Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

Page: 227-228
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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Neues Dreikönigenreliquiar als Weihegabe an Papst Pius X. seitens des

Kölner Metropolitankapitels.

(Mit Abbildung.)

scheint als eine Art von Träger, durch seine
Färbung den Zusammenhang wahrend mit
dem Emailbilde. — Daß für dieses die Drei-
königen-Anbetung gewählt wurde, lag nahe,
nicht minder der Plan, dabei die Mittelgruppe

fls Homagium an Seine Heilig-

| keit zum Feste des goldenen

Priesterjubiläums empfahl sich

dem Kölner Metropolitan-

^ kapitel eine Reliquie aus dem

^ Schreine der hh. Dreikönige

um so mehr, als der Papst
auch den Vornamen Melchior
führt. — Sollte sie sich
dem Handgebrauch anpassen, so mußte der
Umfang klein bleiben; die Kapselform ergab
sich als die beste
Lösung, und wenn
ihr die vornehmste
Technik, über

welche die Gold-
schmiedekunst, zu-
mal die kölnische,
verfügt, der Re-
liefschmelz, als
Schmuck zu Hilfe
kam, dann durfte
ein würdiges Fest-
geschenk erwartet
werden. — Trotz
der nur sieben Tage
umfassenden An-
fertigungsfrist, läßt
das von Hermeling
in Köln ausgeführte,
hier abgebildete
Kapselreliquiarvon
11 cm Durchm., an Reichtum und Fein-
heit der Ausführung nichts zu wünschen übrig.
Für dasselbe wurde die Vierpaßform gewählt,
wie sie namentlich bei der Chormantelagraffe
beliebt war, als welche das Juwel auch benutzt
werden könnte. — Ein profilierter silberver-
goldeter Rand bildet die Umrahmung, und
die seiner Schräge eingravierte Majuskel-
inschrift: PIO PP.X LUSTRA X SACER-
DOTII COPLETI CAPITULU METR.
COLONIENSE PARTICULA EX OSS. SS.
MAGORU D.D. markiert die Erinnerung an
seinen Ursprung und seine Bestimmung. —
Der untere Paß birgt in seiner oblongen ver-
gitterten Vertiefung das kleine Fingergelenk
aus dem Dreikönigenschrein, und das konsolen-
artige quadronierte Segment unter ihm er-

dem Dombild zu entnehmen, dem vollendetsten
Erzeugnisse der Kölner Malerschule. Sie
in ganz flacher Reliefgravur aus dem hellen,
daher durchscheinenden Silbergrund heraus-
zuheben, und mit den dem Original nach-
gebildeten, aber den durchsichtigen Schmelz-
tönen angepaßten
Farben zu versehen,
setzt eine technisch
und künstlerisch
durchaus geschulte
Hand voraus. Die
Flachgravur, die
Auswahl und Ver-
teilung der Farben,
der Brennprozeß
erfordern, außer
dem Kunstgefühl,
eine Geschicklich-
keit, wie sie nur
auf dem Wege
erprobter Tradition
und langer Erfah-
rung gewonnen
werden kann. Eine
große Farbenskala
ist hier zur Ver-
wendung gelangt, und die Schärfe, mit der
sie auch in den kleinsten Partien, wie in den
gleichfalls emaillierten Köpfen, in den Kronen,
Weihegefäßen usw. zur Geltung gebracht ist,
verleiht dem Schmelzbilde einen eigenartigen
Reiz. Von dem blauen damaszierten Grund
hebt sich die Darstellung vortrefflich ab. Die
auf ihm verteilten drei Wappenschildchen des
Papstes, Erzbischofs und Kapitels, versinnbilden
zugleich den ganzen Zusammenhang, Seiner
Heiligkeit die Glückwünsche ausdrückend, die
das Kapitel als Stifter beseelen und Seine
Eminenz als den Überreicher bei dem feier-
lichen Empfange, zu dem der gesamte Erz-
sprengel, durch zahlreiche Priester und Laien
vertreten, dem höchsten Priester, Lehrer und
Hirten seine Huldigung darbringt. S ch n ü tgen.
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