zeichen- und Malutensilien gesorgt. Die 20 Plätze verteilen
sich in vier größere Zeichentische in der Mitte des Saales
derart, dass für jeden Zeichner genügend Raum vorhanden
ist, und selbst große Werkzeichnungen angefertigt werden
können. Um die Besucher der Bibliothek über den Zuwachs
dauernd auf dem Laufenden zu halten und überhaupt all-
mählich einen Überblick über den Bestand zu geben, ist an
den Wänden des Zeichensaales eine wechselnde Ausstellung
der neu erworbenen Vorbilder oder ganzer Serien von Vor-
lagen nach historischen, technischen oder sachlichen Gruppen
geordnet, errichtet. Über die Zugänge der Büchersammlung
sollen entsprechende Verzeichnisse am schwarzen Brett Aus-
kunft geben. Inzwischen sind auch die Arbeiten an der Or-
namentstichsammlung soweit vorgeschritten, dass eine An-
zahl von Kupferwerken der Benutzung zugänglich gemacht
werden können. Es sind Ornamentwerke allgemeiner Art,
vom 16. bis 18. Jahrhundert reichend: Entwürfe für Gold-
schmiede, Ciseleure, Graveure, für Wand- und Deckendeko-
rationen, figürliche Motive, Trophäen etc. Eine besondere
Gruppe bilden die großen Werke für Innendekoration und
Architekturwerke, teils Entwürfe enthaltend, teils nach aus-

geführten Bauten gestochen. Auch über die im IS. Jahr-
hundert hochentwickelte Gartenarchitektur sind eine Anzahl
Werke fertiggestellt. Eine regelmäßige Ausstellung der
schönsten Werke und Einzelblätter ist in Aussicht genom-
men. Über die Einrichtungen der Bibliothek, die Art, sie
am zweckmäßigsten zu benutzen, überhaupt jede wünschens-
werte Auskunft findet man in der vom Museum herausge-
gebenen Anleitung zur Benutzung der Vorbildersammlung
und Bibliothek des Kunstgewerbemuseums. Der Bestand der
Bibliothek betrug am 1. April d. J.: Gebundene Bücher 750
Bände. Davon enthalten 6S0 Bände ca. 25000 Nummern
ganzseitige Vorlagen. Die Vorbiklersammlung enthält 15000
Nummern, wonach das gesamte Vorbildermaterial ca. 40000
Nummern zählt.

Rd. Köln. OewerblicJie Fachschule. Die gewerbliche
Fachschule der Stadt Köln besteht aus drei Abteilungen.
Über die Organisation der letzten Abteilung, der kunstgewerb-
lichen, die in manchen Punkten von der Organisation anderer
Schulen abweicht, berichtete der Direktor in einem Vortrage
folgendes: Die Kunstgewerbeschule gliedert sich mit Rücksicht
auf die in Köln besonders vertretenen Hauptgruppen von
kunstgewerblichen Betrieben in fünf Fachabteilungen: für
Dekorationsmaler, Musterzeichner u. a., für Kunsttischler und
Dekorateure, für Verzierungsbildhauer und Modelleure, für
Ciseleure und Graveure (Gold-, Silber- und Bronzearbeiter),
für Kunstschlosser und Stahlgraveure. Jede dieser Abteilun-
gen hat drei Klassen und für weitere Ziele eine Oberklasse,
so dass die Unterrichtsdauer anderthalb bezw. zwei Jahre be-
trägt. Bei der Aufnahme werden keine besonderen Anfor-
derungen an die allgemeine Vorbildung gestellt, dahingegen
muss der Aufzunehmende sein Gewerbe praktisch erlernt,
wenigstens aber eine ausreichende Zeit hierauf verwendet
haben. Auch in diesen Abteilungen ist es gestattet, im Som-
mer den Schulbesuch behufs praktischer Weiterbildung zu
unterbrechen. Mit der Kunstgewerbeschule ist eine Werk-
statt für kunstgewerbliche Metallarbeiten, insbesondere für
Treiben, Ciseliren und Graviren und eine solche für Holz-
schnitzen verbunden. Die erstere Werkstatt ermöglicht es,
in besonderen Fällen bei den Aufzunehmenden von einer
praktischen Vorbildung Abstand zu nehmen. Bei der Orga-
nisation der Kunstgewerbeschule war man darauf bedacht,
sie so zu gestalten, dass die Schüler, nachdem sie die Schule
durchlaufen, wieder dem Handwerk sich zuwenden und
durch die erlangte größere Geschicklichkeit zur Hebung des-
selben beitragen. Demgemäß ist die Unterrichtsdauer eine
beschränkte und werden solche Unterrichtsgegenstände ver-
mieden, welche die der Schule gezogenen Grenzen über-
schreiten. Auch die Methode des Unterrichts geht dahin,
dass die Ausführung der Arbeiten möglichst dem praktischen
Bedürfnis sich anschließt. Eine allgemeine Ausbildung für
das Kunstgewerbe ist ausgeschlossen, da jeder in die Fach-
abteilung eintreten muss, für welche er sich praktisch vor-
gebildet hat. Unsere Schule unterscheidet sich in diesen
Punkten von anderen Kunstgewerbeschulen, und ich will
gerne zugeben, dass sie nicht so hohe Ziele verfolgt wie
diese, dafür aber vielleicht mehr einem wirklichen Bedürf-
nisse unseres Kunsthandwerkerstandes entspricht. Nicht
Kräfte ersten Ranges soll unsere Kunstgewerbeschule, der
man besser vielleicht den Namen kunstgewerbliche Werk-
meisterschule beilegte, erziehen, sondern tüchtige Hilfskräfte,
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