Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 7.

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Nachrichten.

Ludwig SeitZ f. Am 11. September erlag
in der Sommerfrische zu Albano einer Herzlähmung
Professor Ludwig Seitz, der dem Vorstande unserer
Zeitschrift seit 1895 angehörte. — Als Kirchenmaler
wie in Italien, so in Deutschland und Österreich hoch-
angesehen, neben Cornelius, Führich, Overbeck, Steinle,
Veit und der Düsseldorfer Trias als jüngerer Meister
in vollen Ehren genannt, hatte er seinen großen Ver-
diensten die Krone aufgesetzt durch die Ausmalung der
päpstlichen Kapelle in Loreto, über die P. Beissel be-
reits 1892 in dieser Zeitschrift (Bd. V, Sp. 65/88) ein-
gehend berichtet hat, dabei den Lebenslauf, die Leistungen
und die Bedeutung des Künstlers anschaulich schildernd.
Leider hat dieser die unmittelbar bevorstehende Ein-
weihung des von ihm so liebevoll behandelten und so
herrlich geschmückten Heiligtums nicht mehr erlebt,
auch nicht den Abschluß seiner Arbeiten in Padua,

| wie der Einrichtungen in der neuen vatikanischen
Pinakothek, in die er gerade — wenige Stunden vor
seinem plötzlichen Tode — noch die schwierige Über-
tragung des berühmten Riesengemäldes der Raphaelschen
Verklärung sorgenvoll geleitet hatte. — Da dem erst
64 jährigen Künstler noch verschiedene Auf träge winkten,
seine vieljährige Vertrauensstellung im Vatikan von
großer Bedeutung war, nicht minder der vermittelnde
Standpunkt, den der ebenso fromme und liebenswürdige,
wie zeichnerisch und koloristisch begabte Meister in
Kunst und Leben, in Rom wie in weiteren Kreisen,
durch Wort und Beispiel einnahm, so erscheint sein
Heimgang als ein sehr schwerer Verlust, wenn auch seine
Verdiensttafel reichlich beschrieben war. „Sein Streben
ging auf das Werk seiner Kunst und darnach fügte
sich seine Seele und die Forschung im Gesetze des
Allerhöchsten". Eccl. 38, 39. R. I. P.! Schnütgen.

Bücherschau.

Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten.
Ein Beitrag zur Kultur- und Kunstgeschichte des
XVII. und XVIH. Jahrh. von Joseph Braun
S. J. — Erster Teil: Die Kirchen der ungeteilten
rheinischen und der niederrheinischen Ordensprovinz.
Mit 13 Tafeln und 22 Abbildungen im Text. (100. Er-
gänzungsheft zu den „Stimmen aus Maria Laach").
Herder in Freiburg 1908. (Preis Mk. 4,80.)
Im Anschluß an die hier (Bd. XX. Sp. 189) be-
sprochenen, „belgischen Jesuitenkirchen" veröffentlicht
der Verfasser den I. Teil der deutschen Jesuitenkirchen,
und zwar derjenigen, die bis 1626 zur rheinischen
Ordensprovinz, d. h zu Rheinland, Westfalen und
Niedersachsen, zu Pfalz, Elsaß, Franken, Hessen und
Mainz gehörten (während die der oberdeutschen Ordens-
provinz angehörigen für den IL Teil reserviert bleiben).
Was der Verfasser über deren Entstehung und Ge-
staltung, über deren Baugeschichte und Einrichtung
sagt, ist den Baudenkmälern und Archiven in so ge-
schicktem wie mühsamen Studium entnommen; so
umfassend und frappant ist das Ergebnis, daß nicht
nur das System, sondern jede einzelne Kirche in neuem
Lichte erscheint, wie hinsichtlich der Umstände, unter
denen sie entstanden, so der Eigenart in der sie ge-
baut und ausgestattet ist. — Weit über diesen engeren
Rahmen hinaus beleuchtet diese durchaus gründliche und
vorurteilsfreie, daher vollkommen zuverlässige Unter-
suchung das ganze kirchliche Kunstschaffen, vornehmlich
das architektonische, des XVII. und XVIII. Jahrh.,
das bis dahin arg vernachlässigt und verkannt war. —
Der I. Abschnitt ist den gotischen Kirchen gewidmet,
die, im Unterschiede von der oberdeutschen Provinz,
durchaus vorherrchen: 13 eigenartige Anlagen, die zum
Teil (wie Molsheim, Köln, Kotsfeld, Paderborn') den
Höhen- und Glanzpunkt der zeitgenössischen Leistungen
bezeichnen. — Der H. Abschnitt behandelt die 7 nicht-
gotischen Kirchen, unter denen namentlich die
Düsseldorfer und Bürener großartige Schöpfungen sind.
— An der Hand von eigenen, zumeist noch unbe-

kannten, guten Abbildungen und von zahllosen wich-
tigen baugeschichtlichen (viele neue Künstlernamen
bietenden) Notizen erfolgt die teilweise sehr ausführ-
liche Beschreibung, die sich auch auf die, vielfach von
Ordensbrüdern ausgeführten Ausstattungsgegenstände
bezieht. — Mit der Würdigung dieser Kirchen-
bauten, mit ihren stilistischen und architektonischen
Eigentümlichkeiten, mit ihren Beziehungen unter ein-
ander und zu den sonstigen Bauwerken der Zeit be-
schäftigt sich der III. Abschnitt, der mit den land-
läufigen Vorurteilen über den „Jesuitenstil" und über
die jesuitischen Bestrebungen radikal aufräumt, in
geradezu musterhafter Weise den Weg zeigend für
die Behandlung solcher Fragen, die vor allem solide
Kenntnisse und Unbefangenheit erfordern. — Möge
es dem hochverdienten Forscher vergönnt sein, bald
die Fortsetzung zu liefern, die sich hoffentlich nicht
nur auf Deutschland beschränkt! Schnütgen.

Die Geschichte des Dachwerks, erläutert in
einer großen Anzahl mustergültiger alter Konstruk-
tionen, von Friedrich Ostendorf, Prof. an der
technischen Hochschule in Karlsruhe. — Mit 364
Abbildungen im Text. — B. G. Teubner in Leipzig
und Berlin 1908. (Preis 28 Mk.)
Um eine Art von Neuland in der Kunst handelt
es sich hier, denn mit dem zumeist schwer zugänglichen
und nicht leicht aufzunehmenden Dachwerk der Häuser
und Türme haben sich nur wenige Architekten be-
schäftigt. Die erste zusammenfassende Studie auf
diesem nicht nur an sich, sondern auch wegen der
Gefahr im Verzuge höchst wichtigen Gebiete ist daher
freudigst und dankbarlichst zu begrüßen, zumal sie
unter der Flagge segelt vom Meister aller konstruktiven
Anregung, dem vor kurzen gestorbenen Oberbaurat
Karl Schäfer, dem sie gewidmet ist. — Um so größere
Anerkennung aber verdient sie, da dieser erste Wurf
nicht nur als Versuch erscheint, sondern gleich als
vollständige Lösung wie den Zeiten, so den Ländern
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