Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 3.1892

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KLEINE MITTEILUNGEN.

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(nach einem Kataloge der Firma Holland & Sons), und
in dem arabischen Wohnzimmer (Archit. Hampton &
Sons). So sind anderwärts auch chinesische und ja-
panische Motive mit Verständnis verwertet worden;
immer sind die heimischen Gewohnheiten und An-
sprüche gewahrt geblieben.

Diese englische Eigenart hülfen wir in zwei
ferneren Aufsätzen über das englische Flachmuster
und über die Möbel nächstens weiter verfolgen zu
können.

P. JESSEN.

KLEINE MITTEILUNGEN.

Bücherschau.

P. Zu .Rosenbergs G oldschniiedcmerkxeichen ist vor kurzem
der erste Nachtrag erschienen (Antwerpen, Erster Nachtrag
zu den Goldschmiedemerkzeichen. Von Marc Rosenberg.
Frankfurt, Keller). Er behandelt Antwerpen und bringt fast
hundert neue Stempel hei, von Anfang des 16. Jahrhunderts
bis 1783. Wir lernen 37 Meister, meist natürlich namenlos
aus erhaltenen Arbeiten kennen und außerdem die Namen
von 16 Meistern ohne bis jetzt nachweisbare Arbeiten. In
einer kurzen Einleitung, wie sie in den Merkzeichen den
meisten Städten vorausgeschickt ist, finden wir eine Anzahl
Angaben zur Geschichte der Antwerpener Goldschmiedezunft,
worunter die überraschende Notiz, dass im Beginn des 16.
Jahrhunderts in Antwerpen 412 Goldarbeiter und Silber-
schmiede thätig waren, eine außerordentliche Zahl, wenn
man bedenkt, dass Augsburg als höchste Ziffer 275 aufweist.
Dass die Antwerpener Goldschmiede sich eines gewissen
Rufes erfreuten, geht aus der Bezeichnung eines Stückes als
„Faeon cl'Anvers" hervor und dass Genua 1565 eine Bestel-
lung auf Goldschmiedearbeiten nach Antwerpen giebt. Da
das Heft nicht in den Handel kommt, dürften obige Notizen
erwünscht sein. — Eine zweite Arbeit von Hugo Lorsch (die
Rollo der Aachener Goldschmiedezunft vom 16. April 1873
— Sep. Aldv.) giebt uns einen interessanten Beitrag zur Ge-
schichte der rheinischen Kleinkünste. Über die frühe Zeit
ist wonig bekannt und sicher nachweisbar gar nichts. Dass
schon früher eine Zunft bestand, ist anzunehmen; festen
Boden erreichen wir erst durch die „Rolle" von 1573, die
eine Umgestaltung einer früheren (verlorenen) von 1510 ißt
Die Organisation des Innung ist dieselbe wie in anderen
Städten; die beiden auf zwei Jahre gewählten Obermeister
heißen hier „Greven". Der Lehrling hat sechs Jahre zu
lernen mit den üblichen Erleichterungen für Meisterssöhne.
Das Meisterstück ist auch hier: Kelch oder Pokal, Siegel,
Beschlag eines Frauengürtels oder emaillirter Ring. Den
wichtigsten Teil der Rolle bilden natürlich die Vorschriften
über Stempelung. Zur Verwendung kommt 18'/2 karat. Gold
und 14 lötiges Silber. Jedes mehr als zwei Lot schwere Stück
ist mit dem Meisterzoichen zu stempeln, von den Greven
geprüft, mit dem Stadtzeichen versehen. 1573 wird ein neuer.
Stadtsteinpel eingeführt (Rosenberg 5 u. 8); dagegen hält
Lorsch die Stempel (Rosenberg 3 u. 4) nicht für Aachener.
Bei Einführung des neuen Stadtstempels mussten die fer-
tigen Arbeiten von neuem geprüft, die alten Stempel ent-
fernt und die neuen eingeschlagen werden; es ist diese An-

gabe wichtig für die Datirung Aachener Arbeiten. Der
Studie, die sich in der Zeitschr. des Aachener Geschichts-
vereins XIII S. 230 befindet, ist der Abdruck der Rolle bei-
gefügt,

Stickereimuster. Trotz der Hochflut und Überfülle vor-
bildlichen Materials auf dem Gebiete der kunstgewerblichen
Litteratur sind noch fühlbare Lücken vorhanden, die wohl
erst nach und nach durch berufene Hände gefüllt werden
dürften. Für Nadelarbeiten Entwürfe zu schaffen ist in un-
serer für Liebhaberkünste schwärmenden Zeit eine unerfreu-
liche und wenig segenverheißende Aufgabe. Und doch thun
sie uns resp. unseren weiblichen Mitmenschen so not als
das liebe Brot. Wo mehr denn je mit der Nachäffung der
Natur „Staat" gemacht wird, und die Gefahr droht, ernsten,
durchdachten ornamentalen Schöpfungen entfremdet zu wer-
den, da muss man die obige Erscheinung als ein neues Zei-
chen gesunder Strömung freudig begrüßen und ihr einen
tieferen Wert beimessen. Wir können daher nicht umhin,
den „Stickereimustern" von Herminc Steffahny warme An-
erkennung zu zollen, die unter dem Titel: „Neue Entwürfe
für allerlei Nadelarbeiten" im Verlag der Arbeitsstube (Leip-
zig, Eug. Twietnieyer) erschienen sind. Es ist ein zielbe-
wusstes Wollen und Können, was aus den drei Bogen der '
ersten Lieferung zu uns spricht. Der klare einfache Kontur
zeigt reizvolle und edle Motive des Flachornaments be-
kannter Stile. Das Neue daran ist die individuell durch-
geistigte Verarbeitung uns lieb gewordener Formen, die
lebendige Thätigkeit praktischer Werte in ihnen. Gut ge-
zeichnet ist halb gearbeitet kann man hier sagen, so fest
und sicher sind die Vorwürfe zu den verschiedensten Gegen-
ständen in natürlicher Größe aufgerissen. Der erste Bogen
ist im gotischen Stil gehalten; der zweite Bogen, den
wir auf 1/8 verkleinert, auf Seite 104 abbilden, zeigt
Renaissanceformen im Charakter der deutschen Aufnähar-
beiten, der dritte Bogen hat mehr modernes Gepräge,
Linienspiele mit eingestreuten naturalistischen Motiven. Ein
kurzer unterweisender Text über die technische Verarbei-
tung und Farbengebung trägt wesentlich dazu bei, die
brauchbaren Muster in die Wirklichkeit zu übersetzen. Bei
der Größe der Bogen von 76 X 54 cm ist die Vielseitigkeit
des Gebotenen geradezu erstaunlich; jedes Eckchen ist ge-
füllt, schöne Monogramme und Buchstaben wechseln in den
Zwischenräumen. Und was thut es, keinem ist es zu ver-
argen, dass er dieses und jenes Muster für würdig findet,
in eine andere Technik zu übersetzen. Ich weiß es, auch
andere Leute werden sich das reiche treffliche Vorbilder-

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