Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

Page: 117-118
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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 4.

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es paßt ebensogut auf einen Sarg in der Erde
und auf eine marmorne Gruft, wie sie der
Graf von Lomello gesehen hat.

Zum Beschluß noch einige Worte darüber,
daß ich annehme, die Bestattung Kaiser Karls
habe in der Chorapsis stattgefunden.

Dadurch erklärt sich ganz ungezwungen,
warum man weder Überreste von der Gruft
noch von dem ursprünglichen Standorte des
Grabmales findet.

Durch den Abbruch des karolingischen
Chores ging der Standplatz des Grabmales
verloren. Es mußte weichen und wurde not-
dürftig im Umgang untergebracht. Das Grab-
mal hatte seit Jahrhunderten seinen Zweck
verloren, nämlich die Stelle zu schmücken, wo
der große Kaiser begraben lag. So konnte
man es bei Seite schieben.

Auch war die nicht große Gruft nach Ent-
nahme der Gebeine wohl zugeschüttet worden

und wurde daher bei späteren Grundarbeiten
unerkannt vernichtet; falls sie nicht jetzt noch
in einigen Resten vorhanden ist.

Schließlich passen auch sämtliche Urkunden
und Stellen zur Lage des Grabes Karls im Chor-
anbau. Man braucht sie dann nicht alle um-
zudeuten oder zu bestreiten. Dann kann
man auch die alte Chordienstordnung „wört-
lich" nehmen, welche das sepulchrum sancti
Caroli bei dem Muttergottesaltar in der Apsis
anführt.82) Dort ist dann wahrscheinlich auch
in der Nähe Otto III. bestattet worden. Und
Desiderius lag „zu den Füßen" Karls, wie es
Wachtendonck seinem Mit-Kanonikus a Beeck
mitgeteilt hatte.88)

Grunewald bei Berlin. Max Hasak.

32) »Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.«
(1907) S. 126.

33) Ebenda S. 105-

Das Chorgestühl aus der Pfarrkirche zu Wassenberg.

(Mit 2 Abbildungen.)

m Jahre 1903 erwarb das Kunstge-
werbemuseum der Stadt Köln in
dem Chorgestühl der Pfarrkirche
zu Wassenberg (Kreis Heinsberg)
eines der hervorragendsten Erzeugnisse der
frühgotischen Holzbildnerei. Erst im Vorjahre
auf der kunsthistorischen Ausstellung zu Düssel-
dorf, die die wichtigsten rheinischen Gestühle
der Frühzeit vereinigt hatte, war das Werk
weiteren Kreisen bekannt geworden. In
Wassenberg ist das Gestühl durch eine genaue
Kopie ersetzt. Ursprünglich erstrekten sich
dort die Sitze weiter ins Mittelschiff und
wurden später aus irgend einem Grunde ver-
schnitten.

Im allgemeinen wiederholt das Gestühl die
Formen, die uns an den rheinischen Ar-
beiten der Frühzeit begegnen. Ihre Eigen-
tümlichkeit und ihr unterscheidendes Merk-
mal von den östlichen Gestühlen liegt sowohl
in der Behandlung der die einzelnen Sitze
scheidenden Wände und deutlicher in der Auf-
fassung der hohen Abschlußwangen. Für beide
hat Frankreich den Typus ausgebildet, und
für die Form der Wangen läßt sich die Ent-
wicklung dort sogar bis auf die altchristliche
Kathedra zurückverfolgen. Der Bischofsthron

in Toul aus der Wende des XII. Jahrhunderts,
einige Jahrzehnte weiter die Wange, die den
Sitz eines der Propheten an der Westfassade
der Kathedrale zu Reims abschließt, darauf,
das Gestühl zu Poitiers und endlich die Skizzen
aus dem Album des französischen Architekten
Villard de Honnecourt (ca. 1240) bieten für
Frankreich in klaren Beispielen die Entwick-
lung. In Deutschland zeigt den französischen
Typus zuerst ausgebildet das Chorgestühl der
Viktor-Kirche zu Xanten aus der Mitte des
XIII. Jahrh. Die Scheidung der Wangen
in Ober- und Untergeschoß ist hier bestimmt
und klar durchgeführt, wobei die obere Hälfte
zur Volute gestaltet ist, während die untere
ein mit Blendarkatur und vortretender Säule
geschmücktes Rechteck darstellt.1) Ebenso
bieten die Trennungswände der oberen Sitze
(die unteren haben abweichende Formen) den
frühen, westlichen Normaltypus. Ihre Vorder-
kante ist in drei Teile zerlegt, wovon das obere
und das um die halbe Tiefe vortretende untere
Glied mit Säulchen geziert sind, während ein
Bogen die Verbindung herstellt. Sein Profil,
ein vorne zugespitzter Rundstab zwischen zwei

J) Im Gegensatz zu diesen zweiteiligen Wangen
schließt die östlichen Gestühle stets ein gerades Brett ab.
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