Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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KLEINE MITTEILUNGEN.

KUNSTLITTERATUR.
x. Aus Anlass der Kostümausstellung des österreichi-
schen Museums in Wien, die im vergangenen Jahre statt-
fand, erseheint gegenwärtig hei J. Löwy in Wien ein Licht-
druckwerk, das die interessantesten Stücke jener Ausstellung
vorführen soll. Es sind drei Abteilungen geplant, historische
Kostüme, Volkstrachten, Nationaltrachten. Das ganze Werk
soll etwa 50 Lichtdrucktafeln (45 X 33 cm) umfassen, die
in zehn Einzel- oder fünf Doppellieferungen von je fünf
Gulden oder zehn Gulden erscheinen werden. Außerdem
sollen jeder Lieferung ein paar Schnitttafeln beigegehen
werden. Die erste Doppellieferung, die uns vorliegt, bringt
sechs historische Blätter, zwei Blätter mit österreichischen
Volkstrachten und zwei mit Darstellungen fremder Nationa-
litäten, zwei Schnittblätter und drei Tafeln Text. Wir kom-
men auf das interessante Werk zurück, sobald es weiter
vorgerückt sein wird.

AUSSTELLUNGEN.

4 Karlsruhe. Zur Feier des Regierungsjubiläums des
Großherzogs veranstaltete die Kumtstiekereischuh des Ba-
disehen Frwumivereins in den Räumen derselben eine Aus-
stellung alter Stickereien, die uns einen Überblick über das
gesamte Schaffensgebiet dieser höchst interessanten Kunst-
technik, von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, bietet.
Unsere Stadt besitzt dadurch, wenn leider auch nur auf ganz
kurze Zeit, ein reichhaltiges und sorgfältigst gewähltes Textil-
museum. Aus dem Privatbesitz des Großherzogs erblicken wir
eine Anzahl Prachtgewänder, aus Lyoner Brokatstoff der Epoche
Ludwigs XIV. und in reichster Gold- und Silberstickerei, da-
runter auch den Hochzeitsrock des Markgrafen Karl Friedrich,
ein Juwel kunstreicher Arbeit der Mitte des vorigen Jahr-
hunderts, und einen im Charakter der japanischen Hofge-
wänder gehaltenen, reichgestickten Schlafrock. Aus der
gleichfalls Sr. kgl. Hoheit gehörenden bekannten Kunstsamm-
lung des verstorbenen Malers Gümbel in Baden eine in Platt-
stich reichgestickte, mit Streublumenmuster in feinster Far-
benwirkung dokorirte Bettdecke von seltener Größe, dem
Ende des 17. Jahrhunderts angehörend, deren Borte in fein-
ster petit-point-Technik ausgeführt ist und eine Anzahl mittel-
alterlicher (spätgotischer) figürlicher Reliefstickereien in Platt-
stich, Darstellungen religiösen Inhalts, von Messgewändern
und Rauchmänteln stammend, ferner die schwungvoll aus-
geführte Silber- und Plattstichstickerei eines Betthimmels
mit Lambrequins im .Rokokostile (Ludwig XV.). Von der
Frau Großherzogin sind ausgestellt: ein vonMännern gestickter
indischer Vorhang, die Nachahmung einer in Edelsteinmo-
saik ausgeführten, einen Blumenhain darstellenden Wand-
nische, die sich in dem Prachtbau des Mausoleums zu Agra
— zu dessen Veranschaulichung eine Anzahl Photographien
dienen — befindet. Dann eine Brieftasche in reichster Stickerei
von Gold und echten Perlen, ein Geschenk des Schah von
Persien an Ihre königliche Hoheit und eine kostbare alt-
französische Spitze, sog. Point de France aus der Blütezeit
dieser Technik in Frankreich, der Epoche Ludwigs XIV.
stammend. Von der Prinzessin Wilhelm eine in persischem
Stile mit umlaufendem Tierfries gehaltene Tischdecke in
Seiden- und Silberstickerei auf Sammetgrund und von dem
Fürsten von Hohenzollern aus dessen kostbarer Kunstsamm-

