Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908.— ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 1.

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schwerlich mißverstanden. Auch von anderer Seite
bin ich inzwischen auf zwei weitere Madonnen des
Anonymus (in der Univ. Sammlung in Göttingen und
im Wiener Kunsthandel) aufmerksam gemacht worden,
ohne daß ich zu eigner Nachprüfung die. Unterlage
halte. Wer die Kunstentwicklung im Zusammenhange

sehen will, wird die richtige Bestimmung eines solchen
Meisters und die dahin führende Feststellung der für
seine Charakteristik bedeutsamen Arbeiten (Empoli.
S. Croce) nicht für nebensächlich halten.

Berlin.

O. Wulff.

Bücherschau.

Die romanischen Baudenkmäler von Hildes-
heim. Unter Berücksichtigung des einheimischen
romanischen Kunstgewerbes aufgenommen, dargestellt
und beschrieben von dem Inhaber des Stipendiums
Adolf Zeller, Kgl. Reg.-Baumeister, Privatdozent
an der technischen Hochschule zu Darmstadt. Mit
50 Tafeln und 82 Textabbildungen. — Julius Springer
in Berlin 1907. (Preis geb. Mk. 40.)
Obgleich die Kunstdenkmäler Hildesheims, dank
dem ganz ungewöhnlichen Interesse seiner Bewohner
für dieselben, schon seit dem Beginn der romantischen
Bewegung, vielfache Beachtung und Beschreibung ge-
funden, so fehlte es doch an einer zusammenhängenden
Prüfung derselben, insoweit sie die großzügige Eigenart
der sächsischen Richtung zeigen, also in dem Bereiche
der romanischen Formenwelt. — Auf diese beschränkt
sich die vorliegende glänzende Veröffentlichung, die in
5 Abschnitten das Thema gründlich behandelt. Der
Baugeschichte Hildesheims bis zum Schlüsse des XII.
Jahrh., der Topographie der Stadt um die Mitte des
XIII. Jahrh., den Bauwerken der romanischen Zeit,
ihrer Baugeschichle und Baubeschreibung, dem Kunst-
gewerbe, der Einwirkung derselben auf die Nachbar-
gebiete sind diese Abschnitte geweiht. — Der Schwer-
punkt liegt in den Abbildungen, die sämtlich tadellos
sind, mögen sie auf photographischen oder auf zeich-
nerischen Aufnahmen beruhen; dieselben sind teils in
den Text aufgenommen, teils auf Tafeln zusammen-
gestellt, so daß ein Illustrationsapparat und, dank nament-
lich der Fülle sorgfältigster Details und von Wieder-
gaben alter Stiche usw., ein Studienmaterial vorliegt,
wie es reichlicher kaum sein könnte. — An dasselbe
knüpft die baugeschichtliche Forschung an, die alle
bekannten Notizen zusammenstellt und die Entwickelung
der einzelnen Bauwerke (St.- Michael, St. Andreas,
Domfreiheit, St. Godehard, Kreuzkirche, St. Stephan,
St. Moritz) verfolgt, ohne aber hinsichlich der frühesten
Einflüsse und der Ursprungsformen zu neuen Schlüssen
gelangt zu sein, für welche allerdings auch die
Kombination besondere Schwierigkeiten bieten mag.
St. Michael steht hierbei mit seinen Rekonstruktionen
im Vordergrunde. — Wie hinsichtlich der Baufoimen
und plastischen Gestaltungen die lokalen Einflüsse
überall maßgebend sich zeigen, so treten sie auch
auf dem Gebiete des kunstgewerblichen Schaffens in
die Erscheinung, das einen so ausgeprägten örtlichen
Typus hat, wie er selten begegnet, namentlich für das
XI. Jahrh. — Die hier so übersichtlich gebotenen
Vergleichsobjekte erleichtern die Erkenntnis des künst-
lerischen Zusammenhanges und Entwicklungsganges, in
den die zahlreichen romanischen Initialen vortrefflich
hineinpassen. E.

Der Liber Ordinarius der Essener Stifts-
kirche. Mit Einleitung, Erläuterungen und einem
Plan der Stiftskirche und ihrer Umgebnng im XIV.
Jahrh. — Herausgegeben von Franz Arens. —
Jungfermann in Paderborn 1908. (Preis Mk. 6,50.)
Das frühere Essener Kanonissenstift, das an An-
sehen und Glanz von keinem anderen übertroffen wurde,
besitzt als Nachschrift eines älteren Exemplars einen
dem XIV. Jahrh. angehörigen Liber Ordinarius, also
den Kodex, in welchem für die einzelnen Tagesstunden,
wie für den Verlauf des Kirchenjahres die Ordnung
der gottesdienstlichen Feierlichkeiten angegeben war.
— Schon 1901 (im XXI. Heft der „Beiträge zur Ge-
schichte von Stadt und Stift Essen") hatte einer der tüch-
tigsten und eifrigsten Lokalhistoriker, der Rentner Franz
Arens, „seine Bedeutung für die Liturgie, Geschichte und
Topographie des ehemaligen Stiftes Essen" in lehr-
reichster Weise dargelegt, aber ohne Beigabe des
lateinischen Textes. — Diesen trägt er nach in der
vorliegenden Schrift, die mit den, 150 Seiten umfassen-
den, die mannigfaltigsten liturgischen, hagiographischen,
kunsthistorischen, topographischen Kenntnisse usw.
verratenden Erläuterungen eine höchst schätzenswerte
Veröffentlichung ist; sie bringt nicht nur in den eigen-
artigen, ungemein entwickelten gottesdienstlichen Be-
trieb des Essener Stiftes sehr viel Licht, zum großen
Teil anknüpfend an die noch vorhandenen Gebäulich-
keiten, Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände, son-
dern ist auch für die Geschichte des klösterlichen
Lebens und liturgischen Waltens im allgemeinen von
großer Bedeutung. — Was hier über die Stiftspersonen,
die gewöhnlichen gottesdienstlichen Funktionen, das
Kirchenjahr und seine Feste, die Exequicn, Beerdigungen
und Anniversarien, die Oblationen usw. zusammengestellt
ist, bildet durch seine überaus umfassende, klar formulierte
Aktualität ein so vielseitiges, dazu gemeinverständliches
Material, daß der Verfasser für seine mühsamen Studien
reichlich entschädigt sein wird durch das dankbare
Interesse nicht nur seiner Landsleute, sondern der
weitesten Kreise kirchlichen Wissens und Lebens.

___________ Schnütgen.

Franz Laurana von Wilhelm Rolfs. Mit
180 Abb. auf 82 Lichtdrucktafeln in 2 Bänden;
br. 36 Mk., geb. Mk. 40. — Rieh. Bong in Berlin.
Dem erst im letzten Jahrzehnt durch die Ver-
breitung von Abgüssen der Beatrix-Büsten bekannt,
neuerdings mit einem Schlage berühmt gewordenen
Bildhauer widmet der feinsinnige Verfasser dieses um-
fassende, sofort abgerundete Lebensbild. Wenn das-
selbe mancherlei Widersprüche zeigt (die Vorspiel
und Nachhall in der neuesten Literatur gefunden haben),
so mögen dieselben sich erklären aus dem Wander-
leben des Künstlers, der Mannigfaltigkeit seiner Be-
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