Zeitschrift für christliche Kunst — 21.1908

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IOOS.j-^EITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST _ Nr. 4.

allerbesten Kennern der französischen Skulptur auf
deren langem und glorreichem Entwicklungswege zählen.

—-------------- Schnütgen.

Zum 70. Geburtstage Eduard von Gebhardts
(am 13. Juni 1908) erschien: Ein.Gedenkb latt
von Rudolf Burckhardt. Mit 9 zum Teil un-
veröffentlichten Bildern. — Vandenhoeck & Rup-
recht in Göttingen. (Pr. 50 Pf.)
Dem gefeierten Altmeister hat das Alter die
Leistungsfähigkeit nicht vermindert, sondern noch ge-
steigert, wie hinsichtlich der Fruchtbarkeit, so der
Tüchtigkeit. — Ein Bild konsequenter Entwicklung
und ständigen Fortschritts bietet das ein halbes Jahr-
hundert der religiösen Malerei geweihte Leben. —
In der letzten Hälfte desselben haben namentlich drei
große Gruppen seinen Namen unsterblich gemacht:
Die Wandgemälde im Kapitelssaal vom Kloster
(Predigerseminar) Loccum (1884—1891), in der
Friedenskirche zu Düsseldorf (1899—1907), die Tafel-
bilder des letzten Jahrzehnts. — Diese Gruppen
werden in der vorliegenden Studie mit Liebe und
Begeisterung behandelt, indem an die 7 hier gut
wiedergegebenen Gemälde der Hochzeit zu Kana, der
Tempelreinigung, des Wasserschlags Mosis, der Haus-
frau, des hl. Johannes im Gefängnis, des Todes vom
armen Lazarus, der Heimkehr des verlorenen Sohnes,
treffliche Beschreibungen und sinnige Betrachtungen
geknüpft werden, die für des Meisters Werke tieferes
Verständnis zu wecken und zu verbreiten geeignet sind.
Vor kurzem durften mehrere dieser Originalentwürfe,
an der Hand des Meisters, von dem unterzeichneten
geprüft und bewundert werden, der dem verehrten
Gönner zum Geburtsfeste die wärmsten Wünsche
weiht, auf die 70 Palmbäume hinweisend, deren
erquicklicher Schatten im IL und IV. Buch Moses ge-
priesen wird. Schnütgen.

Himmel und Erde. Unser Wissen von der Sternen-
welt und dem Erdball. Herausgegeben unter Mit-
wirkung von Fachgenossen von J. Plassmann und
J. Po hie — P. Krei chgauer und L. Waagen.
Mit zahlreichen Textabbildungen und vielen melir-
und einfarbigen Tafelbildern und Beilagen. Band I:
Der Sternenhimmel. Die Bewegungen und die
Eigenschaften der Himmelskörper. — Band II:
Unsere Erde. Der Werdegang des Erdballs und
seiner Lebewelt, seine Beschaffenheit und seine
Hüllen. — Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H in
Berlin, München, Leipzig. (28 Lieferungen ä 1 Mk.)
Von diesem Lieferungswerk, dessen Objektivität,
Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit verbürgt wird durch
die wissenschaftlich längst bewährten Herausgeber, liegt
das I. H e f t vor, dessen Ausstattung geradezu frappiert
durch die Vorzüglichkeit der Textillustrationen, wie
der Tafeln, die teils im Vierfarbendruck, teils im
Doppelton gehalten sind. — Von glänzender Wirkung
sind die „Ideale Landschaft auf dem Planeten Mars"
und „Salz- und Gipsberg in der ostindischen Salzkette
mit Ausblick in die Wüste"; nicht minder „Eine
Mondlandschaft" und „Geländeverschiebung als Wirkung
eines Erdbebens"; auch „der Astrolog" ist eine unüber-
treffliche Wiedergabe der Rembrandtschen Radierung.
__ Mithin kommt hier auch die Kunst in der Aus-
stattung vollkommen zur Geltung. b.

