Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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1908. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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1. Der Vogel Phönix erscheint auf einem
kelchförmigen Gefäß in terra sigillata in
unserer Sammlung.

2. Eine Taube als Gefäß mit grüner Glasie-
rung erwarb vor etlichen Jahren Brinckmann
für das hamburgische Kunstgewerbemuseum.
Sie stammt angeblich aus Pyrmont und dürfte
kölnischen Fabrikats sein.

3. Ein grün glasiertes Gefäß unserer Samm-
lung (Abb. Bonn. Jahrb., 1. c. p. 358 Fig. 4b)
zeigt gegenständige, an einer Vase trinkende
Schlangen (cfr. Kraus, Real-Enzyklopädie II-
p. 733 ff.)

4. Zwei unserer Gläser haben die Form
der Amula (cfr. Kraus, Real-Enzyklopädie
I. p. 48 Fig. 29/30). Bei dem einen sitzen
vier Tauben in vier Durchbrechungen, welche
in Kreuzesform gestellt sind, das andere
trägt ein in klarer Kreuzesform gestelltes Blatt-
ornament in Fadendekor.

5. Zwei kelchförmige Glasgefäße mit Faden-
dekor weisen, das eine das sog. Hakenkreuz
(cfr. Kraus, Real-Enzyklopädie II, p. 226,
Fig. 91 u. 92), das andere ein in Kreuzesform
gestelltes Blattornament auf.

6. Einen Tonbecher mit gleicharmigem,
mehrfach wiederholtem Kreuz in weißer Bar-
botine sah ich vor Jahren im Kunsthandel.

7. Den Lebensbaum weist in Goldtauschie-
rung ein Silberlöffel der Sammlung Schnütgen
auf.

8. Auf dem Sarkophag des Weidener Grabes
erscheint die Weinlese.

9. Ein jüngst vom Museum erworbener
Messergriff aus Elfenbein ist bekrönt mit einem
Kopf mit asiatischer Mütze, auf den ersten
Blick also Attis, vielleicht aber auch, nach
Analogie des Elfenbeingefäßes aus Sammlung
Garthe, Daniel, oder nach Analogie unserer be-
kannten Sigillataschale, Orpheus.

Ich mache diese Zusammenstellung, wohl
wissend, daß die sichere Entscheidung nie ge-
troffen werden kann, sondern daß über ihr
die Gräber ewig schweigen werden.

Bei dieser Gelegenheit führe ich aus meinen
jüngsten Ausgrabungserfahrungen an, daß sich
meine in den Bonn. Jahrb. 1. c. p. 378 aus-
gesprochene Vermutung zu bestätigen scheint,
wonach wir in der Gegend von St. Severin
christliche Gräber der ausgehenden römischen
Epoche haben, in welchen der heidnische
Gebrauch der Beigaben mit Bewußtsein
fallen gelassen ist. Bei Gelegenheit von Tief-
bauarbeiten der Postverwaltung nämlich hinter
dem Chor der Kirche öffnete ich zwei fest
verschlossene Steinsarkophage: Sie zeigten
gleich wie der vor Jahren südlich der Kirche
geöffnete, ein Skelett ohne alle Beigaben.
Die Sarkophage aus Trierer Sandstein sind
noch ausgesprochener römischer Form, in-
dessen von recht später zerfallender Arbeit.

Köln. Popp el reu ter.

I.

Karl der Große ist sitzend auf einer Art goldenem Thron begraben worden.

(Mit 3 Abbildungen.)

im Umgang vor der jetzigen Sakristei gestanden

hat; auch die Gestalt dürfte ähnlich der von

Prof. Buchkremer gezeichneten gewesen sein.

Was mir aber nicht erwiesen

eber die Art und Weise wie Kaiser
Karl bestattet worden ist, und wie
sein Grabmal ausgesehen hat, wird
wieder eifrig gestritten. Aber auch
die ausgezeichnete Abhandlung von Professor
Buchkremer,1) welche die ganze Sache in ein
neues Licht rückt und in völlig eigenartiger
Weise angreift, scheint nicht die endgiltige
Lösung gebracht zu haben. Professor Buch-
kremer hat jedoch diese anscheinend aus-
sichtslose Aufgabe ihrer Lösung ein gehöriges
Stück näher geführt.

Ich meine, der Beweis ist erbracht, daß
das Grabmal Karls des Großen bis 17882)

•) -Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.« 1907.
(Buchkremer, „Das Grab Karls d. Gr.")
2) Ebenda S. 176.

zu sein

scheint, ist, daß das Grabmal von Anfang
an daselbst gestanden hat und daß Karl der
Große in dem Sarkophag oberirdisch bei-
gesetzt worden ist.

Der Ort, welchen das Grabmal bis 1788
innegehabt hat, macht durchaus den Eindruck,
daß man das Grabmal dort beiseite gestellt,
daß man es notdürftig untergebracht hat,
nachdem sein ursprünglicher Standort ver-
loren gegangen war und nachdem es nicht
mehr den Leichnam Karls barg oder besser
gesagt, nachdem es nicht mehr den Ort zierte,
wo Karl begraben gewesen war.
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