Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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Bücherschau.

Breviarium Roma mim, 4 Bände in 18°. Editio
quinta post alteram typicam S. Rit Congr. 1908.
Reich illustrierte, sehr handliche Ausgabe auf echt
indischem Papier. Rot- und Schwarzdruck Mk. 18,
einschließlich des Einbands (in 4 Bänden) Mk. 30—46.
Pustet in Regensburg.
Diese neue, mit zahlreichen Proprien für in- und
ausländische Diözesen und Ordensprovinzen versehene
Auflage zeichnet sich durch sehr scharfe Typen aus,
die trotz des mäßigen Buchumfanges und des selbst
auf der Reise durchaus handsamen Formates, für jedes
irgendwie normale Auge genügen. Daß diese knappe
Fassung kein Hindernis gewesen ist für die übersicht-
liche Anordnung und für die elegante Ausstattung darf
als ein weiterer Vorzug bezeichnet werden. Letztere be-
steht in kleineren Initialen, wie sie jede Lektionenreihe
eröffnet, in größeren, wie sie jedes hohe Fest und alle
sonstigen bedeutenden Abschnitte einleiten, zumeist
mit Vignetten, oder sogar Vollbildern, die das be-
treffende Festgeheimnis, bezw. den bezüglichen Zyklus
illustrieren. Diese zumeist von Klein und Schmalzl
sehr anmutig gezeichneten Bilder, zu denen für jeden
Band ein besonderes Tite'.bild hinzukommt, verraten
eine große Kenntnis der Typologie, so daß jedes der-
selben eine Fülle von Gedanken vermittelt, die dank
der klaren Linienführung, trotz des vielfach sehr kleinen
Maßstabes, vollkommen zum Ausdruck gelangen. —
So bietet sich dem Priester alltäglich in anziehender
Form ein Bilderkreis, wie er ihm sonst in so ge-
schlossener didaktischer Form nicht leicht entgegen-
tritt. — Der biegsame Rücken und die abgerundeten
Schnittecken erleichtern den Gebrauch des in jeder
Hinsicht zu empfehenden Breviers. Schnütgen.

Den Kyrkliga Konsten under Sveriges
Medeltid af Hans Hildebrand. — Norstedt
& Söner in Stockholm 1907. (Preis Kr. 8,50,
geb. Kr. 10.)
Diesen Überblick über die kirchliche Kunst des
Mittelalters in Schweden hat der beste Kenner derselben,
der hochverdiente Riksantiquarien (vergl. Bd. XVII.
Sp. 95/96) in zweiter Auflage herausgegeben. Die30Ö,
auf vortrefflichen Zeichnungen beruhenden Illustrationen
reden in ihrer ungemein geschickten Auswahl und systema-
tischen Anordnung, wie durch die Eigenart der Objekte
und ihrer Ornamentierung eine so bestimmte Sprache,
daß sie auch ohne den Kommentar leicht verständlich
sind und hohes Interesse erregen. — Neben den ver-
wandten Exemplaren in anderen Ländern, namentlich
in Deutschland, fehlt es nicht an den schwedischen
Spezialitäten, die den deutschen Bilderkreis für die
Wissenschaft wie für die Praxis erheblich ergänzen. —
MitderArchitektur,StulpturundMalereiderromanischen,
Übergangs- und gotischen Periode beschäftigt sich der
I.Teil, mit den kirchlichen Altertümern der IL T e i 1,
und in diesem werden, alphabetisch geordnet, behandelt:
Altäre mit Zubehör, Leuchter, Brunnen, Ciborien,
Taufsteine, Fahnen, Grabsteine, Truhen, Kreuze und
Kruzifixe, Paramente, Monstranzen, Hostieneisen Opfer-
stöcke, Orgeln, Predigtstühle, Baldachine, Reliquiare,
Glocken, Gestühle, -Schränke, Sakramentshäuschen,
"Weihgefäße usw.; eine Fülle merkwürdig geformter