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Jahrbuch der Zeit- und Kulturgeschichte
1907. Erster Jahrgang. Herausgegeben von D Franz
Schnürer. — Herder in Freiburg 1908. (Preis
in Original-Leinwandband Mk. 7,50.)
Dieses neue Jahrbuch, ein Seitenstück, vielmehr
noch eine Art von Komplement zu dem seit 1886 in
demselben Verlage erscheinenden „Jahrbuch der Natur-
wissenschaften" dürfte hinsichtlich seiner Zeitgemäßheit
wohl kaum eine Beanstandung erfahren, vielmehr all-
seitige freudige Zustimmung. Obwohl, wenigstens bei
seinem ersten Auftreten, noch eine Art Versuchsstation,
wird ihm schon die Wahl des Herausgebers, wie
der zumeist wohlbekannten Mitarbeiter (Bick, Blümml,
H, Brentano, Dresemann, Hildebrand, Hugelmann,
Huonder, Kellen, A Kirsch, Kley, v. Kralik, Kroyer,
Leitschuh, Michelitsch, Oehl, Roloff, Sacher, Schindler,
Schoenbach, Seipel, Sprengler, B. Stein, Fr. Walter,
Weimar) Vertrauen entgegenbringen, und dieses durch
die ganze Anordnung noch verstärkt — Geistvoll ist
v. Kraliks „Zur Einführung"; dann werden,.Kirch-
liches Leben" im In-und Ausland, besonders auch
im Missionswesen übersichtlich geschildert; eingehender
„Politisch es Leben"; nochausführlicher „Soziale
und wirtschaftliche Fragen" (Volkswirtschaft,
Unterrichts wesen, Presse in Deutschland und Österreich),
und vor allem in „Wissenschaften" (Theologie,
Philosophie, Geschichte, Sprachwissenschaft, Literatur-
geschichte, Volkskunde, Rechtswissenschaft. — Litera-
tur umfaßt 70, Kunst 30 Seiten, von denen aber
nur 20 auf die bildende Kunst entfallen. — Im all-
gemeinen wird dieses Programm und dessen Um-
grenzung, die durch den Anschluß an das „Jahrbuch
der Naturwissenschaften" erheblich erschwert wurde,
wohl Beifall finden, aber mancher auch seine Spezial-
Wünsche haben, die bald für Einschränkung, bald für
Erweiterung plädieren. — Jede der 7 Abteilungen
wird in ihrer Abrundung etwas Eigenartiges darstellen
müssen, wie es sich in den Spezialorganen nicht findet,
also nicht vorwiegend Aufzählungen bringen, sondern
organische Zusammenfassungen. — Was in dieser und
anderer Hinsicht der erste Wurf unmöglich schon
leisten konnte, so gelungen er erscheint, wird sich
bald als gereiftes System ergeben, und als solches den
großen Nutzen der soliden Bewertung und der leichten
Orientierung bieten. — Bei dieser werden die, 75 Seiten
umfassenden Anhängsel: Chronik, Personalien,
Totenschau von ganz besonderem Nutzen sein.

Schnütgen.

D ie Christus-Darstellung in derbildenden
Kunst. Eine kunstgeschichtliche Studie von Dr.
Fink, Pfarrer. — Aderholz in Breslau 1907.
(Pr. 75 Pf.)
In dem etwas erweiterten Rahmen eines Vortrages
behandelt der Verfasser, auf 43 Seiten, das Bild des
Heilandes, wie es im Verlauf der Kunstgeschichte auf
dem Gebiete der Malerei und Plastik, als Einzel-
figur wie in Gruppen zur Entfaltung gelangt ist. Die
altchristliche Zeit, wie die neueste Epoche stehen im
Vordergrunde, aber auch das Mittelalter mit seinen
verschiedenen Typen wird nicht vernachlässigt, so daß der
Überblick als relativ vollständig bezeichnet werden kann.
Da die Auffassung durchweg korrekt, die Fassung frisch
und anregend ist, so verdient das Büchlein in weiteren
Kreisen Beachtung G.
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