lung auf Schloss Sigmaringen eine Kollektion in Plattstich
mit Reliefstickerei kunstreich verfertigter spätgotischer Ante-
pendienteile mit figürlichen Szenen aus dem neuen Testa-
ment, ganz hervorragende Prachtwerke feinster Nadelma-
lerei, offenbar niederländischen Ursprungs und im Stile und
der Ausführung den burgundischen Prachtgewändern vom
Ornat des goldenen Vließes im Wiener kaiserl. Museum sehr
verwandt. Eines der kostbarsten Stücke der Ausstellung
entstammt dem Besitze des Fürsten von Fürstenberg. Es ist
dies ein seit alters der Familie gehörendes, in venezianischer
ä jour-Technik des 16. Jahrhunderts von farbigen Nähspitzen
mit Gold und Silber kunstvoll gearbeitetes Taufzeug, dessen
Hauptstück eine Decke bildet. Die Pfarrkirche zu Rastatt
lieh einen in Gold und Chenille gestickten Baldachin aus
der Zeit der letzten Markgräfin von Baden-Baden, Maria
Viktoria von Arenberg (1735—93), und deren reich verzier-
tes Monogramm tragend; die Schlosskirche daselbst (ein viel
zu wenig bekanntes Kleinod des Rokokostils) ein von der
Vorgängerin der vorigen, der Gemahlin des Türkenludwig,
Augusta Sibylla von Sachsen-Lauenburg, eigenhändig gear-
beitetes Messgewand mit Stola und Manipel, eine ganz eigen-
artige Applikationsstickerei in Häkeltechnik mit Gold. Eine
wertvolle. Bereicherung erhielt die Ausstellung durch eine
große Kollektion nationaler osteuropäischer Hausfleißarbeiten
aus dem österreichischen Museum in Wien. Es sind kunst-
volle, in den verschiedensten Techniken ausgeführte Sticke-
reien fast aller Völkerschaften der vielsprachigen habshur-
gischen Monarchie, insbesondere aus deren slavischen Ge-
bieten, die bekanntlich auf diesem häuslichen Kunstgebiete
besonders excelliren. Auch das hiesige Kunstgewerbemuseum
hat aus der jüngst erworbenen Krauthschen Sammlung rei-
zende Muster von alten Stickereien beigesteuert und ebenso
verschiedene Private höchst interessante Stücke, unter denen
wir, als Kuriosa, die auf Papier in farbigem, feinstem Platt-
stich doppelseitig gestickten Bildchen, Arbeiten aus Nonnen-
klöstern, besonders hervorheben wollen. Der künstlerische
Beirat der Anstalt, Professor Bär, hat gleichfalls aus seiner
auserlesenen Privatsammlung die schönsten Stücke, die ver-
schiedensten Techniken und Stilgattungen repräsentirend,
der Ausstellung zur Verfügung gestellt, darunter besonders
zu erwähnen eine prachtvolle spanische Applikationsarbelt,
eine deutsche Klosterarbeit in Gobelinstich, ein Taufkissen-
bezug mit wundervoller Seidenstickerei in Plattstich aus der
Mitte des vorigen Jahrhunderts. Zum Schlüsse wäre noch
die Ausstellung der reichhaltigen gewählten Sammlung der
Kunststickereischule selbst zu erwähnen, deren Begründung
und Weiterführung bekanntlich der Güte und Fürsorge der
hohen Protektorin derselben, der Frau Großherzogin, ver-
dankt wird. Auch sie enthält, ähnlich wie die oben bespro-
chene des österreichischen Museums, vorwiegend kunstreiche
Werke nationaler Hausindustrie fast sämtlicher Kulturländer,
meist Geschenke der Fürstinnen jener Gebiete. Da diese
Kollektion schon voriges Jahr, gelegentlich ihrer ersten Aus-
stellung, an dieser Stelle eingehend besprochen wurde, können
wir sie hier übergehen und uns darauf beschränken, den
neuen, der Frau Kronprinzessin von Schweden und Norwegen
gelegentlich ihres vorjährigen Aufenthalts in Ägypten ver-
dankten, wertvollen Zuwachs derselben in Kürze zu be-
sprechen. Zuerst die höchst interessanten Reste koptischer

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