Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1 cm
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Nürnberger Reliquiar aus dem

(Mit zwei

er Schatz der alten Kra-
kauer Marienkirche be-
wahrt das hier abge-
bildete silberne und

vergoldete Reliquiar.1) Die Nürn-
berger Provenienz bezeugt das
am Fuße eingeschlagene frühe
Nürnberger Stadtzeichen (Rosen-
berg 1182). Ein Meisterzeichen
fehlt, es war
in der ersten
Hälfte des XVI.
Jahrh. noch

nicht üblich,
sondern wurde
erst durch die
Ordnung von

1541 vorge-
schrieben.

Wir wissen
von der Nürn-
berger Gold-
schmiedekunst
um diese Zeit
noch verhältnis-
mäßig recht
wenig. Rosen-
berg führt kaum
mehr als 20
Stücke aus der
Zeit von ca.
1500 bis 1540
an. Unterdessen
hat sich die
Zahl, wenn auch
nicht erheblich,
vergrößert. Nun
ist gerade diese
Zeit sehr wich-
tig, weil sich die

2) Dem liebens-
würdigenEntgegen-
komraen meines
Kollegen Dr. Felix
Kopera, Direk-
tors des Natio-
nalmuseums zu
Krakau, verdank-'
te ich die Mög-
lichkeit, das Reli-
quiar aufnehmen
zu lassen. Nürnberger Reliquiar vom Beginn des XVI.

Beginne des XVI. Jahrhunderts.

Abbildungen.)

spätere Entwicklung zur Renais-
sance hinüber auf ihr aufbaut.
Und jedes weitere bisher unbe-
kannte Stück mit dem Nürnberger
frühen Stadtzeichen bildet einen
brauchbaren Beitrag zur Vermeh-
rung unserer Kenntnisse.

Das Reliquiar ist 41,5 cm hoch
und IS cm breit. Es ist aufgebaut
in der damals
typischen Form,
auf sechspassi-
gem Fuß mit

durchbroche-
nem Galerien-
fries, mit sechs-
seitigem Nodus
und zu Seiten
des Reliquien-
behälters mit
gotischen Ast-
und Laubwerk.
Umgeben ist
der Reliquien-
behälter, der die
Reliquien „S.
Favrioni, fidelis
mar." enthält,
von einem Rah-
men mit gefaß-
ten Perlen und
Steinen. Zwei,
natürlich und
frei bewegte ge-
gossene Putten
mit Blasinstru-
menten zu bei-
den Seiten des
Behälters auf
Postamenten be-
leben die hüb-
sche Silhouette
des Reliquiars,
dessen obere
Bekrönung in
einer gotischen
Nische, die

umgeben ist
von zwei ver-
schlungenen,

Jahrh. Marienkirche. Krakau. aufrecht Stehen-
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