Der Sturm: Monatsschrift für Kultur und die Künste — 18.1927-1928

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Praxis der Aerzte ist so gut wie gar nicht vor-
handen. Das Gehalt für Stadtärzte und Land-
ärzte ist gleich. Es soll dadurch erreicht
werden, daß die Aerzte sich nicht in den
Großstädten ansammeln. Das monatliche Ein-
kommen ist zurzeit durchschnittlich HO Ru-
bel, das durch einige Nebeneinnahmen sich
bis 150 Rubel erhöht. Die Gehälter werden
ständig gesteigert. Die Aerzte sind in der Ge-
werkschaft der Meizinarbdeiter organisiert.
Sie umfaßt alle Personen vom Spezialisten

bis zur Scheuerfrau, die im Heilwesen be-
schäftigt sind. Durch diese gewerkschaftliche
Zusammenfassung ist ein außerordentlich gün-
stiges kollegiales Verhältnis zwischen den ein-
zelnen Berufskategorien entstanden und der
Akademikerhochmut gänzlich verschwunden.
Sämtliche ärztliche Institute haben Beschwerde-
und Kontrollkommissionen der Kranken, von
denen sogar der Chefarzt zur Verantwortung
gezogen werden kann.

Konferenz für Soziologie der Kunst
in Moskau im Jahr 1927
In der modernen Kunstwissenschaft beginnt
die soziologische Methode immer mehr an
Bedeutung zu gewinnen. Auf keinem Gebiete
der Kunst ist zurzeit eine ernste historisch
gegründete Forschung ohne Erwägung der
sozialen Faktoren, ohne Erschließung der
Kunst als gesellschaftliche Erscheinung mög-
lich. Zu welcher Schule der eine oder der
andere Forscher auch gehören mag, er kann
heutzutage den Problemen der Soziologie der
Kunst gegenüber sich nicht gleichgültig ver-
halten.
Zugleich mit der wachsenden Bedeutung der
soziologischen Methode für das Studium der
Kunstwissenschaft trägt jede literarische Neu-
erscheinung auf diesem Gebiet natürlich zur
Komplizierung des Problems bei. Es ist nun
an der Zeit, die Erfolge der soziologischen
Methode auf den verschiedenen Gebieten der
Kunst wie in ihrer theoretischen Erarbeitung-
einer umfassenden Uebersicht zu unterziehen.

Das Organisationsbüro faßte daher den Bn-
schluß, im Dezember 1927 in Moskau eine
Konferenz für Soziologie der Kunst zu ver-
anstalten. Obgleich diese Konferenz ihrem
Aufbau nach nicht den Charakter einer inter-
nationalen Konferenz trägt, ist die Teilnahme
westeuropäischer Fachgelehrten an den Ar-
beiten dennoch äußerst erwünscht. Diese Teil-
nahme kann in Form selbständiger Referate,
wie in der Durcharbeitung der Referate an-
derer Konferenzteilnehmer sich äußern.
Einladungen zur Teilnahme an dieser Konfe-
renz wurden bereits an eine Reihe bedeuten-
der Fachgelehrte zugesandt, die Anhänger der
Anwendung der soziologischen Methode in
der Kunstwissenschaft sind.
Ueber alle mit der Konferenz verbundenen
Fragen erteilt Auskunft das Organisationsbüro
der Konferenz für Soziologie der Kunst. Ad-
resse: Organisationsbüro der Konferenz für
Soziologie der Kunst Glavnauka Volkskom-
missariat für Bildungswesen (Narcompros)
Moskau USSR

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