Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

Page: 269-270
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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

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Das Chorgestühl des Domes zu Köln.

(Mit 9 Abbildungen.)

er altchristliche Brauch, die Messe
an der Ostseite des Altares zu feiern,
hat sich im Kölner Dome sehr lange
erhalten. Bis vor wenigen Jahr-
zehnten war die starke Abnutzung des Bodens
deutlich sichtbar unter jener Steinbank, auf der
sich während des Opfers der Bischof oder Priester
mit den Diakonen niederließ. Bei feierlichem
Gottesdienste saßen auch die Domherren auf
den Steinbänken, die zwischen den Säulen
um den Altar herumführen. Während des

Im allgemeinen hält das Domgestühl die
überlieferten Formen fest, (vgl. Nr. 4 d. Zs. das
Chorgestühl aus der Pfarrkirche zu Wassenberg)
hat sie jedoch bereichert und der jüngeren
Zeit gemäß hier und da stilistisch umgedeutet.
Die Trennungswände der Sitze zeigen den
üblichen Typus und gehen auch in der Grund-
form der Profile mit ihren Vorgängerinnen zu-
sammen. Eine Bereicherung, die zuerst das
Gestühl aus St. Gereon aufweist, ist hier beibe-
halten, indem nämlich die leeren kleinen Felder,

Abb. l.

Officiums aber nahm die gesamte Geistlichkeit
mit dem Bischöfe in den Chorstühlen Platz,
die zu beiden Seiten an den Schranken in
zwei Reihen übereinander aufsteigen.

Die Ostseite des Gestühles zierte ursprüng-
lich je eine Statue, und zwar in der nördlichen
Hälfte die des Papstes Silvester, in der süd-
lichen die des großen Konstantin. Der Jesuit
Crombach, der uns dieses in den Primitiae
Gentium berichtet, nennt zwar nicht den Namen
des letzteren, aber nur dieser wird, zumal
mit Rücksicht auf die zweite Figur, in Betracht
kommen. Die Bildwerke standen auf dem noch
vorhandenen Mittelpfosten, während die beiden
Seitenwände durch niedrige Voluten, analog
den übrigen Wangen, gekrönt waren. (Abb. 1.)

die am Ende der Hohlkehlen der Verbindungs-
kurve von Ober- und Unterstück sich bilden, dort
mit Blättern, hier mit Fratzen, Bestienköpfen
oder Blattknollen ausgefüllt sind. Das Ab-
schlußbrett unter den Klappsitzen ist, ab-
weichend von der Frühzeit, mit reliefgeschmück-
ten Vierpässen versehen. Die Voluten der
Wangen sind mit Blattwerk übersponnen, in
dem mancherlei Tiere ihr Wesen treiben, und
mit großen Figuren gefüllt. Die unteren Felder
der östlichen Wangen, die an den Pfeiler ge-
lehnt sind, zeigen reiches Architektursystem
und waren außerdem, nach den vortretenden
Konsolen zu schließen, mit je zwei Figuren
geschmückt. Die übrigen Wangen zeigen zwei
große, und darunter zwei kleinere Vierpässe.
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