Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

58

Bücherschau.

Geschichte der Christli chen Kunst von Franz
Xaver Kraus. II. Band, II. (Schluß-) Abteilung.
Italienische Renaissance. — II. Hälfte.
Fortgesetzt uud herausgegeben von Joseph Sauer.
Mit Titelbild in Farbendruck, vielen Abbildungen
im Text und einem Register zum ganzen Werke.
Herder in Freiburg 1908. (Pieis Mk. 19.)
Bei seinem Tode am 28. Dez. 1901 hatte Kraus
seinem Hauptwerke zwar den für das Ganze beabsicht-
igten Umfang, aber noch lange nicht den geplanten Ab-
schluß gegeben. Daß nun zwar nicht dieses erreicht
ist, aber doch eine gewisse Abrundung des II. Bandes,
für den die italienische Hochrenaissance, der
am schmerzlichsten vermißte Abschnitt war, ist das
große Verdienst seines Schülers Prof. Sauer, dem es
gelungen ist, diese, beiden Verfassern gleichmäßig am
Herzen liegende und ge'äufige Glanzperiode der
christlichen Kunstgeschichte, im Geiste des Urhebers zu
behandeln. Durch diese meisterliche Ergänzung ist der
Verzicht auf die Geschichte der nordischen Renaissance
und der folgenden Stilarten bis auf unsere Zeit (für
die Kraus ohnehin nur eine mehr summarische Fassung
beabsichtigt haben mochte) erleichtert, zumal die Hoff-
nung begründet scheinen mag, diese Aufgabe werde
vom Verfasser direkt oder indirekt gelöst werden. —
Von den 8 Kapiteln, in die das Buch zerfällt,
stammen nur die beiden ersten über Fra Bartolommeo
und Lionardo da Vinci, sowie ein Teil des III.,
der Michelangelo und die Sixtinische Kapelle zu be-
handeln beginnt, geistvolle Exkurse, von Kraus her,
so daß das Cinquecento weit überwiegend ganz selb-
ständig von Sauer ausgeführt ist. — In großzügiger
Darlegung erscheinen hier die Gemälde der Sixtinischen
Kapelle und Raffaels Jugendwerke, sodann das
medieeische Zeitalter in Rom: die Päpste und
ihr Einfluß, in deren Diensten Raffael mit seinen
Hauptwerken der Wandmalerei, mit seinen Madonnen,
mit seinen Porträts, mit seiner Schule; Michelangelo
mit seinem Jüngsten Gericht, mit seinen Werken der
Bildhauerei, mit seinen Nachfolgern standen. — Die
Architektur des Cinquecento mit Bramante und
den zahlreichen sonstigen Gröl'en, die allerlei bedeutungs-
volle Neuerungen einführten, füllen das V. Kapitel,
welches auch zur Innenausstattung wichtige Beiträge,
wenigstens im Überblick, bietet. — Manchen Begleit-
erscheinungen, die zu prinzipiellen Erörterungen Vtran-
lassung gegeben haben, sowie der zum Teil etwas ver-
weltlichten, aber immer noch erhabenen Malerei der
Spätzeit sind die beiden fo'genden Kapitel geweiht,
denen das VIII. als „Epilog der Renaissance"
folgt mit vielen charakteristischen Bemerkungen und
mancherlei Details. — Überall treten die, im Anschlüsse
an seinen Lehi er, mit Vorliebegepflegten ikonographischen
Neigungen des Verfassers in den Vordergrund, und im
Zusammenhange mit ihnen, die Betonung des kirch-
lichen Geistes, von der, auf der Grundlage des mittel-
alterlichen Schaffens, das ganze Cinquecento noch er-
füllt war. Im glänzenden Lichte erscheint daher,
dank den umfänglichen warmen Schilderungen, diese
ganze Periode, obgeich auch die Kritik zur Geltung
kommt, welche bekanntlich die starke Seite des Be-
gründers war.

Als die schöne Frucht gemeinsamer Anschauungen
und Ausführungen liegt nunmehr abgeschlossen das
Werk vor, das, auf vollkommener Vertrautheit mit
den Denkmälern und mit den ihre Entstehung und Be-
deutung beeinflussenden Umständen aufgebaut, der
deutschen Wissenschaft zur höchsten Ehre gereicht,
von keiner Veröffentlichung des Auslandes an Tiefe
und Originalität erreicht. — Auch die Illustration
die manches Alte in besserer Wiedergabe, und manches
Neue in vorzüglichen Abdrücken bietet, ist des Textes
würdig, in den es geschickt und lehrreich aufge-
nommen ist. __________ Schnütgen.'

Der Dom von Würzburg und seine Denk-
mäler. Von Valentin Clemens Hessdörfer,
Domkapitular. Mit 64 Illustrationen und einem
Grundriß des Domes. Bauch in Würzburg 1907.
(Preis geb. Mk. 1,50.)
Dem Würzburger Dom, dieser großen romanischen
Basilika mit ihren prächtigen spätgotischen und Barock-
anbauten, mit ihrer Stuckausstatiung und ihren zahl-
reichen Grabdenkmälern des Mittelalters und der späteren
Zeit, fehlte bisher ein zuverlässiger Führer. — Als
solcher darf dies vorliegende sehr hübsch ausgestattete
Büchlein aufs wärmste empfohlen werden. — Die mannig-
faltige Baugeschichte des Domes wird ausreichend be-
handelt; den überaus zahlreichen, künstlerisch zum Teil
sehr bedeutenden Grabdenkmälern der Bischöfe (vom
XIII. bis XIX. Jahrh.), sowie der Domdignitäre wird
ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt, den Altären,
der von Balthasar Neumann erbauten Schönborn-
Kapelle, der Bruno-Gruft, dem Kreuzgang wie der
architektonisch und ihrer Denkmäler wegen merk-
würdigen Sepulturkapelle sind eigene Abschnitte ge-
widmet; und der große Grundriß mit seinen einge-
tragenen Nummern und beigegebenen Erklärungen er-
leichtert wesentlich die Orientierung. G.

Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Heft 91- —
Der schwäbische Schnitzaltar von Marie
Schuette. Mit 82 Lichtdrucktafeln. Heitz in
Straßburg 1907. (Preis Mk. 25.)
Die Verfasserin hatte sich für ihre Dissertation
(unter der Leitung von Prof. Wölfflin) ein ernstes
Thema ausgesucht, und mit welchem Ernst sie es be-
handelt, beweist diese erweiterte Studie, die 265 Seiten
umfaßt und von einer Mappe desselben Formats be-
gleitet ist: 82 Lichtdrucke von eigenen, zumeist auf
ländlichen Wanderungen, also mühsamst, gewonnenen
Aufnahmen. Sie machen auf annähernde Vollständig-
keit Anspruch, zunächst für Württemberg, weniger für
die anstoßenden Bezirke (Baden, Bayern, Hohenzollern
etc.) sowie für die auswärtigen Museen. — Der Text
zerfällt in zwei Teile gleichen Umfangs, von denen
der erste den schwäbischen Altar nach seinem Wesen
und seiner Gestaltung, wie nach den Ursprungsstätten
in umfassender geistvoller Weise analysiert, der zweite
ein beschreibendes Verzeichnis der Denkmäler bietet.
Beweist der letztere die Sorgfalt im Aufspüren und
Prüfen des vorhandenen Materials, dann legt der erstere
von der liebevollen Verliefung in dasselbe rühmliches
Zeugnis ab. Sie wird durch die Überschriften über
den einzelnen Kapiteln: das Thema, der Aufbau,
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