und verzierter Gegenstände, zu denen es in Deutsch-
land an Analogien fehlt. — Im Anhang kommt die
ebenfalls an Eigentümlichkeiten reiche Ikonographie
und Epigraphik zur Geltung; und was an Rat-
schlägen für die Betrachtung und Behandlung der alten
Kirchen und kirchlichen Gegenstände beigefügt ist,
verdient die eingehendste Prüfung und Beachtung, wie
das ganze überaus inhaltreiche Buch, als die reife
Frucht hingebungsvoller Studien und langjähriger Er-
fahrungen. Schnütgen.

Die Verehrung des hl. Joseph in ihrer ge-
schichtlichen Entwicklung bis zum Konzil von Tiient
dargestellt von Joseph Seitz, Priester der Diözese
Eichstätt. Mit 80 Abbildungen auf 12 Tafeln. —
Herder in Freiburg 1908. (Preis geb. Mk. 8.60.)
Die Vorgeschichte von der Verehrung des hl. Joseph,
die erst seit dem Trienter Konzil, in hervorragendem
Maße in der neuesten Zeit zur Geltung gekommen ist,
wird hier in gründlicher, manche neuen Gesichtspunkte
bietenden Weise geprüft, und überall kommt dabei
auch die Kunst zur Geltung. Die Darstellung des hl.
Joseph in der altchristlichen, in der früh- und spät-
mittelalterlichen Kunst wird an der Hand der Denk-
mäler erörtert. Dem hl. Joseph ist in der Kunst des
XV. und XVI. Jahrh. ein eigenes langes Kapitel ge-
widmet, welches die Kunst Italiens und der deutschen
Länder apart behandelt, nicht nur die Szenen, in denen
er begegnet, sondern auch seinen Typus, der im
eigentlichen Mittelalter wenig zur Entfaltung gelangt
war durch den fast völligen Verzicht auf die Darstellung
der Einzelfiguren. Diese kommt im XV. Jahrh. nur
selten vor, z. B. eine kleine Holzstatuette nieder-
rheinischen Ursprungs aus der Sammlung Moest im
Aachener Museum. Wenn bei ihr, ebenso bei einer
etwas späteren meiner Sammlung, der Heilige den Jesus-
knaben an der Hand führt, wie später so häufig in den
Gruppen der hl. Familie, so sollte durch diese sinnvolle
Darstellung wohl die nährväterliche Eigenschaft besonders
betont werden. — Die neue Ikonographie, die den
hl. Joseph in ihr Herz geschlossen hat, suchte ihn
durch die handwerkliche Beigabe als Arbeiterpatron,
durch das Schiff der Kirche als Patron der Kirche zu
legitimieren. — Den weiteren Ausgestaltungen können
fruchtbare Ideen der vorliegenden Schrift entnommen
werden, die nicht nur das dogmengeschichtliche,
sondern auch das kultur- und kunstgeschichtliche Material
in Wort und Bild reichlich und lehrreich zusammen-
getragen hat. __________ Schnütgen.

Miscellaneen aus dreijahrhunderten spani-
schen Kuns t leben s von Carl Jus ti. Erster
Band. Mit 85 Abbildungen und einem Bildnis des
Verfassers in Kupferstich. — G. Grote, Berlin
1908. (Preis Mk. 10.)
Daß weithin zerstreute Aufsätze Justi's, zumal über
spanische Kunstgeschichte, sehr begehrt wurden, ver-
steht sich von selbst, — Von den beiden Bänden,
die 24 derselben aufnehmen sollen, ist der I. er-
schienen, der ihrer 11 umfaßt, in chronologischer Folge,
von der Mitte des XV. bis zu der des XVI, Jahrh.
Werke der Architektur, Plastik, Malerei, selbst der
Goldschmiedekunst werden hier behandelt, kostbare
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