Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 10.

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Über die Baugeschichte der einstigen Abtei Altenberg im Rheinland.

(Mit 3 Abbildungen.)

'er bei der Generalversammlung des
historischen Vereins für den Nieder-
rhein in Berg.-Gladbach am 11. Juni
1908 gehaltene Vortrag über die
A btei Altenberg war das auszugsweise Er-
gebnis baugeschichtlicher Studien, die ich teils
auf Anregung des Altenberger Domvereins
und der Kgl. Staatsregierung, teils aus persön-
lichem Anteil an den eigenartigen Schicksalen
des einstigen Zisterzienserklosters — mit freund-
licher Unterstützung des Archivdirektors, Herrn
Dr. Ilgen, in Düsseldorf — unternommen
wurden. Den Mitteilungen lag die bestimmte
Absicht zugrunde — als Vorbereitung zu der
geplanten Besichtigung des Bauwerkes — die
bauliche Entwicklung der Abtei Altenberg in
ihren Hauptmarken und in ihrem kulturellen
Zusammenhang zu skizzieren und das gegen-
wärtige Ergebnis derselben unter Hinweis auf
eine größere Anzahl von Aufnahmezeichnungen
zu anschaulicher Darstellung zu bringen. Der
Vortrag soll hier, seinem wesentlichen Inhalte
nach, mit einigen erläuternden Abbildungen
wiedergegeben werden.1)

Im Jahre 1133 ließen sich, auf Veranlassung
des Grafen Eberhard von Berg, die ersten
Zisterziensermönche aus Morimund ,,auf dem
Berge" nieder: „einem Burghof des Grafen
Adolf", auf dem linken Ufer der Dhün, etwa
21/2 im oberhalb des alten Pfarrortes Oden-
thal. Diese Klostergründung nebst den zu-
gehörigen Stiftungen an Land und Leuten
wurde dem ersten Abte Berno, sechs Jahre
später, im Jahre 1139, durch Papst Innozenz IL
bestätigt. Vermutlich befand sich die erste
Siedelung auf der ziemlich ebenen Wiesen-
parzelle, genannt „an der Mauer"; über Um-
fang und Bauart der ersten Anlage werden
jedoch erst Aufgrabungen an Ort und Stelle
sicheren Aufschluß geben können. Noch unter
demselben Abte, im Jahre 1145, verlegte der
Konvent seinen Wohnsitz vom Berge ins Tal,
nachdem hierfür die notwendige Unterlage,
die Hofstatt und das neue Oratorium, geschaffen
war. Diese, anfangs bescheidene Niederlassung

') Bezüglich der einschlägigen statistischen Quellen-
angaben sei verwiesen auf »Die Kunstdenkmäler der
Rheinprovinz« — Kreis Mülheim a. Rh. — Düssel-
dorf 1901.

im Tal befand sich wohl an der Stelle des
jetzigen Küchenhofes (A) im Anschluß an
die in den Umfassungsmauern noch erhaltene
ältere St. Markuskapelle (B). Vergl. den
Lageplan, Abb. 2. Dieser erste Klosterhof
lag dicht am linken Dhünufer und war östlich
von einem Mühlgraben und Teich begrenzt,
dessen Bett sich heute noch im Wiesengelände
deutlich abhebt. Durch reiche Zuwendungen
unterstützt, konnten nun die Zisterzienser-
mönche ihr wirtschaftliches Programm, zu-
nächst im Dhüntal, erfüllen: Stauanlagen des
Flusses und der zuströmenden Wasserläufe,
teilweise Rodung des Landes und zweck-
mäßige Ausnutzung des Bodens zum Acker-,
Wiesen- und Weideland, waren wichtige
Kulturarbeiten, welche das bergische Land auf-
schließen halfen.

Im Jahre 1152 werden die beiden Stifter
des Klosters, Eberhard und Adolf von Berg,
in dem Oratorium beigesetzt, welches bis dahin
im Chore nur eine bescheidene Größe von
6 m Breite und 9 m Länge aufwies. Das Bau-
bedürfnis nach einer größeren Klosteranlage
(C—D) hat sich wohl bald fühlbar gemacht, da auf
eine größere Zahl von Laienbrüder (Konversen)
sowie auf die Unterbringung der Feldfrüchte
und des sonstigen landwirtschaftlichen Betriebes
Rücksicht zu nehmen war. Wenn sich auch
annehmen läßt, daß sehr bald nach der Um-
mauerung des weiteren Klosterbezirkes mit dem
Bau eines größeren Oratoriums begonnen
worden ist, so sind wir doch bis heute über
die Grundrißform desselben nicht genau unter-
richtet. Nach dem Befund im Jahre 1846,
der gelegentlich einer Neuplattung des Fuß-
bodens von dem Bauführer Grund aufgezeichnet
worden ist, zeigt sich als ältere Anlage ein
quadratischer, etwa 7 m breiter Chorraum mit
Hauptapsis und einer nördlichen Seitenapsis.
Mit Sicherheit kann angenommen werden, daß
die südliche Seitenschiffmauer des ersten Ora-
toriums bei der Kreuzgangsanlage, vielleicht
auch bei Hochführung des gotischen Seiten-
schiffes, verwendet worden ist. Sehr nahe liegt
es, an eine Verwandtschaft mit dem fast gleich-
zeitig (1140) gegründeten Kloster Georgen-
t a 1 in Thüringen zu denken, insofern, als dort
auch eine dreischiffige Pfeileranlage mit Quer-
schiff, quadratischem Chorraum, Hauptapsis und
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