Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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dulden mußte Es gibt hier keinen S. Benignus
und keinen S. Leger, sondern die Szene mit
den Pfriemen bezieht sich auf eine, diejenige
mit dem Ausbohren der Augen auf eine andere
Marter des hl. Erasmus. Und so wenig hier
die beiden französischen Heiligen dargestellt
sind, so wenig sind sie es auf den Blättern
des maitre aux boucles. Der Heilige mit den
Pfriemen (Bouchot 87) ist also, wie sich jetzt
endgültig herausstellt, S. Erasmus, auf welche
Möglichkeit ich sowohl bei Nr. 1315 als auch
bei Nr. 1412 hingewiesen habe. Der andere
hingegen, den Bouchot S. Leger nennt, ohne
auch nur den Versuch zu machen, einen Be-
leg für seine Behauptung beizubringen, ist
und bleibt S. Wolfgang, wie schon Weigel
richtig erkannt hat. Bezüglich seiner Oppor-
tuna kann ich aber Bouchot leicht mit seinen
eigenen Waffen schlagen. Nach seiner An-
sicht kann es sich nicht um Dorothea handeln,
weil das Jesuskind nicht an ihrer Seite zu
finden sei. Auf der anerkannten Opportuna
(Bouchot 140) halten aber zwei Engel im
Hintergrund einen mit Lilien gesticktenTeppich;
da diese auf der Nr. 1394 fehlen, kann der
Holzschnitt eben keine Opportuna darstellen.
— Auch sonst zeigt sich M. Bouchot auf dem

ikonographischen Gebiete mehr parteiisch als
erfahren. Zu meiner Nr. 2958, auf die ein
Miniator zweimal den Namen S. Udalricus
geschrieben hat, dessen Richtigkeit die Sym-
bole Fisch und Buch durchaus bestätigen, be-
merkt er (S. 99 Anm. 1) „le saint n'est devenu
un St. Ulrich que parce qu'il est ä Munich";
hingegen hält er den Pariser Metallschnitt
Nr. 170 für den Bon Pasteur und vermißt ihn
im Manuel, während es sich um S. Johannes
Baptista handelt und ich ihn auch als solchen
unter Nr. 2666 beschrieben habe.

Nachdem ich nunmehr alle Behauptungen
Bouchots widerlegt habe und die von ihm dem
maitre aux boucles zugeschriebenen Frühholz-
schnitte, den S. Bernhard des Jerg Haspel von
Biberach und die vielen späteren von ihm
ohne jeden stichhaltigen Grund dem Auslande
zugesprochenen Holzschnitte wieder voll und
ganz als Erzeugnisse deutscher Kunst in An-
spruch nehme, wende ich mich den Metall-
schnitten zu, bei denen unsere Ansichten
glücklicherweise nicht ganz so weit auseinander-
gehen, was Bouchot allerdings nicht wußte,
da ihm mein Aufsatz in der Mainzer Fest-
schrift unbekannt geblieben war. (Schluis folgt.)

Potsdam. W. L. Schreiber.

Zu Stephan Lochners Lebensgeschichte.

ach Merlo1) wird Stephan Lochner
im Kölner Stadtarchiv „zuerst in
einer Schreinsurkunde vom Jahre
1442 angetroffen, als er am 27. Ok-
tober von Johann von Kurbeke.....das

Haus ,Roggendorp' zur Hälfte erwarb". Diese
Bemerkung läßt sich durch eine Notiz in der
Aufstellung über die Unkosten, etwas modi-
fizieren, die der Stadt Köln durch den. Autent-
halt König Friedrichs III. in ihren Mauern im
Juni 1442 erwuchsen.2) Die Stelle, die auch für
die Erkenntnis der Beschäftigung des Künstlers
nicht uninteressant ist, lautet:

Item meister Steffen, deine meilre, vur
die Schilde, die an deme vass mit deine
ivijne, die man deme konynck schenckde,
mit der stat wapen gepapl waeren,

') »Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit.«
Neu bearbeitet von Fi rm enich - Richa rt z und
Keussen (Düsseldorf 1895) Spalte 830.

2) Stadtarchiv : Abteilung Köln und das Reich B 415.

item vur die 4 Steve, daemit man dat

gülden doech boeven dem konynck droech?)

item vur die Schilde, die den oessen vur

die hoefde gepapt waren ind van deme

banner an die trumpelle:4)

40 marck 10 Schillinge^)
Köln (Stadtarchiv). Bruno Kuske.

') Vorher ist gebucht: Item gcgeven "Johann van
Slrailen [Kaufmann!] vur zwcn guldcti stucke ind
eynen qrras [leichtes Wolltuch aus Arras], die man
boeven deme konynck drocgc, SS ° (verlentzsche)
ij-(ulden) [ungefähr 409 Reichsmark]:

4) Vorher: Item so deme lianer an die trumpctte
l\ cle dammaskcn [Damast] /j- marck [ungefähr
28 Reichmark];

item noch zwcne quesie i\ marck [ungef. 2.80 Rm.]
item vur drij kneitfc 3 marck [5.60 Rm.]
item 2 eleu langer frentzen, 5 tlen kurzer frenze,
-vygen j- loit [14} gramm] sijdcn: 4 marck 3 Schillinge
[ungef. 9.30 Rm.]. Die vorhergenannten, wappen-
tragenden Ochsen waren ebenfalls dem Könige ge-
schenkt worden.

5) Ungefähr 82 Reichsmark.
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