Die Kunstwelt: deutsche Zeitschrift für die bildende Kunst — 2.1912-1913

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LANDHÄUSER VON WILHELM ERÄNKEL

ganzen Anlage, wie der Architekt hier eine Ver-
bindung der geschlossenen Bauerngehöftsanlage
mit der niedersächsischen offenen Siedelung ge-
schaffen hat. Alle Räume sind ebenerdig, das
Dach ist ranz unbenutzt. Der Villencharakter

O

wurde mit aller Absicht vermieden und die Wir-
kung nur durch Massengruppierung und Farben
erzielt: roter Handstrichstein, schwarzes hollän-
disches Pfannendach, grüne Fensterläden. Die
Gesamtheit wie die Einzelteile dieses Gutsitzes
haben für eine Niederlassuno- in der norddeutschen

O

Tiefebene etwas Grundlegendes und Mustergiltiges:
am stärksten wird wohl die schöne Würde . des
Hauptgebäudes empfunden, bei dem sich in der
einfachen Struktur des Bauernhauses das Rustikale
und in dem Giebelaufbau des Portals der Cha-
rakter des Herrensitzes gut verbinden. Sehr reiz-
voll sind das burghafte Einfahrtstor, die schönen
Durchblicke zwischen Haus und Park und vor
allem der Rosengarten, eines der besten Beispiele
von Gartenarchitektur, die alte Traditionen mit
moderner Empfindung zu beleben versteht.

Das Landhaus Wolff in Rissen mit seinem
interessanten geknickten Grundriß, durch den es
ermöglicht wurde, möglichst viel Sonne in die

Räume zu lassen, steht in Heide und Wald und
trägt ein Strohdach. Im Gegensatz dazu sollen
die Säulen den Bauernhaus-Charakter veredeln.
Es lockt förmlich die Wanderer herein, sich's
drinnen wohnlich zu machen, und noch an-
heimelnder ist das poetische Haus Westerkamp in
Sasel, das in seiner Ruhe und Verträumtheit wie
ein Märchenasyl für Weltflüchtige wirkt. Es ist
ein Sommerhaus für einen Hamburger Kaufmann,
der als Liebhaber Schnitzerei und Tischlerei
betreibt. Daher eine Werkstätte neben dem
Wohnzimmer. Auch dieses gemütliche Heim
trägt ein Strohdach. — Dem räumlich viel be-
deutenderen Wohnhaus des Dr. Arnheim eignet
in Stein und Holz und Metall wieder jene oma-
mentale Belebtheit, die bei den Fränkelschen
Bauten so viel Anziehungskraft übt. Bei diesem
eingebauten Einfamilienhaus wurde mit dem üb-
lichen Hamburger Schema gebrochen und eine
Diele und Treppe mit direktem Licht eingebaut.
Das Außere greift ebenfalls auf niedersächsische
Formen zurück und hat wiederum grüne, rote
und schwarze Farben. Das Portal erhielt einen
Beischlag, der von wartenden Patienten gern be-
nutzt werden wird. /./.

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